es noch wenig Aussicht vorhanden , irgendwo anders als auf dem Kirchhof zu Poppenhagen , mit der alten Grabrede : Er lebte , nahm ein Weib und starb , begraben zu werden . Aber durch das Weib ist nicht nur der Tod , sondern auch das Wissen in die Welt gekommen . Eva Dornbluth schreitet glänzend durch den Gesichtskreis des Knaben und über den Gesichtskreis desselben hinaus . Er muß ihr folgen ; es versinkt der Winzelwald mit dem Dorf Poppenhagen ; - die erste Schule liegt hinter dem jungen Weltbürger , er hat den Becher der Erkenntnis an die Lippen gesetzt , er hat die Rudimente des Lateins gelernt , er hat jene Leidenschaft , welche die Welt erobert , kennengelernt . Jetzt steht er auf der Schwelle eines neuen Daseins ; Abgründe drohen zu beiden Seiten , vor sich hat er ein Gewirr von Verhältnissen und Gestalten , die ihm vollständig fremd sind . Ihm schwindelt , und der Zorn - auch eine Leidenschaft , welche den Menschen vorwärtsbringt , bald zum Guten , bald zum Bösen - , der Zorn , der Haß schüttelt den Machtlosen , der diese unbekannte Welt mit den Fäusten , den Zähnen zerreißen möchte , weil er sie mit Herz und Hirn nicht fassen kann . Verloren ist der Schüler , wenn die Sterne nicht Hülfe senden ; - sie senden sie im rechten Augenblick . Von seinem Dreibein im Polizeibüro steigt nüchtern , lächelnd Polizeischreiber Fiebiger herab und faßt die drohend erhobene Faust des jungen Wilden und zieht ihn in das unbekannte Gewühl hinein . Die Gespenster weichen , die drohenden Schatten verflüchtigen sich , wenn man ihnen mutig näher tritt ; in geregelte Gruppen ordnet sich , was nur ein wirres Durcheinander schien . Kein besserer Führer durch die reale Welt als der humoristische Buchhalter im Büro Nummer dreizehn im Zentralpolizeihaus ! Aber der Schüler des Lebens hat in dieser Epoche noch andere Lehrer nötig , und sie sind zur Hand . Die Sterne sorgen dafür , daß Robert Wolf inmitten der Welt des Realismus ihrer nicht vergesse . Auf dem Giebel des Nikolaiklosters sitzt Henricus Ulex aus Poppenhagen , den Lärm der Gassen tief zu seinen Füßen . Aus seiner Höhe winkt der Mann des Ideals , und empor steigt Robert Wolf ; es ist eine hohe , edle Schule , in welche er genommen wird , und nur wenigen begünstigten Staubgeborenen wird ein solches Glück vom Schicksal verliehen . Abermals tritt das Weib in den Entwicklungsgang des Schülers ein ; aber diesmal in anderer Gestalt , auf andere Weise . Nicht mehr als das glänzende , stolze , heldenhafte , nicht die Ausnahme von der Regel , erscheint es , sondern als die Regel selbst . Leisen Schrittes , still , sanft , geduldig und doch stark , wo es stark sein darf und muß , kommt es ; und wieder bringt es für den Schüler den Kampf mit sich , nach uralter Bestimmung seit Erschaffung der Welt . Aber es ist nun nicht mehr ein Kampf mit unbekannten Gewalten ; Robert Wolf kennt die dunkeln Kräfte , die sich gegen ihn bewegen , sehr gut . Der Mann aus den Gassen , Friedrich Fiebiger , hat ja seine Register vor ihm aufgeschlagen und ihm den Menschen , die Gesellschaft gedeutet , wie sie sind . Aber Friedrich Fiebiger weiß deshalb doch nicht , auf welche Weise die andrängenden bösen Mächte zu bezwingen sind ; sein ironisches Lachen und das Polizeistrafgesetzbuch reichen dazu nicht aus . Der Idealist , der über den Gassen in der Höhe sitzt , kann aber nur den alten Wahlspruch der Stoiker wiederholen : Sustine et abstine , dulde und entsage . Trotz aller Lehrer , trotz aller Schulen steht der Mensch zuletzt doch immer allein seinem Schicksal gegenüber , und er allein hat mit seiner Persönlichkeit Antwort zu geben . Auch die härteste Schule soll dem Jungen aus dem Winzelwalde nicht erspart bleiben ; das eigene Glück , das Glück des kleinen Mädchens sieht er zerstört ; aber wieder treten die Sterne zur rechten Stunde für ihn ein . Wie das Weib am besten in der Stille und Einsamkeit das Unglück , den Schmerz überwindet , so besiegt der Mann sie am leichtesten , wenn er streitgerüstet sich in allen Lärm und Aufruhr der Welt hineinstürzt . Aber mit dem besten Willen vermag der Mensch sehr oft das nicht ; von tausend Banden wird er auf dem Marterstuhl festgehalten ; er klebt fest im Pech . Für Robert Wolf sorgen die Sterne besser ; wieder schleudern sie ihn hinaus ins Weite , in feurigen Lettern wird ihm die große Lehre von der Nichtigkeit aller irdischen Hoffnungen , aber auch von der Nichtigkeit aller irdischen Sorgen ins Herz gebrannt . Der weite Spielraum , der den Menschen für ihre Wünsche gegeben ist , wird ihm gezeigt im Schweifen über Land und Meer ; Nationen sieht er auf dem Marsche ; in tausendfältigen Variationen umrauscht ihn die alte Weise vom glückseligen Land Utopia , welches jeder einzelne , jedes Volk in seiner Weise sucht und welches niemand unter den Sternen findet . Wie die Hochherzigsten im vergeblichen Streben und Ringen untergehen , lernt der Schüler an den Gräbern des Bruders und der Schwester ; und wenn er dann den Kopf nicht kläglich sinken läßt ; wenn er die Sterne dann nicht im ohnmächtigen Trotz anklagt ; wenn er dann nicht zappelnd sich gegen das allgemeine Los wehrt ; wenn er dann den Sternen auch über die Gräber hinaus glauben kann : dann - ist die Erziehung vollendet , und er mag heimgehen , sein Doktorexamen machen und den Leuten zeigen , daß er was gelernt hat . « Mit komischem Achselzucken hatte Konrad von Faber seine Rede begonnen , mit hohem Pathos schloß er sie , indem er die ausgegangene Zigarre einem aus dem Fluß auftauchenden Alligator in den Rachen warf . » Vollendet ist die Erziehung des Knaben aus dem Walde « , sprach