jetzt Elisabeth Alles sagte und er sah , welche kleinliche und niedrige Rache Bella ' s beleidigte Eitelkeit an ihm hatte nehmen wollen , so endete auch das Gefühl der Freundschaft , das in seinem Herzen noch für sie gesprochen . Aber während Bella bei andern Liebhabern den Einen zu vergessen strebte , sann die unglückliche Amalie noch in finstrer Mißgunst , wie sie Jaromirs Glück verderben wolle . Seltsame Verirrung des weiblichen Herzens ! Amalie selbst war es ja , welche das erste Unrecht begangen an Jaromir , als sie ihm untreu geworden aus thörigter Eifersucht , aus eitler Grille . Sie war es , welche den Glauben an das Schöne und Edle der weiblichen Natur in ihm zerstört , weil sie seiner heiligen ersten Liebe sich unwerth zeigte , sie hatte Rauch und Asche in das heilleuchtende reine Feuer seiner Liebe getrieben , so daß dann die Flamme auseinander wehte und lange Zeit vergeblich nach edler Nahrung suchte und trübe und düster lodernd auf niedrigem Boden dahinkroch . Sie hatte ihn unglücklich gemacht , denn ihr Verrath war die Ursache , daß er für sein zertretnes Herzensglück Ersatz suchte bei niedrigen Leidenschaften . - Und als sie darauf nach Jahrelanger Neue über ihr Unrecht , eine Neue , die mehr Egoismus als ein edles Gefühl war - ihn wiedersah und erkannte , wie er von seinem Schmerz genesen war und die Zeit gesühnt hatte , was sie an ihm verbrochen - da kehrte ihr Herz sich wieder um , und sie haßte ihn nun , weil er im Kampfe mit sich selbst und dem Schmerze Sieger geblieben war . Und jetzt - als sie ihn abermals wieder sah , glücklich durch Liebe an der Seite einer schönen , bewunderten Jungfrau - da erwachte all ' ihre Eitelkeit wieder - sie sah sich verblüht , alt und häßlich geworden , und doch hatte sie einst derselbe schöne Mann geliebt , der jetzt eine würdige Wahl war für jenes hohe Mädchen - und er wäre der Ihrige gewesen , wenn sie nicht selbst sich von ihm getrennt hätte . Die Schuld zu tragen an dem eignen vernichteten Lebensglück ! Wohl mag das hart sein - und eine Frau wie Amalie ohne höhern Schwung der Seele , ohne Größe des Herzens konnte wohl bei solchem Bewußtsein untergehen , von Stufe zu Stufe sinken und endlich noch ein Recht zu haben meinen , die eigne Schuld fremden Menschen oder einem blinden Schicksal aufzubürden . Wer niemals gelernt hat , gerade darin einen Stolz zu setzen , größer zu sein als sein Schicksal - der läßt sich in ohnmächtiger Schwäche von ihm darnieder beugen und nennt das dann noch : christliches Dulden . Amalie hatte dies gethan - sie hatte geduldet - nun verlangte sie dafür eine Genugthuung . Sie hatte durch ihr Benehmen , als sie Jaromir bei Elisabeth wieder sah , und wo das Unerwartete sie zu einer niedern Heftigkeit hinriß , ihren Zweck verfehlt , das sah und wußte sie . Erst hatte sie Jaromir ' s Briefe aufbewahrt , um durch sie vielleicht einmal sein Liebesglück zu zerstören - dazu waren sie ihr jetzt nutzlos , wenn Elisabeth bereits um Jaromirs erste Liebe wußte . Von dieser Seite konnte sie nicht zu ihrem Ziel kommen . In düstrer Stimmung war sie eines Abends allein zu Hause , als ein Herr kam und den Oberst von Treffurth zu sprechen wünschte . Als er eintrat , standen die Beiden sich betroffen gegenüber und sahen sich an . Amalie erkannte in dem Polizeirath Schuhmacher denselben , welcher bei ihr Haussuchung gehalten - und er erkannte sie , denn ein Mann bei der geheimen Polizei hat ein fabelhaftes Gedächtniß für Personen . Da er jetzt einige Wochen von Hohenheim entfernt gewesen war , hatte Amalie bisher seiner Aufmerksamkeit entgehen können . Er knüpfte sogleich weitläufige Combinationen an diese Begegnung . Durch ihre Seele schoß es ebenfalls wie ein Blitz : um Jemand zu nützen , stellt man keine geheimen Haussuchungen an - dieser Mann hatte also damals Gefährliches im Sinne gehabt - und er hatte sich gefreut , als er Papiere von Szariny gefunden - vielleicht war es in der Macht dieses geheimnißvollen Mannes , Szariny irgend ein Uebel zuzufügen - sie durfte die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen . Nach den ersten Fragen und Antworten über des Obersten Abwesenheit begann Amalie : » Sie wollten einst Auskunft von mir über den Grafen Szarinh . « » Sie meinten damals , Sie hätten mir keine weitere zu geben . « » Sie fanden mich damals in einer entsetzlichen Stimmung , Sie wissen es . « » O , regen Sie Sich durch die Erinnerung nicht auf - wenn Sie damals verschlossen gegen mich waren , so haben Sie allerdings Recht , daß jetzt der Augenblick gekommen ist , es auszugleichen . « » Sie suchten nach Briefen von Szariny ; die Sie fanden , waren Ihnen zu alt - vielleicht kann ich Ihnen neue geben . « » Sie würden Sich dadurch ein großes Verdienst erwerben . « Es kam nun zu einem weitläufigen Hin- und Herreden , wo Keines dem Andern seine Absichten verrathen wollte , man capitulirte förmlich und gelobte sich Schweigen . Endlich sagte Amalie : » Wir haben hier mit einigen Familien ein gemeinschaftliches Portefeuille , worein die Briefe kommen , welche am andern Tage zur Stadt gebracht werden sollen . Der Oberst macht von diesem kleinen Verein gewissermaßen den Postrath - das Portefeuille ist hier , « - sie holte es . » Graf Szariny hat heute einige Briefe hergeschickt . « Dem Polizeirath war es doch bedenklich , seine Geheimmittel , wie man allwissend wird , eine Frau wissen zu lassen . Er wieß ihren Vorschlag zurück . Sie hatte dennoch das Portefeuille geöffnet und hielt ihm einen Brief mit Szarinys Wappen und Handschrift hin . Er war an den Redacteur eines neuen Volksblattes adressirt , welches eine ziemlich radicale Färbung hatte . Der Umstand war bedenklich .