und das ist der Grund , warum das Reich von den Römern zu den Germanen kam , darauf die spanische Herrschaft folgte , und den Franzosen demnächst auch ihre Rolle gegeben wurde . Der Sieg soll den Zwang in seinem Gefolge haben , nur dadurch kann er sich als gerecht betätigen . Wieviel mehr als andre sind wir aber in diesem Falle , da es hier nur gilt , den nunmehrigen westlichen Brüdern ein ihnen von fremder Hand vor kurzem aufgedrücktes Gepräge wieder abzunehmen , und ihnen dagegen eine stammverwandte Gestalt zu geben ? Jetzt erst sind sie in die rechte Stellung zu Deutschland gekommen , sie sind Deutsche geworden , und es wäre wahrlich eine verdammliche , ihnen selbst den größten Schaden bringende Schwäche , wenn man ihnen aus Furcht vor den Regungen einiger Egoisten die Segnungen der Nationalisierung vorenthielte . « Indem er diese Ansichten weiter ausführte , vertrat er die Notwendigkeit einer schnellen und kräftigen Organisation . Gesetze , Finanzen , Verwaltungs- und Kulturanstalten des alten Landes sollten so rasch als möglich jenen neu herantretenden Staatsgenossen nutgeteilt werden . Ganz im entgegengesetzten Sinne sprach sich ein andrer Staatsmann aus . » Diese Umbildung oder Organisation , wie man dergleichen Gewaltsamkeiten nennt , als wenn man in einer neuen Provinz nur eine tote Masse empfinge , welcher durch den Erwerber erst die Lebensorgane gegeben werden müßten , scheint mir gänzlich außer der Zeit zu sein . Im Grunde rührt jenes System von den Römern her , welche freilich alle überwundne Völker mit der Geißel ihres Rechts und ihrer Verwaltung zu züchtigen pflegten . Jeder spätere Versuch der Art ist nur eine Nachahmung der Maxime des einst weltbeherrschenden Staats gewesen . Am reinsten wurde derselbe von den Spaniern in den Eroberungen der Neuen Welt durchgeführt , wie denn überhaupt die spanische Herrschaft die meiste Ähnlichkeit mit der römischen Tyrannie hatte . Aber um sich zu einer so harten Zwangslehrmeisterstelle berufen zu fühlen , muß man sich für das erste Volk der Erde halten können . Römer und Spanier taten dieses , erstere vom politischen , letztere vom religiösen Stolze getragen . Ohne solchen Wahn , ohne diesen festen und unerschrocknen Fanatismus wird man in jener Bahn immer nur die Rolle des an sich selber zweifelnden Despoten spielen , die schlechteste , welche es gibt . Nun wird doch wohl niemand im Ernste sagen , daß unser achtbarer , aber etwas schmächtiger Mittelstaat jene unermeßliche Befangenheit teile . Wir freun uns des eingetretnen Umschwungs der Dinge , wir wissen , daß wir redlich und nach Kräften an dem Rade der Zeit haben schieben helfen , aber alle Vernünftigen sind von dem Rausche jener begeisterten Jahre ernüchtert , in denen wir freilich glaubten , daß Körners Lieder und die Freiwilligen den Usurpator verjagt hätten . Eine kühlere , aber richtigere Betrachtungsweise ist an die Stelle jener Überspannung getreten . Friedrichs Ehre glänzt bei den Sternen , dort leuchte sie uns fort und fort als heiliges Erinnrungszeichen , aber gefährlich wäre es , sie etwa als Kokarde an unsern Hüten zu tragen ; wir sind bescheidner geworden . Noch weniger glauben wir im Ernste , daß unsre Einrichtungen wirklich die besten seien , im stillen weiß ja jeder Kundige , daß wir so manches nur noch des Herkommens und der Gewohnheit halber mitmachen . Wie sollte es uns also einfallen dürfen , andern mit Gewalt aufzudringen , was uns selbst zum Teil überlästig geworden ist ? « Der erste Redner stellte hierauf mit Lebendigkeit alle die Nachteile dar , welche aus einer so verschiedenartigen Gestalt der öffentlichen Lebensform entspringen müßten . » Wahrlich ! « rief er aus , » wie Öl und Wasser sich nicht mischen , so werden wir , wenn man jenen gelinden und zaudernden Weg verfolgt , das entfernte Besitztum mit uns niemals verbunden sehn , es wird nur unser Scheineigentum sein , welches der erste beste Sturm uns wieder zu entführen droht . Und warum die großen Besorgnisse ? möchte ich doch fragen . Sind wir nicht eines Stammes , muß daher nicht bei ihnen selbst eine Art von Verlangen nach unsern germanischen Einrichtungen bestehn ? « » Das möchte ich doch leugnen « , nahm ein Dritter das Wort . » Wie man über Westdeutschland denken möge , so viel ist gewiß , daß man einen merklichen Unterschied wahrnimmt , sobald man sich dem Stromgebiete der Weser nähert . Bei uns ist alles häuslich , bürgerlich , familienhaft . Arbeit und Erwerb um der Frau und Kinder willen zu unternehmen , nach des Tages Last und Hitze im Kreise der Seinigen auszuruhn , dem Sohne zu einer Stelle , der Tochter zu einer Heirat zu verhelfen , darauf bezieht sich alles Streben der Stände , welche hier , wie überall vorzugsweise das Volk ausmachen . Blickt der Bürger aus seinen vier Pfählen in das Gemeinwesen , so sieht er dasselbe eigentlich nur in der aufsteigenden Beamtenhierarchie , die jedes selbsttätige Eingreifen seinerseits verbietet , und in dem Herrscher , der ihm fast nur wie der oberste Familienvater vorkommt . Kein Adel , oder ein solcher , welcher verschuldet und machtlos , nur zu dienen weiß . Über ein weites plattes Land derselbe Zustand , dieselbe Stimmung verbreitet , höchst achtbar , aber sehr einförmig und ein wenig tonlos . Wie anders wird es , wenn wir durch die Westfälische Pforte gegangen sind ! Erinnrungen der verschiedensten Art beherrschen die Geister der Menschen . Hier lag eine freie Reichsstadt , dicht daneben waltete der Krummstab des Bischofs , unfern gebot ein kleiner Dynast . Nun dauert aber das Gedächtnis einer politischen Vergangenheit länger , als unsre Staatskünstler sich träumen lassen . Weiterhin , in den rheinischen Kreisen , war bekanntlich die Landkarte noch bunter zu den Zeiten des Reichs , welches doch noch kein Menschenalter tot ist . Betrachte man denn eine eigentümliche Folge , welche die Verhältnisse kleiner Staaten in den Menschen erzeugen ! Wenn in einem großen Reiche etwa ein Dutzend Personen zu dem Bewußtsein