, einer nach dem andern , herunter , und Anton sah im Spiegel , daß Seger mehrmals nach Kräutern am Boden griff , nach Kletten und Stechapfel und damit seinen Degen rieb ; er fragte den Feldwebel , was das solle . » Fest soll es machen « , sagte er , » aber ich halte nichts darauf ; wer sich brav wehrt , ist am festesten . « Unter solchen Reden kamen sie an das frische Grün des Rosengartens , der mit gar nichts als mit einer dünnen seidenen Schnur umzogen war , die aber keiner von allen Soldaten zu überspringen wagte , vielmehr rückte jeder seine Kleider in Ordnung und trat mit gemessenen Schritten auf den Eingang zu , wo die zwölf alten Ritter , die den Rosengarten in Worms verteidigten , in Stein gehauen standen . Sie grüßten alle ehrerbietig , dann gingen sie vor den weißen Rosen vorüber in den Kreis , wo die roten Rosen in höchster Fülle zu einem hohen Zelte geflochten schattend dufteten . Seger und Anton warfen ihre Mäntel ab ; jener bewegte sich ungeduldig hitzig , dieser , wie er ihn so ungeduldig vor sich sah , spürte eine Art Mitleid . Susanna schlich sich in diesem Augenblicke an ihn und flüsterte ihm zu : » Lieber Herr ! « - Anton blickte auf und bezeichnete seine Brust mit dem Kreuze ; dabei zitterte Seger , dann aber sprang er auf Anton tückisch ein , der seine ersten Stöße , weil er sie noch nicht erwartete , nur mühsam abwenden konnte . In diesem Augenblicke sprangen die beiden Frauen Dido und Semiramis , die eigentlich an dem Ausbruche des Streites schuld gewesen waren , mit einem lauten » Halt ein ! « nicht ohne Gefahr zwischen die Klingen der Kämpfenden . Dido war meergrün und Semiramis kornblumenblau gekleidet . » Hört « , rief Semiramis , » wie großmütig eine liebende Frau sein kann ; ihr wißt , wir haben uns um Anton gestritten , aber sein Leben ist mir lieber als meine Liebe , und so warf ich meine ganze Liebe auf dich , Seger ; dich aber Anton , muß ich der Dido überlassen ; so seid ihr beide versöhnt . « Seger umfaßte sie und kniete nieder , hob sie dann auf seine Schulter und rief : daß solch ein Edelmut unerhört sei ; sie beide dankten ihnen das Leben . Anton stand in sich gekehrt und wußte gar nicht , was er sagen sollte . Dido hatte , ohne daß er es bemerkt , ihm den Degen abgenommen , sie küßte ihn , und er merkte nichts . Susanna war von ihm getreten und hielt sich unter den Soldaten versteckt . Jetzt erscholl ein lieblicher Tanz von gedämpften Trommeln , Pfeifen und Fagotten . Dido ergriff Anton zum Reihentanz , Semiramis führte Seger . Der Tanz verschlang sich immer mehr , und immer tiefer gingen seine Gedanken unter , immer mehr traten die Sinne hervor ; bald tanzte er mit einer Anmut , die er sich einst erworben , den einzelnen Locktanz . Dido flüchtete scheinbar vor ihm und von ihm in das dichte Holz ; er tanzte trauernd und suchend , daß alle Rosen sich auf ihn niedersenkten und seine Lippen kühlten ; er rief , aber sie kam nicht , aber alle wurden durch ein nahes Waffengeklirr erschreckt . Alle liefen nach dem Orte , auch Anton und Seger , aber alle kamen zu spät , um das schreckliche Ereignis zu hindern . O Jammer , daß die Zeit immer umwendet , das Geschehene zu verwandeln nach dem Rate der Klugheit . Über das meergrüne Kleid Didos , über das blaue Gewand der Semiramis flossen zwei rote Ströme zusammen und mischten das feindliche Blut der beiden streitenden Weiber ; sie hatten einander mit den abgenommenen Degen der Kämpfer durchbohrt . Semiramis rief zu Anton : » Siehe , Unglückseliger , zwei Opfer deiner göttlichen Schönheit ; ich konnte nichts als sterben , seit ich dir entsagt ; o Amor ! wie hat deine Flamme mich verzehrt , daß ich mein eignes Haus angezündet habe ; wisset , es ist meine Zwillingsschwester , die ich zum Gefechte gezwungen , meine Zwillingsschwester , mit der ich einträchtig zusammen ruhte im Leibe der Mutter , die ich zur ewigen Ruhe niedergestreckt ; es ist meine Zwillingsschwester , die mich mitnimmt in die grausenden Lieblichkeiten des Venusberges , in welchem wir bis zum jüngsten Tage schmachten müssen nach dem Genusse , in dem wir hier uns übernahmen . « » Schweige , du arme Schwester « , rief Dido mit schwacher Stimme , » ich bin deiner Leiden , deiner Sünde Anfang und Ende ; das Eis , auf welchem du zu Falle gekommen . Hört es ihr harten Kriegesseelen , und ihr werdet sie jammervoll anblicken und für sie beten ; sie war zu stolz , zu edel für die Sünde , mich aber ergriff sie in wilder Lust , doch wollte sie mich nicht verlassen , so war sie geschändet vor der Welt und doch ohne Schuld ; sie sorgte nur für mich , freute sich meines Glückes , sie aber empfand keine Liebe . « » Ach « , seufzte Semiramis , » die Liebe ist ein guter Jäger , sie lädt uns die Freiheit , wie den wilden Vögeln , bis wir erwachsen sind und in voller Schönheit des Gefieders prangen , da schießt sie uns mit Pfeilen des Todes in einer Stunde ungewarnt darnieder ; wehe mir des letzten Tages , wo ich dich Anton erblickt ; da ging meine Freiheit verloren und mein Edelmut und meine Schwestertreue . « » Jammer , unendlicher Jammer schlägt an meine Brust mit todespochender Hand « , rief Dido , » du hattest so viel für mich getan , und konnte dir nicht opfern dies eine Glück . O du doppelsinnige Liebe , ich kannte deine Tücke , deine Unersättlichkeit , darum wollte ich dich bewahren ,