alten Weise . Wie mir das neue Lied vor der Seele schwebte , sprach ich zu Zetteritz : » Nun laß mich sagen und singen , wie ich zur Gottesmutter bete , und welcher Glaube mich der wahre deucht . « Im nächtlichen Dunkel lagen die starren Wogen der Waldberge . Wie eine blumenbesäte Aue schimmerte das himmlische Gezelt von Sternen , als ich nun harfend anhub : » Marie , Gebenedeite , Mit Kind und Myrtenkrone , O bleib nicht in der Weite , Auf hehrem Sternenthrone ! Komm in dies Hüttelein Und mir im Busen wohne ! Es hat das Reich der Himmel Hier innen allen Raum . Daß fern im Morgenland Mein Eden blüht , ist Traum ! Die wache Seele fand In sich den Lebensbaum . Sei , Seele , selber du Die keusche Himmelsmaid , Vom Licht aus Sternenschoß Umflutet und umfreit , In Minne makellos Zur Mutterschaft geweiht . Zu Bethlehem die Krippe Ist jeder Herzensschrein ; Soll mich und meine Sippe Der Gottessohn befrein , Er muß aus Menschengrunde , Aus mir erboren sein . « Auf diesen Sang schwieg Zetteritz und meinte dann : » Bin ein rauher Soldat , des Geistes Geheimnisse bleiben mir verschlossen . Mir ist es am besten , wenn ich dem traue , was Gottes Kirche seit 1600 Jahren verkündet . Doch lieblich und fromm klingt deine Weise , ich danke dir . Laß mich nun eine Bitte tun . Ich vermisse meinen Rosenkranz , den ich betend noch in Händen hielt , wie ich verwundet in der Höhle lag . Er wird mir dorten entglitten sein . Ich will freilich nicht hehlen , daß ich nur mit Scheu in die Höhle zurückkehre . Indessen möcht ich doch morgen das Rosenkränzel suchen . Willst du es erlauben ? « - » Mitsammen wollen wir gleich in der Frühe hinuntergehen « , entgegnete ich , » aber nun ist Schlafenszeit . Auf Tobias können wir nicht warten . « Wir begaben uns zur Grotte , und wohl tat uns das Mooslager . Vom Schlafe fuhr ich auf , als Tobias die Laterne anzündete . Um den schnarchenden Zetteritz nicht zu stören , fragte ich leise : » Nun , Tobias , wie steht ' s ? « - » Schlimm , « raunte er , » ich war bei Hollmann . Die Feindesgefahr ist nicht vorüber . Colloredos Volk hält den Wachstein besetzt . Mein Rat ist , daß wir uns gleich morgen von hier wegbegeben . Allerdings wähnt der Feind , das ganze Goldmachernest sei ausgerottet , doch Hollmann meint , wenn mich etwan jemand gesehen habe , so könne die Abendburg leichtlich neuen Besuch erhalten . « - » Hat dich denn wer gesehen ? « - » Ich glaube nicht . Doch wenn mich der gesehen hat , den ich sahe , so stehet es schlimm . Wie ich nach meinem Häusel schaue , wandelt bei den Trümmern ein fremder Mann . Mit breitem Hut , grauhaarig , in schwarzem Spaniolenmantel , dreht mir den Buckel - ja , ein Buckel war ' s - du errätst wohl , wen ich meine . « - » Giacomini ? Also wirklich ? « fragte ich bestürzt . » Er wird ' s gewesen sein , wiewohl ich es nicht behaupte . « - » Dann fort von hier , Tobias ! Wir wollen gleich morgen zu den Iserbauden . Diese Nacht wird uns wohl niemand hier oben stören . « Der Oheim streckte sich nun gleichfalls hin , und unser Sorgen ward durch Schlummers Gnade beschwichtigt . Als der Morgen ob den Bergen glühte , rüsteten wir uns zum Aufbruch . Tobias und Zetteritz wollten erst Dreßler bestatten . Während sie den Leichnam aus dem Walde holten , vernahm ich hinter dem Felsen ein Geräusch wie von einem abgerutschten Steine . Ich ging hin und sah etwas Dunkles in die Tannen schlüpfen . Das kann doch kein Rotwild gewesen sein ? denn es war schwarz . Wie sollte aber ein Schwarzwild hierherkommen ? Derweilen ich so überlegte , brachten der Oheim und Zetteritz Dreßlers Leichnam , ich ging mit zur Bestattung . Wie wir das Grab zugeschüttet und still gebetet hatten , sagte Tobias : » Vom Ritter Zetteritz vernehm ich soeben , daß er gern seinen verlorenen Rosenkranz wieder hätte . Mich dünket zwar , solch ein Ding wäre zu missen . Doch gehet nur in die Höhle hinunter , ich halte hier oben Wache . « Nebst Zetteritz begab ich mich also in die Grotte , und wir taten die Steinplatte beiseite . Mit brennender Laterne stiegen wir in die Tiefe und kamen nicht ohne Grauen an die Stätte , wo wir etliche Tage zuvor nebeneinander mit dem Tode gerungen hatten . Gleichwohl mußten wir daselbst verweilen , denn kein Spähen machte den Rosenkranz ausfindig . Wie ich mich nun plötzlich wende , an einer andern Stelle zu suchen , lauert wenige Schritte vor mir geduckt eine Gestalt , und ich erkenne Giacominis stechende Augen , das scheue , verkniffene Gesicht , die hohen Schultern , den gepichten Spitzbart . Im selben Augenblick wird auch Zetteritz des Eindringlings gewahr und hat ihn gleich bei der Gurgel . » Giacomini ! « zische ich grimm ; » wie kommt Er hierher ? « Zetteritz schüttelt den tückischen Zwerg . » Laß ihn los ! « sage ich , » er soll uns Rede stehen . « Giacomini sinkt ächzend auf die Knie : » Gnade , ihr Herren ! Was hab ich denn verbrochen ? Daß ich hier eingedrungen bin , gibt euch kein Recht , mich anzupacken . Erdrosselt bin ich ja schier . « - » Wie hat Er es angestellt , in die Höhle zu gelangen ? « forschte ich weiter , » war denn nicht Tobias oben vor dem Eingange ? « - » O freilich « , entgegnete Giacomini und erhub sich ; » aber Kräuter-Tobias ist nicht dageblieben ,