drin gewesen war , erklärte unverfroren : Den Keller habe er immer trocken gefunden bisher ; das müsse zufällig eingedrungenes Schneewasser sein . Er wandte sich an den alten Büttner mit der Aufforderung , ihm das zu bestätigen . Traugott Büttner erklärte in mürrischem Tone : Solange er lebe , habe in diesem Keller im Frühjahre stets Wasser gestanden . - Der Händler biß sich auf die Lippen und warf dem Alten gerade keinen freundlichen Blick zu . Auch sonst wurde mancherlei mangelhaft befunden . Die Öfen taugten nach Ansicht des fremden Herrn nichts , während Harrassowitz beschwor , sie heizten ausgezeichnet . Die Dielen sollten an vielen Stellen schadhaft sein . Das Dach sei reparaturbedürftig , die Treppe wackelig . Von der Holzstube wollte der Herr gar nichts wissen , die müsse er herausreißen lassen und durch Ziegelwände ersetzen . Kurz , das Haus war , wenn man den Worten des Mannes trauen durfte , » ein Loch « in das man eine junge Frau unmöglich führen konnte . Harrassowitz meinte , mit einigen hundert Mark mache er sich anheischig , aus diesem Hause ein wahres Eldorado zu schaffen , » komfortabel und hochherrschaftlich « . » Eine Hundehütte ist das Ding ! « rief der Fremde , der die starken Ausdrücke zu bevorzugen schien . » Fünftausend Mark muß ich hier gleich reinschmeißen ; bloß was das Ausmisten kostet . Natürlich geht das vom Kaufpreise ab ! « Der Händler schwor dagegen , beide Hände zur Beteuerung erhebend , dann könne kein Handel zustande kommen ; er dürfe nicht eine Mark vom Preise ablassen . So wurde hin und her gefeilscht zwischen den beiden . Auf den alten Büttner , der gesenkten Hauptes dabeistand , Rücksicht zu nehmen , schien man für überflüssig zu halten . Nachdem man Haus und Hof gründlich besichtigt , wobei der Fremde alles so schlecht wie möglich machte , während Harrassowitz seinen Besitz nach Möglichkeit herausstrich , ging es hinaus zur neu angelegten Ziegelei . Büttner wurde nicht aufgefordert , mit dorthin zu kommen . Nach Verlauf von einer Stunde etwa kamen die Herren in das Gehöft zurück . Sie begaben sich in die ehemalige Wohnstube der Büttnerschen Familie . Sam verlangte Tinte und Papier und schimpfte , als das nicht zu haben war . » Sie können derweilen rausgehen ! « sagte er zu dem alten Manne . » Aber halten Sie sich in der Nähe auf , bis ich Sie rufen werde . « Traugott Büttner ging in den Stall . Die Gesellschaft der Tiere war ihm lieber als die der Menschen . Die Tiere waren unverständig , stumpf und gutmütig . Die kaltblütig-grausame Art , seinesgleichen zu martern , hatte der Mensch vor der Kreatur voraus . - Der alte Mann saß bei den Kühen auf einem Melkschemel . Er hatte den Tieren neues Futter vorgeworfen . Gemächlich kauend standen sie da , blickten ihn während des Fressens hin und wieder an , furchtlos ; sie kannten ihn ja . Durch die offene Stalltür konnte man über den Hof her vernehmen , wie jene drüben in der Stube sprachen . Sie schienen noch nicht einig . Es ging lebhaft zu beim Handeln . Der Bauer versank tiefer und tiefer in Brüten . Eine » Hundehütte « hatte der Herr sein Haus genannt ! Daß der Mensch nicht stumm geworden war für solche Lästerung ! Er , der Büttnerbauer , mußte doch wohl sein Haus kennen und wissen , was es wert war ; es gab kein besseres im ganzen Dorfe . Die Grundmauern mußten uralt sein . Der Vater hatte einmal gehört von einem , der es verstand : die Mauern stammten aus Zeiten , die noch lange , lange vor dem großen Kriege lagen . Die Holzstube , welche der Fremde herausreißen wollte , war von Traugotts Großvater aus starken , trockenen Tannenbrettern und lärchenen Pfosten eingebaut worden , und mochte noch manches liebe Jahr überdauern . Den Dachstuhl hatte Leberecht Büttner neu zimmern lassen ; da war kein Balken , der sich gesenkt oder gebogen hätte . Er selbst , Traugott Büttner , hatte viel Arbeit , Sorge und Kosten auf das Wohnhaus verwendet . Es war stets sein Stolz gewesen , daß es so stattlich sei ; er hatte seinen Ehrgeiz darein gesetzt , das von den Vätern überkommene Heim in Ordnung und Stand zu halten . Er hatte dieses Haus lieb , wie man ein lebendes Wesen liebt . Wenn er vom Felde hereinkam , blickte es ihn schon von weitem an , freundlich und vertraut , wie eine Mutter . - Es war ja auch die Mutter von vielen Generationen , die in ihm geboren und groß geworden , denen es Obdach und Behausung gewährt hatte . Er kannte dieses Haus , wie er seine Ehefrau gekannt hatte . Er liebte es nicht nur in seinen Vorzügen und guten Seiten , er liebte es in allen seinen Eigenheiten und Heimlichkeiten , die nur ihm offenbar waren . Er liebte es nicht zum mindesten der schweren und bangen Stunden wegen , die er unter seinem Dache durchlebt hatte . Und nun kam da einer her , ein Fremder , und nannte es eine » Hundehütte « ! Es war nicht Zorn , was der Alte empfand , auch nicht Ärger . All die jäh aufwallenden heißen Gefühle waren ausgelöscht in ihm . Mehr ein Staunen war es , ein Verwundern über das , was ihm widerfuhr . Der Geist der streitbaren Auflehnung , der ihn früher oft zu seinem Schaden beseelt , hatte einer dumpfen Verdrossenheit Platz gemacht . Er war still und nachdenklich geworden . Den Leuten im Dorfe wurde er dadurch unheimlich . Wenn er in seinem Kummer gerast oder zur Schnapsflasche gegriffen hätte , würden sie sich weniger gewundert haben , als über dieses stille » Simelieren « des Bauern . Er konnte neuerdings über einem Worte , einem Erlebnisse stundenlang grübeln . Es war , als ginge er im Kreise wie ein