Verwirrung in dem Bunde , dessen Beschlüsse fast jeder Dorfbewohner bisher gefürchtet hatte , wenn er keines Fürsprechers in demselben sicher war , kam nun Hansen und seiner Angelika sehr trefflich zustatten . Die Stigerin hörte fast nur Liebes und Gutes über das Paar , so daß die Sorge um das Urteil der öffentlichen Meinung ihr bald nicht eine Stunde Schlaf mehr kostete . Der Kaplan sorgte Zuseln wider Willen um Aufnahme in ein Kloster , was in Anbetracht ihres hübschen Vermögens nicht viele Mühe machte . Dabei redete er immer noch dagegen , aber alles , was er als untergeordneter Geistlicher sagen durfte , war umsonst . Die Dorfbewohner fast durchweg fanden Zusels frommen Entschluß ganz in der Ordnung , und er trug nicht wenig dazu bei , daß man jetzt das Vergangene gänzlich ruhen ließ , weil man alles gesühnt sah . Überall kamen die Leute jetzt dem guten Mädchen , in dem sie schon ein höheres Wesen erblickten , mit scheuer Freundschaft entgegen und baten sie um ihr Gebet . So wurde ihr denn der Abschied vom Dorf und vom Bruder Hansjörg noch so schwer , daß sie die Abreise verschob , ohne jedoch den Entschluß aufzugeben , in dem ihr ganzes Wesen wirklich wieder neue Kraft und neues Leben gewonnen hatte . Angelika hoffte darauf umsonst . Eines Morgens war Zusel fort , und auf dem Tische fand sich ein kurzer Abschiedsbrief mit der Bemerkung , daß sie über ihr Vermögen brieflich bestimmen und gewiß auch den Hansjörg nicht vergessen werde . Der Winter - es war ein mehr als halbjähriger - verging den Dorfbewohnern ungewöhnlich schnell , weil Hansjörg , der in der Welt draußen für alles ein offenes Auge hatte , nun in der Lage war und die Mittel besaß , manchen bisher unbekannten Erwerbszweig in der Gemeinde einzuführen . Daß eigentlich Jos die Erinnerungen des weitgereisten Soldaten verwertete , war kein Geheimnis , aber dieser selbst gönnte seinem Freunde gerne die Freude des Erfinders . Das tat ihm wohl und brachte ihn wieder auf neue Pläne , mit deren Ausführung sich dann der Sohn der Schnepfauerin für frühere Unbilden rächte . - - Den Tag , welcher unsere beiden Paare für immer verband , schmückte der Frühling mit aller seiner Pracht und schien noch etwas mehr für dieses Fest besonders aufbehalten zu haben . Vogelsang und Blumenduft drang bis in die Kirche , wo trotz des wunderlieblichen Morgens , der die Bauern zur dringenden Feldarbeit einlud , beinahe die ganze Gemeinde versammelt war . Jos , der jetzt wieder so sicher und aufrecht daherschritt , trug lange fremde Kleider . Hans erschien in kurzen Lederhosen und Kamisol neben der noch halb in Trauer gekleideten Angelika . Dorothee , die Vielgeprüfte , trug das Kränzchen . Es war zum letztenmal , drum trug sie es auch nach Ortsbrauch auf dem weißen Trauerschleier , der wahrscheinlich seinen Tod bedeuten soll . Zu einer lärmenden Hochzeitsfeier waren die beiden Paare nicht aufgelegt . Gegen Abend saßen sie in dem damals recht geräumigen Schopfe des Kronenwirtshauses bei einem einfachen Mahl . Aber wie still es auch , schon der noch immer nicht vergessenen Toten wegen , zugehen sollte , abends war ' s doch allen recht , daß die Dorfmusikanten mit ihrem fleißigen Kapellmeister vor dem Hause sich aufstellten und ihre lustigen und anmutigen Weisen zu spielen begannen . Hans rief sie fröhlich herein und war glücklich , ihnen viele junge Leute , Burschen und Mädchen , folgen zu sehen . Er schaffte überall zu trinken an und lief selbst , um Gläser zu holen , während Jos für hundert herzliche Glückwünsche dankte und vor lauter Reden kaum noch an den Tisch kam , wo die angesehensten Männer der Gemeinde neben Dorotheens ärmlich gekleideten Verwandten Platz genommen hatten und ungeduldig warteten , bis der kurzweilige Hochzeiter sich mit seinen vielen Freunden abgefunden hatte . Als er kam , stieß der Vorsteher kräftig mit ihm an und sprach dann laut sein Bedauern darüber aus , daß nun wahrscheinlich des Krämers Haus mitsamt dem Laden in ganz andere Hände kommen werde . Die ganze Gemeinde habe sich wohl befunden unter der jetzigen Leitung . Das Häuschen der Schnepfauerin sei wahrhaftig zu eng für so unruhige Köpfe , so daß die leicht noch einmal über die Grenze kommen könnten . Wenn mehrere , die auch etwas vermöchten , gesinnt und gesotten wären wie er , tät man zusammenstehen , um dem Jos mit den Seinen durch Bürgschaft und wie immer auf den Platz zu helfen . Er halte das für eine Gemeindeangelegenheit und habe daher öffentlich davon sprechen wollen . Ein Beifallssturm , der nicht enden wollte , war diesen Worten gefolgt . Hunderte wohl erzählten sich jetzt , daß auch ihnen diese Sorge die Freude des Festes ein wenig verdorben habe . Hans , der aufgestanden war , mußte lange warten , bis es wieder so stille war , daß er glauben konnte , seine kräftige , volle Stimme werde nun doch einigermaßen gehört werden . Dann aber begann der reiche Bauer , während seine Wange sich röter und röter färbte , laut und feierlich : » Ich kann gar nicht gut reden , aber wenn mir einmal etwas auf dem Herzen liegt , - ihr alle wißt es ja - dann muß es mir heraus , und mag man darüber sagen , was man will . Lange schon ist in mir ein Gedanke im Wachsen , der dem des Vorstehers gleicht wie ein Gänseblümchen dem anderen . Heut ' nun , wo es doch so wunderbar warm ist und wie ein ganzer Frühling auf einmal , darf man sich nicht wundern , daß er plötzlich reif worden ist . Da der Jos mit der wackeren Dorothee , Hansjörg und alles , was drum und dran hängt , soll und muß im Hause bleiben . Ich will schon bürgen für den Preis , den Zusel fordert . Sie ist gern im Kloster und will dem ein hübsches geben ,