vermuthend , daß ihr unwohl geworden , und es da wohl besser sei das lärmende Fest zu beenden - und die sie nun hier fanden - allein mit einem Manne , der kein Gast war und in dem sie den Baubruder erkannten . Charitas erbleichte , wie sie ihn gewahrte , und Ursula warf auf Elisabeth mitleidig erschrockene Blicke . Diese holte nun einmal tief Athem , dann deutete sie auf den ihr wieder entflohenen Vogel und sagte mit ihrer gewohnten ruhigen Geistesgegenwart : » Diesen brachte mir eben der freie Steinmetz und damit die wichtigste Kunde für meinen Bruder Martin ; da Ihr aber wißt , daß die Baubrüder allen Umgang und Dank von uns Profanen verschmähen , so hab ' ich auch an diesem vergeblich meine Beredtsamkeit erschöpft , mich zur Gesellschaft oder doch zu meinem Bruder zu begleiten , und kann ihm für den größten geleisteten Dienst keinen andern Dank gewähren , als den , ihn wieder still zu entlassen , wie er gekommen , und auch Euch zu bitten , seiner nicht zu erwähnen , damit ich ihm nicht vergeblich versprochen habe , daß er in dieser Angelegenheit mit allen weiteren Fragen , gerichtlichen und außergerichtlichen Verhandlungen verschont werden soll . Geb ' t ihm dasselbe Versprechen des Schweigens , und ich gehe mit Euch in den Festsaal zurück . « Charitas sagte sanft : » O ich beneide Jeden , dem es vergönnt ist , von der profanen Welt sich zurückzuziehen , und werde Euch gewiß dies glückliche Vorrecht nicht verkümmern . « Ursula , heiter strahlend von der ganzen Wonne eines jungen Eheglücks und dadurch wieder in Anmuth und Fülle neu erblüht , versprach Alles gern , was die minder glückliche Freundin verlangen mochte , und Ulrich verabschiedete sich mit kurzem Dankeswort von den Damen . Auf der Treppe begegnete ihm nur ein Diener ; da Ulrich aber einen langen schwarzen Mantel übergeworfen und so durch seine Tracht sich nicht verrieth , konnte ihn jener wohl für einen der Gäste halten , von denen sich bereits einige entfernt . Als er auf die Straße kam , schwankte ein Mann vor ihm her , dem seine Füße den gewohnten Dienst zu versagen schienen . Jetzt schien dieser seinen Austritt aus dem Hause bemerkt zu haben und rief ihm zu : » Seid Ihr es , Herr Anton Tucher ? Ihr hab ' t mir einen schlechten Dienst erwiesen . - Ihr habt mir diesmal doch zu viel zugetrunken - aber nein , Ihr soll ' t nicht sagen , daß Ihr mich wirklich zu Boden getrunken - aber hier - jetzt hab ' ich wirklich keinen Boden ! « Ulrich erkannte die Stimme des Propstes Anton Kreß , der ihn für Anton Tucher halten mochte , mit dem Ulrich ungefähr die gleiche Größe und Stärke hatte , und mehr war in der Dunkelheit nicht zu erkennen . Offenbar hatte der Propst im Trinken des Guten zu viel gethan und nun sich fortgeschlichen , da er seinen Zustand gefühlt , und wenn er auch sonst im vertrauten Männerkreise sich keinen Zwang anthat , wollte er doch vor der größern Gesellschaft und den Damen gegenüber seine Würde wahren . Was sollte Ulrich thun ? Wenn ihn Kreß , der ihn aus dem Hause Scheurl ' s hatte treten sehen , erkannte , so konnte er keine Erklärung geben , die nicht ihn und Elisabeth einem unwürdigen Verdacht ausgesetzt hätte ; da er ihm auch nicht von Rachel sagen mochte und konnte - er war einmal in diesem Netz von Heimlichkeiten gefangen ; aber jedes Bedenken wies er von sich , da er den Propst an dem Eckstein taumeln sah , nahe daran zu fallen oder sich zu stoßen . Ulrich sprang ihm bei und bot sich ihm als Stütze . Anfänglich erkannte der Propst ihn nicht , hielt ihn noch für Anton Tucher und sagte : » Ei , das ist wacker , daß ihr mit mir geht - indeß ist ' s nicht so arg - ich fände den Weg schon noch . Ein capitaler Wein ! in jedem Humpen eine andere Sorte ! dazu die schönen Frauen gegenüber - man kann doch die Augen nicht zublinzen , da sie selbst ihre Reize zeigen ! Da erhitzt man sich mehr , als wenn die Männer allein ! Die schönste freilich bleibt immer Frau Elisabeth , ist sie auch nicht die Jüngste mehr ! Ihr müßt es zugesteh ' n , wenn Ihr auch sonst nicht für sie eingenommen ! Bald eine antike Venus , bald eine christliche Himmelskönigin . Sie kann das viele Trinken nicht leiden und läuft immer fort , wenn die Zungen schwer werden , und man ihr die Artigkeiten lieber handgreiflich als mit zierlichen Worten sagte . Wer weiß aber - der junge Immhof war auch verschwunden - wer weiß , ob sie nicht mit ihm in einem ihrer feenhaften Gemächer ein Schäferstündlein gefeiert ! - Aber warum redet Ihr gar nicht ? Denkt Ihr , ich sei nicht genug bei Verstande , Euch anzuhören ? « Von Allem , was der Propst so und weiter schwatzte , und schilderte , erglühte Ulrich selbst viel mehr , als der Trunkene , der noch in Gedanken an Wein und Weiber schwelgte . Jetzt wollte er nicht von ihm erkannt sein - nicht um sich einen Verdacht und Fragen , sondern um dem Propst , seinem Oheim und geistlichen Vorgesetzten , eine Beschämung zu ersparen . Er verharrte darum hartnäckig in seinem Schweigen und wollte sich an der Hausthür der Propstei entfernen , ehe etwa Beleuchtung käme , ob auch der Propst ihn mit Gewalt zurückhalten wollte und immer rief : » Ich lasse Euch nicht fort - bis ich weiß , wer mein stummer Begleiter gewesen ! « Da stürzte plötzlich eine Gestalt hervor , die indeß unbemerkt unter einem der nächsten Schwiebbögen gehockt hatte und rief : » Herr Propst , geb ' t einem verirrten Pilger ein Obdach für die Nacht !