hinter dem Blachwagen her . Der Feldscher wollte nicht aus seinem Karrenbett heraus und wurde erst barmherzig , als die Bäuerin beteuerte , das wär ' ein herzoglicher Harnischer , den Herr Heinrich in der Nacht geküßt hätte , zum Dank für kostbare Botschaft . Jetzt bekam es der Mann im Karren eilig . Einen , den der Herzog küßte , darf man nicht sterben lassen . Es dauerte lang , bis der Feldscher , seine zwei Gehilfen und die Bäuerin den Söldner wieder zum taumelndem Leben brachten . Sie setzten ihn auf den Brunnen und ließen den kalten Strahl über seinen Kopf herunterplätschern . Unter dem Gepritschel des Wassers fing Malimmes zu lallen an : » Daß mir keiner hinein ? rennt in die Stub ! Oder ich hack das Luder auf Würst zusammen . « Die viere mußten lachen , weil dieser grimmig Drohende doch selber ein bißchen wie Wurstfleisch aussah . Sein Gewand war starr von eingetrocknetem Blut . Als sie das Wams heruntergezogen hatten , gab ' s eine Heiterkeit . Denn dieser Brocken Mannsbild stak mit seinem sehnigen , rot überronnenen Leib in einem Weibsbilderhemd , das an den Achseln gehäkelte Spitzen und vor der Brust einen himmelblauen Bändel hatte . Doch hinter dem Lachen kam ein barmherziger Schreck . Während man dem Söldner das nette Hemd über den Kopf herunterschälte , kreischte die Bäuerin : » O du heilige Mutter , das ist ja kein Pfaid nimmer , das ist doch ein Sieb ! « » Flick ' s halt wieder ! « brummte Malimmes . » Ich schenk dir ' s. Da hast du was Feines für die hohen Feiertäg . « Die Bäuerin konnte nicht lachen . Auch der Feldscher , als der diesen von der Bolzenklinge zersägten Rücken und die Wunden an Schultern und Armen sah , machte ein ernstes Gesicht . » Kerl , gegen dich ist der heilig Sebastian am Marterpfahl ein unschuldigs Kindl ! Da glaub ich freilich , daß es dich umgeschmissen hat . « » So , meinst ? « Malimmes stieß ein wildes , kurzes Gelächter vor sich hin . » Die paar Kratzer ! Viel verstehst ! Mich hat ' s umgeschmissen , weil ich gesund bin . Frag einen jungen Kapuziner , wie weh das tut , allweil zu einer Heiligen beten , die ein herzliebes Weibl ist ! « Die Bäuerin guckte verwundert drein . Und der Feldscher tuschelte : » Der weiß noch allweil nit , was er redet . « Stumm nickte Malimmes . Die Morgensonne blinzelte grell zwischen den mit Purpur gesäumten Wolkenstreifen heraus , während der Feldscher wusch und Zunder schnitt und pflasterte . Dann holte er aus seinem Blachenwagen ein richtiges Mannsbilderhemd und erbat sich dafür den Dank : » Sag deinem gnädigsten Herrn ein gutes Wörtl über mich ! « Er meinte den Herzog , der den Harnischer geküßt hatte . » Mein Herr ? « Mühsam erhob sich Malimmes vom Brunnen . Hart schnaufend , spähte er in die südliche Ferne . Man sah da keine Berge , nur dunkle Wälderkämme und grauen Dunst . » Mein Herr ? « Der hohe Blachenwagen ratterte flink davon , um den verschwundenen Kriegshaufen einzuholen . Im Flur des Bauernhauses saß Malimmes auf dem Stroh . Er lauschte . In der Stube war es still . Da sagte er leise zu der Bäuerin : » Guck durchs Fenster hinein ! Und mach die Läden zu , recht still ! « Unbeweglich blieb er sitzen , bis die Alte wieder kam . » Das Bübel schlaft wie ein Iltis im Winter . « » Vergelt ' s Gott , Weibl ! « Malimmes fiel auf das Stroh zurück . » Im Haus muß Ruh sein ! Und wenn du Zeit hast , schau nach den Gäulen ! « Er tat einen müden Atemzug und drehte sich gegen die Stubenschwelle hin . Die Bäuerin holte aus ihrer Kammer ein Kissen . Als sie es brachte , schlief Malimmes schon . Sie hob seinen Kopf und schob ihm das Kissen unter den Nacken . Während der Morgen eine dunstige Sonne bekam , klang aus der südlichen Ferne ein dumpfes Murren . Das hörte sich an , als wäre in den Bergen ein schweres Gewitter , bei dem jeder Donnerschlag hinüberrollte in den nächsten . Aber man sah im Süden kein Wettergewölk , nur einen bräunlichen Rauch , der alle Höhen umschleierte . Sehr bald verstummte das Gebrumm . Doch jenes rauchige Braun wurde um die Mittagsstunde dicker und dicker ; aus dem Tal der Saalach kroch es nach der einen Seite immer weiter gegen das Salzburger Land , nach der anderen Seite immer weiter gegen den Chiemgau hin . Unter diesen braunen Schleiern rollte der Krieg aus den Bergen heraus in das ebene Land . Als der trübe Abend dämmerte , bekam der ferne Dunst eine rötliche Färbung . Sie kam vom Widerscheine brennender Dörfer und vom Feuerglanz der flammenden Haferfelder , die am verwichenen Nachmittag zu Füßen des Untersberges noch geleuchtet , hatten wie goldene Schüsseln des Friedens . Im Dunkel zwischen Abend und Nacht wurde Malimmes , der noch immer schlief wie ein Klotz , von der Bäuerin aufgerüttelt : » Jesus , Mensch , so spring doch hinaus und guck , was da los ist in der Welt ! « Im Erwachen fuhr Malimmes mit beiden Händen nach dem Mund des Weibes . » Wirst du deinen Schnabel halten ! « Er lauschte gegen die Stube . » Komm ! « Mit starren Knochen richtete er sich auf , drehte die Gelenke und streckte die Beine . Das Gehen wurde ihm sauer . Und immer spürte er etwas an seinem Hinterkopf wie das Pochen eines kleinen Hammers . Die Kopfwunde , die ihm der Hautschneider beim Hallturm zugenäht hatte , fing zu eitern an . Das machte ihn mißmutig . Doch als er draußen unter dem dichtverhangenen Himmel stand und das Glutspiel der südlichen Ferne sah , fuhr