sagte : alle schönen Empfindungen des Menschengeistes , wenn sie auch auf Erden nicht auszuführen seien , so wären sie dem Himmel , wo alles ohne Leib , nur im Geist da sei , doch nicht verloren . Gott habe gesagt , es werde , und habe dadurch die ganze schöne Welt erschaffen , ebenso sei dem Menschen diese Kraft eingeboren , was er im Geist erfinde , das werde durch diese Kraft im Himmel erschaffen . Denn der Mensch baue sich seinen Himmel selbst , und seine herrlichen Erfindungen verzieren das ewige unendliche Jenseits ; in diesem Sinne also baue ich unserer Göttin den schönen Tempel , ich bekleide seine Wände mit lieblichen Farben und Marmorbildern , ich lege den Boden aus mit bunten Steinen , ich schmücke ihn mit Blumen und erfülle durchwandelnd die Hallen mit dem Duft des Weihrauchs , auf den Zinnen aber bereite ich dem glückbringenden Storch ein bequemes Nest , und so vertreibe ich mir die ungeduldige Zeit , die mich aus einer Aufregung in die andere stürzt . - Ach , ich darf gar nicht hinhorchen in die Ferne wie sonst , wenn ich in der waldrauschenden Einsamkeit auf das Zwitschern der Vögel lauschte , um ihr Nestchen zu entdecken . Jetzt am hohen Mittag sitz ich allein im Garten und möchte nur fühlen - nicht denken - was Du mir bist ; da kommt leise der Wind , als käm er von Dir ; er legt sich so frisch ans Herz - er spielt mit dem Staub zu meinen Füßen und jagt unter die tanzenden Mückchen , er streift mir die heißen Wangen , hält schmeichelnd den Brand der Sonne auf ; am unbeschnittnen Rebengeländer hebt er die Ranken und flüstert in den Blättern , dann streift er eilend über die Felder , über die neigenden Blumen . Brachte er Botschaft ? Hab ich ihn recht verstanden ? - Ist ' s gewiß ? Er soll mich tausendmal grüßen vom Freund , der gar nicht weit von hier meiner harrt , um mich tausendmal willkommen zu heißen ? - Ach , könnt ich noch einmal ihn fragen ! - Er ist fort ; - laß ihn ziehen , zu andern , die auch sich sehnen , ich wende mich zu ihm , der allein mein Herz ergreift , mein Leben erneut mit seinem Geist , mit dem Hauch seiner Worte8 . Montag Frag nur nicht nach dem Datum , ich habe keinen Kalender , und ich muß Dir gestehen , es ist , als ob sich ' s nicht schicke für meine Liebe , daß ich mich um die Zeit bekümmere . Ach Goethe ! Ich mag nicht hinter mich sehen und auch nicht vor mich . Dem himmlischen Augenblick ist die Zeit ein Scharfrichter , das scharfe Schwert , das sie über ihm schwingt , seh ich mit scheuer Ahnung blitzen ; nein , ich will nicht fragen nach der Zeit , wo ich fühle , daß die Ewigkeit mir den Genuß nicht über die Grenze des Augenblicks ausdehnen würde ; aber doch , wenn Du wissen willst , über ' s Jahr vielleicht , - oder in späterer Zeit , wann es doch war , daß mich die Sonne braun gebrannt hat und ich ' s nicht spürte vor tiefem Sinnen an Dich ; so merk es Dir , es ist grade , wo die Johannisbeeren reif sind , der spekulierende Geist des Bruders will sich in einem trefflichen Goose-beery vine versuchen , ich helfe keltern . Gestern abend im Mondlicht haben wir Traubenlese gehalten , da flogen unzählige Nachtfalter mir um den Kopf ; wir haben eine ganze Welt träumerischer Geschöpfe aufgestört bei dieser nächtlichen Ernte , sie waren ganz irre geworden . Wie ich in mein Zimmer kam , fand ich unzählige , die das Licht umschwärmten , sie dauerten mich , ich wollte ihnen wieder hinaushelfen , ich hielt lange das Licht vors Fenster und habe die halbe Nacht mit zugebracht , es hat mich keine Mühe verdrossen . Goethe , habe doch auch Geduld mit mir , wenn ich Dich umschwärme und von den Strahlen Deines Glanzes mich nicht trennen will , da möchtest Du mir wohl auch gern nach Hause leuchten . Bettine Dienstag Heute morgen hat der Christian , der auch Arzneiwissenschaft treibt , eine zahme Wachtel kuriert , die in meinem Zimmer herumläuft und krank war , er versuchte ihr einen Tropfen Opium einzuflößen , unversehens trat er auf sie , daß sie ganz platt und tot dalag . Er faßte sie rasch und ribbelte sie mit beiden Händen wieder rund , da lief sie hin , als wenn ihr nichts gefehlt hätte , und die Krankheit ist auch vorbei , sie macht sich gar nicht mehr dick , sie frißt , sie säuft , badet sich und singt , alles staunt die Wachtel an . Mittwoch Heute gingen wir aufs Feld , um die Wirkung einer Maschine zu sehen , mit der Christian bei großer Dürre die Saaten wässern will ; ein sich weit verbreitender Perlenregen spielte in der Sonne und machte uns viel Vergnügen . Mit diesem Bruder geh ich gern spazieren , er schlendert so vor mir her und findet überall was Merkwürdiges ; er kennt das Leben der kleinen Insekten und ihre Wohnungen , und wie sie sich nähren und mehren ; alle Pflanzen nennt er und kennt ihre Abkunft und Eigenschaften , manchmal bleibt er den ganzen Tag auf einem Fleck liegen und simuliert , wer weiß , was er da alles denkt , in keiner Stadt gäb ' s so viel zu tun , als was seine Erfindsamkeit jeden Augenblick ausheckt ; bald hab ich beim Schmied , bald bei dem Zimmermann oder Maurer subtile Geschäfte für ihn , bei dem einen zieh ich den Blasbalg , bei dem andern halte ich Schnur und Richtmaß . Mit der Nähnadel und Schere muß ich auch eingreifen ; eine Reisemütze hat er erfunden , deren Zipfel sich in einen