dem Essen nahm die Frau , durch ein paar Gläser Wein lustig geworden , meine Flöte und suchte darauf zu blasen , gab sie dann mir und bat mich , einen Tanz aufzuspielen . Als ich dies tat , faßte sie ihre Sonntagsschürze und tanzte einmal zierlich durch die Stube herum , wir kamen aus dem Lachen nicht heraus und waren alle höchst zufrieden . Sie sagte , seit ihrer Hochzeit habe sie nicht mehr getanzt , es sei doch der schönste Tag ihres Lebens , wennschon der Hochzeiter ein Lumpenhund gewesen ; und am Ende müsse sie dankbar bekennen , daß der liebe Gott es immer gut mit ihr gemeint und für ihr Brot gesorgt , auch ihr noch jederzeit eine fröhliche Stunde gegönnt habe ; so hätte sie noch gestern nicht gedacht , daß sie einen so vergnügten Weihnachtstag erleben würde . Dadurch wurden die beiden Frauen veranlaßt , ernsthaftere und zufriedene Betrachtungen anzustellen , indessen ich Gelegenheit hatte , einen Blick in das Leben einer Witwe zu werfen , welche aus ihrem Sohne einen Mann machen möchte und hiezu nichts tun kann , als demselben Strümpfe stricken . Auch mußte ich gestehen , daß meine Lebensverhältnisse , welche mir oft arm und verlassen schienen , wahrhaftes Gold waren im Vergleich zu der dürftigen Verlassenheit und Getrenntheit , in welcher die Witwe und ihr armer magerer Sohn lebten und die mir wie schlechtes Blei vorkamen . Achtes Kapitel Einige Wochen nach Neujahr , als ich eben den Frühling herbeiwünschte , erhielt ich vom Dorfe aus die Kunde , daß mehrere Ortschaften jener Gegend sich verbunden hätten , dieses Jahr zusammen die Fastnachtsbelustigungen durch eine großartige dramatische Schaustellung zu verherrlichen . Die ehemalige katholische Faschingslust hat sich nämlich als allgemeine Frühlingsfeier bei uns erhalten , und seit einer Reihe von Jahren haben sich die derben Volksmummereien nach und nach in vaterländische Aufführungen unter freiem Himmel verwandelt , an welchen erst nur die reifere Jugend , dann aber auch fröhliche Männer teilnahmen ; bald wurde eine Schweizerschlacht dargestellt , bald eine Handlung aus dem Leben berühmter Schweizerhelden , und nach dem Maßstabe der Bildung und des Wohlstandes einer Gegend wurden solche Aufzüge mit mehr oder weniger Ernst und Aufwand vorbereitet und ausgeführt . Einige Ortschaften waren schon berühmt und jedesmal stark besucht durch die selben , andere suchten es zu werden . Mein Heimatdorf war nebst ein paar anderen Dörfern von einem benachbarten Marktflecken eingeladen worden zu einer großen Darstellung des Wilhelm Tell , und infolgedessen war ich wieder durch meine Verwandten aufgefordert worden , hinauszukommen und an den Vorbereitungen teilzunehmen , da man mir manche Einsicht und Fertigkeit besonders als Maler zutraute , um so mehr , als unser Dorf in einer fast ausschließlichen Bauerngegend lag und in solchen Dingen wenig Gewandtheit besaß . Ich war vollständig Herr meiner Zeit , auch war eine Unterbrechung zu solchem Zwecke zu sehr im Geiste meines Vaters , als daß die Mutter dagegen Bedenken erhoben hätte ; also ließ ich es mir nicht zweimal sagen und ging jede Woche für einige Tage hinaus , wobei mir schon das stete Wandern zu dieser Jahreszeit , manchmal durch die schneebedeckten Felder und Wälder , die größte Freude machte . Ich sah nun das Land auch im Winter , die Winterbeschäftigungen und Winterfreuden der Landleute und wie dieselben dem erwachenden Frühling entgegengehen . Man legte der Aufführung Schillers Tell zugrunde , welcher in einer Volksschulausgabe vielfach vorhanden war und welchem nur die Liebesepisode zwischen Berta von Bruneck und Ulrich von Rudenz fehlte . Das Buch ist den Leuten sehr geläufig , denn es drückt auf eine wunderbar richtige Weise die schweizerische Gesinnung aus , und besonders der Charakter des Tell entspricht ganz der Wahrheit und dem Leben , und wenn Börne darin nur ein selbstsüchtiges und philiströses Ungeheuer finden konnte , so scheint mir dies ein Beweis zu sein , wie wenig die krankhafte Empfindsamkeit der Unterdrückten geeignet ist , die Art und Weise unabhängiger Männer zu begreifen . Weitaus der größere Teil der Teilnehmer sollte als Hirten , Bauern , Fischer , Jäger das Volk darstellen und in seiner Masse von Schauplatz zu Schauplatz ziehen , wo die Handlung vor sich ging , getragen durch solche , welche sich zu einem kühnen Auftreten für berufen hielten ; in den Reihen des Volks nahmen auch junge Mädchen teil , sich höchstens in den gemeinschaftlichen Gesängen äußernd , während die handelnden Frauenrollen blühenden Jünglingen übertragen waren . Es sollte nur vorgeführt werden , was wirklich geschichtlich ist , mit Weglassung aller Vorbereitungen und dramatischen Zwischenspiele , das Geschichtliche aber mit dem Schillerschen Personal und Dialog , außerdem aber auch seine poetische Färbung über dem Ganzen walten . Der Schauplatz der eigentlichen Handlung war auf alle Ortschaften verteilt , je nach ihrer Eigentümlichkeit , so daß dadurch ein festliches Hin- und Herwogen der kostümierten Menge und der Zuschauermassen bedingt wurde . Ich erwies mich als brauchbar bei den Vorbereitungen und wurde mit manchen Geschäften betraut , welche in der Stadt zu besorgen waren . Ich stöberte alle Magazine durch , wo sich etwa Flitter- und Maskenwerk vorfinden mochte , und suchte das Tauglichste vorzuschlagen , besonders da andere Beauftragte geneigt waren , zuerst nach dem Grellen und Auffallenden zu greifen . Ja , ich kam sogar mit den Beamten der Republik in Berührung und fand Gelegenheit , mich als einen tapfern Vertreter meiner Landesgegend zu zeigen , da mir die Auswahl und Übernahme der alten Waffen übergeben wurde , welche die Regierung unter der Bedingung treuer Sorgfalt bewilligte . Weil aber gerade diesmal mehrere ähnliche Feste stattfanden , so mußten beinahe alle Vorräte geräumt werden , und nur die wertvollsten Trophäen , an welche sich bestimmte Erinnerungen knüpften , blieben zurück . Überdies stritten sich die Abgeordneten der Gemeinden um die Waffen , alle wollten dasselbe haben , obschon es nicht für alle sich schickte ; eine Anzahl großer Schlachtschwerter und Morgensterne , welche ich für meine Eidgenossen ausgesucht , wollte mir von einem Gegner durchaus abgerungen