vor dem Fensterlein , Und dann schaut sie ihren Trauten ; Schweigend tritt er zu ihr ein . Ob es Ost , ob ' s West gewesen , Denket sie vergebens nun , Gleicher waren nie zwei Wesen , Dieser Zweifel will nicht ruhn ! Spricht er nicht , er kann doch sehen , Wie sie ihn zum Tische winkt , Und sie fühlt des Atems Wehen , Wie er aus dem Becher trinkt . Wie er ' s Tüchlein wohlgefalten Nimmt vom blanken Teller ab , Läßt die Speisen doch erkalten , Und verschmähet ihre Gab . Dennoch muß sie nun empfangen Eh ' er sie ins Bette führt , Eine Gabe ohn Verlangen , Die als Zeichen ihr gebührt . Abgebrannt sind beide Lichter , Und der Freund sitzt noch bei ihr , Macht so drohende Gesichter , Daß sie flieht zur Kammertür . Er das Messer aus dem Gürtel Ziehet , und ganz stille sitzt , Und der Mond aus seinem Viertel Schauet , wie es herrlich blitzt . Nein , sie wagt es nicht zu nehmen , Wie ihr vorgeschrieben ist , Sei es Schrecken , sei es Schämen , Sie verwünschet jetzt die List . Sie entschlüpfet in die Kammer , Er , das Messer wirft nach ihr ; Als er flieht mit schwerem Jammer , Steckt das Messer in der Tür . Morgens kommen beide Brüder , Sie zu grüßen , doch dem West Fehlt das Messer , seine Lieder Klagen ein gestörtes Fest , Das im Traume ihn gequälet Und vergangen ist zu nichts , Weil sich alles hat verfehlet In dem Schrecken des Gesichts . Tröstend gibt sie ihm die Hände , Küsset ihm die müde Brust , Und es drehen sich die Wände Bald in hoher Hochzeitlust . Doch kein Kind will ihn erfreuen Und er wünschet es so sehr , Bis sie sich mit Zaubereien Setzt in schrecklichen Verkehr . Könnte sie ' s voraus nur wissen , Irrwisch , heißt des Zaubers Kind , In dem Kindbett muß sie büßen Ihres Zaubers schwere Sünd . In ein Tuch das Kind zu schlagen , Tritt der Mann zum Schrank der Frau , Hat ihn eilig eingeschlagen , Und es liegt da viel zur Schau . Alles , was sie ihm verborgen , Doch er schauet nicht danach , Reißet nur in großen Sorgen Weiche Tücher aus dem Fach ; Sieht das Messer draus entfallen , Das sie heimlich drin bewahrt , Das in jener Nacht voll Qualen Er verlor durch Zaubers Art. Jener Traum , der ihm vergessen , Denn der Zauber ist vorbei , Tritt ins Leben ; wie besessen Fühlt er sich durch Zauberei ; Alles glaubt er schon erlebet , Was ihm jetzo erst geschieht , Und die Qual ihn neu umschwebet , Die ihn jene Nacht durchglüht . » Also du bist es gewesen , Die mich jene Nacht geplagt , Daß ich nie vom Schreck genesen , O , das sei hier Gott geklagt . Hast du mich voraus gequälet , Lang im schweren Liebesdienst , Straf ich dich , nun wir vermählet , Und ich zahl , wie du ' s verdienst ; Hab ich auch nicht wollen speisen Von der Fische Zauberei , Ist gehärtet doch dies Eisen In dem Trank und macht mich frei . « Ihre Brust will er durchstechen , Doch das Kindlein schreit hellaut , Und die kleinen Augen sprechen , Haben sich rings umgeschaut . Blinde Wut ist ihm verschwunden , Aber nicht der harte Zorn , Als des Herzens Riß verwunden , Schmerzt im Fleische ihm der Dorn . Wenn sie weint bei seinen Schlägen , Zeigt er ihr das Messer nur , Spricht dann : » Ohne Lieb kein Segen , Und du bist die ärgste ... « Kamen so fremdartige Erzählungen in das ruhige Schloß und die älteren Kinder des Grafen verwunderten sich darüber und fragten den alten Bedienten , als er noch lebte : da pflegte er ihnen eine schöne alte Fabel zu erzählen , die wir hier , wo wir mit allen früheren Verhältnissen abschließen , als den Sinn unseres Buches nacherzählen . Die Schule der Erfahrung Ein Sperling hatte vier Jungen in einem Schwalbenneste . Wie sie nun flügge waren , stießen böse Buben das Nest ein , sie kamen aber alle im Windsbraus davon . Nun war dem Alten leid , weil seine Söhne in die Welt kommen , daß er sie nicht zuvor gegen allerlei Gefahr verwarnet , und ihnen gute Lehren dafür gesagt habe . - Auf dem Herbste kamen in einem Weizenacker viel Sperlinge zusammen ; allda traf der Alte seine vier Jungen , die führet er mit Freuden zu sich heim und sprach : » Ach , meine lieben Söhne , was habt ihr mir den Sommer über für Sorge gemacht , dieweil ihr ohne meine Lehre von mir weg in den Wind gekommen ; höret meine Worte und folget eurem Vater , und sehet euch wohl vor ; kleine Vögel haben große Gefährlichkeiten auszustehen . « - Darauf fragte er den Ältesten , wo er sich den Sommer über aufgehalten , und wie er sich ernährt habe . » Ich habe mich in den Gärten gehalten « , antwortete der Älteste , » Raupen und Würmer gesucht , bis die Kirschen reif wurden . « » Ach , mein Sohn « , sagte der Vater , » die Schnabelweide ist nicht bös , aber es ist große Gefahr dabei ; darum habe forthin deiner wohl acht , und sonderlich wenn Leute in den Gärten umhergehen , die lange grüne Stangen tragen , so inwendig hohl sind und oben ein Löchlein haben . « - » Ja , mein Vater , besonders wenn dann ein grünes Blatt vors Löchlein mit Wachs geklebt wäre , da sieht man es kaum , und es trifft doch . « - » Wo hast du das gesehen ? « - » In eines Kaufmanns Garten « , sagte der Junge .