zu bleiben bat . Da sie sich in die Mägdestube zu den Spinnenden begab , in deren Gegenwart er sie doch nicht sprechen konnte , nahm er sein Licht und ging auf sein Zimmer . Hier also war Angelika gewesen ! Herbert blickte umher , als suche er eine Spur von Angelika ' s Anwesenheit , aber er fühlte kein Vergnügen dabei . Ihn überkam ein Mißtrauen und eine Unruhe , die er nicht mehr empfunden , seit er sich von Richten entfernt hatte , und vor Allem verdroß es ihn , daß er Eva unzufrieden wußte , denn er hatte sie lieb und war sicher , daß auch er ihr theuer sei . Es lagen so viel Unschuld und Wahrhaftigkeit in der Weise , in welcher sie ihm ihre Neigung kund gab , und die ganzen Verhältnisse waren auch so natürlich zwischen ihm und ihr , daß er fühlte , wie es für ihn im Grunde nur seiner einfachen Anfrage bedürfe , damit er in Eva eine Frau gewinne , wie sein Vater sie ihm schon lange zu geben gewünscht und wie er sie zuweilen auch ersehnt hatte , wenn er , von seinen Geschäftsreisen heimkehrend , sich einsam in sein einsames Zimmer begeben müssen . War es ihm doch gerade heute bei seiner Ankunft in Rothenfeld so erquicklich gewesen , von Eva ' s freundlichem Blicke , von ihrem herzlichen Willkomm empfangen zu werden , so erquicklich , daß er sich kaum enthalten können , sie in seiner Freude , als gehöre sie schon lange zu ihm , an das Herz zu drücken . Er setzte sich an das Bureau nieder . Das Zimmer war auf das vorsorglichste für ihn bereitet ; trotz der späten Jahreszeit stand noch ein frischer Strauß auf der Commode unter dem Spiegel , und ein zweiter , wie er es liebte , auf seinem Bureau . Er wußte Eva für dieses Eingehen auf seine kleinen Neigungen von Herzen Dank , und er hatte sie dafür noch lieber . Indem zog er die große Schieblade auf , um etwas aus seinen Papieren herauszusuchen . Als er die oberen Lagen derselben aufgehoben hatte , hielt er plötzlich betroffen inne . Zwischen den Papieren , welche er dort aufbewahrt , weil sie sich auf den Bau bezogen , lag ein versiegelter Brief ohne Adresse und ohne Zeichen im Petschaft : aber er zweifelte nicht , von wem er käme , und ihn hastig eröffnend , las er die Herder ' schen Worte : Leichter ist es der Seele , die schwersten Schmerzen zu dulden , Als dem Auge , sich selbst einem Geliebten entziehn ! Eine wunderbare Empfindung durchzuckte ihn . Er konnte seine Augen nicht von dem Blatte und von den Worten abwenden . Wenn es wahr wäre ? Wenn sie dich dennoch liebte und hätte nur ihr eigenes Herz verkannt ? Und hätte dich nur von sich gewiesen , um den Argwohn ihres Gatten zu beschwichtigen ? dachte er . Er fühlte sich aufgeregt , er fühlte eine freudige Genugthuung , aber das währte nur einen kurzen Augenblick und machte bald einer entgegengesetzten Empfindung Platz . Sein Ehrgefühl schreckte vor einem solchen Liebeshandel zurück , und die Frau , welche daran denken konnte , ihn einzugehen , war nicht mehr jene reine , schuldlose und unglückliche Seele , zu der er einst mit so verehrender Liebe emporgesehen hatte . Er wollte nicht wieder der Spielball seiner eigenen Empfindungen oder gar das Spielzeug in den Händen einer Frau werden , die sich , gerade wie ihr Gatte , das Recht zuzuerkennen schien , ihn nach ihrem Belieben wider seinen Willen anzuziehen und abzustoßen , und der Gedanke , was Eva empfunden haben würde , hätte ein Zufall oder ihre eigene zärtliche Neugier ihr dieses Papier in die Hände gespielt , nahm ihn noch entschiedener gegen die Baronin ein . Er dachte daran , ihr dieses Blättchen zurückzusenden , aber er war Mannes genug , eine Frau unter keinen Verhältnissen bloßzustellen , und mit raschem Entschlusse zerriß er das Papier , um der Baronin in der Weise zu antworten , die seiner Neigung für Eva entsprach und die ihn für immer des Schwankens entheben mußte , in welchem er sich sonst zwischen diesen beiden Frauen bewegt . Auf dem Punkte , sein Zimmer zu verlassen und die bindende Entscheidung zu treffen , mit welcher er ein für alle Mal seiner Freiheit entsagte , überkam ihn jedoch jene Unsicherheit , welche fast jeder Mann in solcher Lage fühlen muß . Er war entschlossen , Angelika ' s nicht mehr zu gedenken ; indeß noch war er Herr , es zu thun , und er sah sie eben jetzt so deutlich vor Augen . Sie erschien ihm nur schöner , nur reizender , wenn er sie sich hier in diesem schlichten Raume vorstellte , wenn er es sich ausmalte , wie eine Frau gleich ihr am Heerde eines geliebten Mannes walten möge , und ohne daß er es beabsichtigte , versank er in Träume eines Glückes , das ihn schwindeln machte und das weit ablag von dem Vorsatze , den er eben noch gehegt . Der Hufschlag eines Pferdes riß ihn in die Wirklichkeit zurück . Der Amtmann kehrte heim . Herbert fuhr sich mit der Hand über die Stirne ; es war ihm erwünscht , daß man ihn weckte , daß er mit seinen thörichten Phantasieen nicht länger allein blieb . Er versprach sich , daß sie ihm nicht wiederkommen sollten . Als er die Wohnstube betrat , sah er beim ersten Blicke , daß der Amtmann nicht gut aufgelegt war ; auch Eva zeigte sich mißmuthig und ging ihm aus dem Wege . Man setzte sich zum Essen nieder , aber es wollte mit der Unterhaltung nicht gehen . Der Amtmann that einige kurze Fragen an seine Wirthschafter , die mit zu Tische saßen , Eva gab die Speise umher , man sättigte sich , aber es ward kein gemeinsames Mahl , und nach jedem Versuche