sie tapfer , » erfahren muß er ' s doch . « Und ebenso tapfer ließ sie in der Stube die Flut von Fragen und Klagen , mit denen der Marschallik sie empfing , über sich ergehen . » Ja , Vater « , erwiderte sie endlich und wischte sich den Schnee aus dem braunen Haar , » fortgejagt hat mich Reb Hirsch Knall und Fall , das ist nicht zu ändern . Noch vorgestern war ich sein lieb ' Kind , sein Nüssele , und heut ' eine Verbrecherin . Aber meine Schuld ist ' s nicht ! Oder doch - ja , aber ich bereu ' s nicht ! « » Wegen Malke ? « klagte Reb Itzig . » Du hast dich für sie geopfert ? « » Geopfert ? « Die Kleine reckte sich empor , wie es ihre Gewohnheit war . » Seh ' ich aus wie eine Geopferte ? Freilich wär ' ich lieber in Frieden aus dem Haus gegangen , wo ich so lang wie ein Kind gehalten war . Aber wozu klagen ? Natürlich , Malkes wegen war ' s. Vor vierzehn Tagen kommt unter meiner Adresse ein Brief vom Bernhard , er hofft , bald als Advokat angestellt zu werden , ob er kommen und um sie anhalten soll ? Sie antwortet : ihn allein wird Reb Hirsch hinauswerfen , er soll mit seinem Vater kommen . Richtig kommen gestern die beiden - eine furchtbare Szene , Reb Hirsch wirft auch seinen Bruder hinaus . Sie reisen zum Schein ab . Aber wie ich gestern abend zum Bäcker geh ' , tritt mir jemand in den Weg , der Bernhard : Mein Vater und ich halten morgen früh um fünf am Marktplatz und nehmen Malke mit . So hab ' ich denn die Nacht mit ihr durchwacht und sie an den Wagen gebracht . Wie Reb Hirsch aufsteht und das Nest leer findet , ich hab ' geglaubt , er verliert vor Wut den Verstand . Aber das nützt alles nichts , fort ist sie , ich aber - der Hausknecht hat uns gesehen , wie wir zum Wagen geschlichen sind , aber ich hätt ' s auch sonst nicht geleugnet - ich hab ' s ausbaden müssen - « » Und nun ? « jammerte Türkischgelb . » Muß ich verhungern « , erwiderte sie lachend , » denn es gibt auf der ganzen Welt keine Wirtschaft mehr , die mich brauchen könnt ' . « Sie streckte die runden Arme . » Und so schwach bin ich nebbich ( Ausdruck des Mitleids ) auch ! ... Schämt Euch , Vater , für mich ist ' s wohl nicht schlecht , und für Malke ist ' s gut , und für den da auch . « Sie wies auf Sender . » Ich hör ' , die dummen Leut ' haben Euch ordentlich in Verruf getan . Nun sollen ' s alle erfahren , wie es damals zugegangen ist ! « Und sie erzählte es . » So verdirbt die Tochter dem Vater das Geschäft ! « rief Türkischgelb zwischen Zorn und Lachen ; Frau Rosel aber war innigst erfreut : ihre Vermutung , daß er sie eines geheimen Vorhabens wegen abgelehnt , war irrig gewesen , und wenn die Leute erst erfuhren , wie Malke war , so mußte jeder Sender beistimmen . Nach ihrer Auffassung konnte nur eine Entartete bei Nacht und Nebel mit dem Geliebten fliehen . Dann aber fand auch der Marschallik kein Hindernis mehr , wenn er für Sender eine neue Partie suchte , und sie hätte den Alten noch heute darum gebeten , wenn er minder betrübt gewesen wäre . Aber schon zwei Tage später war er die Sorge um Jütte los : Schlome Freudenthal , der Besitzer des Barnower Gasthofs , hatte sie als Wirtschafterin aufgenommen . » Für mich ist ' s gut « , sagte Türkischgelb der Freundin , » für sie schlecht . Am Ort , wo ihr Vater lebt , hat noch keines Marschalliks Tochter geheiratet . « Für Sender aber versprach er sich umzutun : » es wird gehen , nun loben ihn ja alle ! « In der Tat wußte sich dieser der Glückwünsche kaum zu erwehren . » Daß du ' s auf dich genommen hast « , hieß es , » war eine Narrheit , aber daß du sie nicht genommen hast , dein Glück . Sonst wär ' die Elende dir davongelaufen . « Er aber verteidigte sie warm und ehrlich . Wohl tat ihm noch immer leise das Herz weh , wenn er ihrer gedachte , aber redlich gönnte er ihr alles Gute . » Mag sie der Doktor so glücklich machen « , dachte er , » wie es mein Vorsatz war ! « Und mit feuchten Augen las er das Blatt , das um Neujahr an ihn gelangte . Auf die lithographierte Anzeige : » Wir beehren uns , Ihnen ergebenst unsere Vermählung anzuzeigen . Doktor Bernhard Salmenfeld und Frau Regine , geb . Salmenfeld « , hatte Malke geschrieben : » Mit tausend Grüßen innigster Dankbarkeit ihrem teuren Freunde Alexander Kurländer . « Darunter stand von der Hand des jungen Gatten : » Wie wollen wir applaudieren , wenn einst Dawison II. in unserem Wohnort Triumphe feiert . Aber in so ein Nest kommt er wohl gar nicht . Ich werde froh sein , wenn ich für Barnow ernannt werde . « Stolz zeigte er das Blatt seiner Freundin Jütte , und auch Pater Marian bekam es zu lesen . » Also doch ! « sagte der Greis lächelnd . » Darum warst du so traurig . Aber Dawison II. - damit hat ' s seine Wege . « Aber er selbst fühlte sich in diesen Tagen immer wieder an Senders berühmten Landsmann und Glaubensgenossen erinnert . Auf sein Drängen las er mit ihm den » Kaufmann von Venedig « . Hatte ihn Senders Begabung schon früher oft genug mit