Stunde , dann gebe ich dir wieder , « und der Mann die Minuten zählt , so ist es allerdings ein schwer Ding für eine Frau , fest zu bleiben und nicht an das Sprüchwort sich zu halten : Wenig schadet wenig , nicht zu denken , daß aus vielem Wenigen viel wird und endlich um eines einzigen Tropfens willen ein Glas überfließt . Was Vreneli ganz besonders freute , war eine Weichheit des Gemütes , eine Ergebung in seine Lage , von der Uli in letzter Zeit so himmelweit entfernt schien . Anfangs erschrak es darob , hielt sie für kindische Teilnahmlosigkeit , für Mangel an Begreifen , in welcher Lage sie seien , aber es stellte sich alle Tage deutlicher heraus , daß es was anderes war . Vor seiner Krankheit waren alle seine Kräfte überspannt , seine Stimmung unnatürlich gereizt ; er glich einem Schwimmer , welcher alle seine Kräfte zusammennimmt , die Strömung zu durchschneiden , das Ufer zu gewinnen . Je schwerer es ihm wird , desto großer werden seine Anstrengungen , alles bietet er auf , das Letzte setzt er daran , bis plötzlich die Kräfte brechen , einem zu stark gespannten Bogen gleich , und der Strom ihn verschlingt . So war auch Uli zusammengebrochen im Kampf mit seinem Geschick , ein Krankheitsstrom war ihm über Seele und Körper gegangen . Als er wieder auf , tauchte aus demselben , aus langer Ohnmacht zu neuem Leben erwachte , war die Spannung vorüber , die Stimmung eine ergebene , dankbare ; es stellte sich das Vertrauen ein , die Züchtigung sei vorüber , der Herr , der in die Hölle führt und wieder heraus , der bis hierher geholfen , werde auch ferner helfen . Uli konnte sagen : » In Gottes Namen , komme was da wolle , wir wollen es annehmen , wir wollen das Mögliche machen , daß niemand an uns verliert , auch haben wir ja gute Leute , welche Geduld haben werden . Wir sind jung , und wenn uns Gott gesund läßt , so ist nichts verloren und es macht mir keinen Kummer , uns mit Ehren durchzubringen , was will man mehr ? Das Reichwerden wollen wir aufgeben , was hat man davon als Angst und Not und Zorn und Streit ? « Diesem pflichtete Vreneli vollkommen bei . Wenn sie nicht zappelten und hasteten , nicht allzu nötlich täten und Gott ihnen ein oder zwei bessere Jahre sende , so werde es so schlimm nicht gehen ; wenn man einander treulich helfe , sei viel zu machen und alles zu ertragen , es danke dem lieben Gott , daß es so gekommen . Uli war auch dieser Meinung . Wohl kam ihm zuweilen eine Hast an , daß er aufsprang , meinte , er müsse dran hin , müsse alle seine Kräfte anspannen , um den steckengebliebenen Wagen zu heben und zu stoßen , aber Vreneli konnte ihm durch ein freundlich Wort die ihm noch so nötige Ruhe geben , daß er wieder nachließ und sagte : » Du hast recht ! « Einundzwanzigstes Kapitel Wie Uli mit Menschen rechnet und Gott sucht Ihre Lage war allerdings trüb und bedenklich . Wenn Uli seine frühern Ersparnisse einzog , so konnte er den Bodenbauer bezahlen und was er sonst noch schuldig war . Sein so sauer Erworbenes war also zugesetzt ; vor ihm war ein Jahr ohne Ernte , wo er genötigt war , einen Teil des Brotes zu kaufen . Sein Freund , der Müller , hatte ihm so viel Korn abgeschwatzt , daß sein Speicher fast leer war . Woher das Saatkorn nehmen ? Brot kaufen müssen bei einem Haufen Gesinde , ist übel . Er hatte nichts als Heu und Kartoffeln , beides reichlich und gut . Mit Milch und Butter konnte er etwas Weniges machen , aber es gab kaum die Hauskosten , noch viel weniger die Dienstenlöhne ; wenn man Brot sparen muß , muß man mit etwas anderm nachhelfen . Aus dem Stalle konnte er etwas ziehen . Jetzt sah er ein , wie gut es gewesen , daß Vreneli für Vorräte gesorgt , welche größer waren , als er glaubte . Hanf und Flachs hatte man reichlich zum Spinnen , und vielleicht war vom erhaltenen Garn etwas zu erübrigen zum Verkauf . Dazu endlich hatte er noch die Rechnungen mit Müller und Wirt , welche nicht erledigt waren , von denen Uli Bedeutendes erwartete . Wie Vreneli manchmal gesagt hatte : » Mach doch die Sache fertig , ich ließe mich nicht immer so abspeisen , du bist viel zu gut und wirst sehen , wie es dir geht , « wehrte es jetzt vom Rechnen ab und sagte : » Wart , das pressiert doch nicht so . « Die beiden Busenfreunde hatten in Ulis ganzer Krankheit nichts von sich hören lassen , und während seiner Genesung ließen sie sich nicht sehen . Sie machten vielleicht das Wort Nervenfieber fürchten , jedenfalls aber fühlt ein Schuldner , welcher nicht gerne zahlt , kein entschiedenes Bedürfnis , sich einem Gläubiger unter Augen zu stellen , von dem er voraussetzen muß , er sei Geldes bedürftig . Vreneli fürchtete Ärger und Zorn für Uli , und ob jetzt eine Woche früher oder später , darauf kam es in Beziehung auf das Geld nicht viel an , wohl aber in Beziehung auf Ulis Gesundheit . Endlich sagte Uli : » Ich merke wohl , warum du mir das Rechnen mit den Beiden verhalten willst , aber sei ohne Sorge , ich kann es geduldig nehmen , wie es kömmt . Sieh , ich habe da auch was verdient , ich sehe es je länger je besser ein . Wären sie die Freunde , wie sie sich immer gestellt , sie wären wohl schon gekommen und hätten ihre Hülfe angeboten . Warum stellte ich meinen Glauben auf sie und bildete mir ein , wie wunder gut sie es mit mir meinten ? Merke