acht . « Ich versprach , was sie begehrte , ich hätte zu und immer zu versprochen ; doch sie wendete selbst das Gespräch , und alles war im vorigen Gleise . Wir hatten nicht Ursache , den Ort unseres Aufenthaltes zu verändern ; die Stadt war groß , die Gesellschaft vielfach , die Jahreszeit veranlaßte manches Land- und Gartenfest . Bei allen solchen Freuden war meine Frau sehr gern gesehen , ja von Männern und Frauen lebhaft verlangt . Ein gutes , einschmeichelndes Betragen , mit einer gewissen Hoheit verknüpft , machte sie jedermann lieb und ehrenwert . Überdies spielte sie herrlich die Laute und sang dazu , und alle geselligen Nächte mußten durch ihr Talent gekrönt werden . Ich will nur gestehen , daß ich mir aus der Musik niemals viel habe machen können , ja sie hatte vielmehr auf mich eine unangenehme Wirkung . Meine Schöne , die mir das bald abgemerkt hatte , suchte mich daher niemals , wenn wir allein waren , auf diese Weise zu unterhalten ; dagegen schien sie sich in Gesellschaft zu entschädigen , wo sie denn gewöhnlich eine Menge Bewunderer fand . Und nun , warum sollte ich es leugnen , unsere letzte Unterredung , ungeachtet meines besten Willens , war doch nicht vermögend gewesen , die Sache ganz bei mir abzutun ; vielmehr hatte sich meine Empfindungsweise gar seltsam gestimmt , ohne daß ich es mir vollkommen bewußt gewesen wäre . Da brach eines Abends in großer Gesellschaft der verhaltene Unmut los , und mir entsprang daraus der allergrößte Nachteil . Wenn ich es jetzt recht bedenke , so liebte ich nach jener unglücklichen Entdeckung meine Schönheit viel weniger , und nun ward ich eifersüchtig auf sie , was mir vorher gar nicht eingefallen war . Abends bei Tafel , wo wir schräg gegen einander über in ziemlicher Entfernung saßen , befand ich mich sehr wohl mit meinen beiden Nachbarinnen , ein paar Frauenzimmern , die mir seit einiger Zeit reizend geschienen hatten . Unter Scherz- und Liebesreden sparte man des Weines nicht , indessen von der andern Seite ein paar Musikfreunde sich meiner Frau bemächtigt hatten und die Gesellschaft zu Gesängen , einzelnen und chormäßigen , aufzumuntern und anzuführen wußten . Darüber fiel ich in böse Laune ; die beiden Kunstliebhaber schienen zudringlich ; der Gesang machte mich ärgerlich , und als man gar von mir auch eine Solostrophe begehrte , so wurde ich wirklich aufgebracht , leerte den Becher und setzte ihn sehr unsanft nieder . Durch die Anmut meiner Nachbarinnen fühlte ich mich sogleich zwar wieder gemildert , aber es ist eine böse Sache um den Ärger , wenn er einmal auf dem Wege ist . Er kochte heimlich fort , obgleich alles mich hätte sollen zur Freude , zur Nachgiebigkeit stimmen . Im Gegenteil wurde ich nur noch tückischer , als man eine Laute brachte und meine Schöne ihren Gesang zur Bewunderung aller übrigen begleitete . Unglücklicherweise erbat man sich eine allgemeine Stille . Also auch schwatzen sollte ich nicht mehr , und die Töne taten mir in den Zähnen weh . War es nun ein Wunder daß endlich der kleinste Funke die Mine zündete ? Eben hatte die Sängerin ein Lied unter dem größten Beifall geendigt , als sie nach mir , und wahrlich recht liebevoll , herübersah . Leider drangen die Blicke nicht bei mir ein . Sie bemerkte , daß ich einen Becher Wein hinunterschlang und einen neu anfüllte . Mit dem rechten Zeigefinger winkte sie mir lieblich drohend . » Bedenken Sie , daß es Wein ist ! « sagte sie , nicht lauter , als daß ich es hören konnte . - » Wasser ist für die Nixen ! « rief ich aus . - » Meine Damen « , sagte sie zu meinen Nachbarinnen , » kränzen Sie den Becher mit aller Anmut , daß er nicht zu oft leer werde . « - » Sie werden sich doch nicht meistern lassen ! « zischelte mir die eine ins Ohr . - » Was will der Zwerg ? « rief ich aus , mich heftiger gebärdend , wodurch ich den Becher umstieß . - » Hier ist viel verschüttet ! « rief die Wunderschöne , tat einen Griff in die Saiten , als wolle sie die Aufmerksamkeit der Gesellschaft aus dieser Störung wieder auf sich heranziehen . Es gelang ihr wirklich , um so mehr , als sie aufstand , aber nur , als wenn sie sich das Spiel bequemer machen wollte , und zu präludieren fortfuhr . Als ich den roten Wein über das Tischtuch fließen sah , kam ich wieder zu mir selbst . Ich erkannte den großen Fehler , den ich begangen hatte , und war recht innerlich zerknirscht . Zum erstenmal sprach die Musik mich an . Die erste Strophe , die sie sang , war ein freundlicher Abschied an die Gesellschaft , wie sie sich noch zusammen fühlen konnte . Bei der folgenden Strophe floß die Sozietät gleichsam auseinander , jeder fühlte sich einzeln , abgesondert , niemand glaubte sich mehr gegenwärtig . Aber was soll ich denn von der letzten Strophe sagen ? Sie war allein an mich gerichtet , die Stimme der gekränkten Liebe , die von Unmut und Übermut Abschied nimmt . Stumm führte ich sie nach Hause und erwartete mir nichts Gutes . Doch kaum waren wir in unserm Zimmer angelangt , als sie sich höchst freundlich und anmutig , ja sogar schalkhaft erwies und mich zum glücklichsten aller Menschen machte . Des andern Morgens sagte ich ganz getrost und liebevoll : » Du hast so manchmal , durch gute Gesellschaft aufgefordert , gesungen , so zum Beispiel gestern abend das rührende Abschiedslied ; singe nun auch einmal mir zuliebe ein hübsches , fröhliches Willkommen in dieser Morgenstunde , damit es uns werde , als wenn wir uns zum erstenmal kennen lernten . « » Das vermag ich nicht , mein Freund « , versetzte sie mit Ernst . » Das