es die Feuerbachsche Schrift war . » Woher hat Er das ? « schrie er Schildknecht an . Der Bursche erwiderte , er habe es auf dem Bücherschrank des Herrn Leutnant gefunden . » Das ist eine widerrechtliche Aneignung , ich werde Ihn davonjagen und disziplinieren lassen , wenn so etwas nochmal vorkommt , merk Er sich das ! « donnerte Hickel . Wahrscheinlich hätte die erstbeste Seeräubergeschichte die Neugier des Tölpels ebenso gereizt , sagte sich Hickel später und erklärte sein Aufbrausen für eine Unbesonnenheit . Gleichwohl witterte er Gefahr , der Bursche war nicht nach seinem Sinn , und er beschloß , sich seiner zu entledigen . Ein Anlaß ergab sich bald . Als Schildknecht tags darauf Caspar abholte , merkte er , daß dieser verstimmt war . Er suchte ihn aufzuheitern , indem er ein paar lustige Schnurren aus dem Kasernenleben vorbrachte . Caspar ging auf die Unterhaltung ein , er fragte den zutraulichen Menschen nach seiner Heimat , nach seinen Eltern , und Schildknecht bemühte sich , auch davon möglichst gutgelaunt zu erzählen , obschon es ein trauriges Kapitel für ihn war . Er hatte eine Stiefmutter gehabt , der Vater hatte ihn in früher Jugend unter fremde Leute gegeben , kaum war er von Hause fort , so hatte ein Liebhaber der Frau den Vater im Raufhandel erschlagen . Jetzt saß der Liebhaber samt der Frau im Zuchthaus , und die Brüder hatten das Vermögen durchgebracht . Schildknecht wagte zu fragen , weshalb Caspar heute seine Freundin nicht treffe . » Sie geht ins Theater « , antwortete Caspar . Warum denn er nicht gehe , fragte Schildknecht weiter . Er habe kein Geld . » Kein Geld ? Wieviel braucht man denn dazu ? « » Sechs Groschen . « » Soviel hab ich grad bei mir , « meinte Schildknecht , » ich leihs Ihnen . « Caspar nahm das Anerbieten mit Vergnügen an . Es wurde nämlich der » Don Carlos « gegeben , auf den er sich schon lange gefreut hatte . Das Stück erregte mit Ausnahme des verrückten Frauenzimmers , das den Prinzen verführen will , sein Entzücken . Und wie ward ihm , als der Marquis zum König sprach : Sie haben umsonst Den harten Kampf mit der Natur gerungen , Umsonst ein großes königliches Leben Zerstörenden Entwürfen hingeopfert . Der Mensch ist mehr , als Sie von ihm gehalten . Des langen Schlummers Bande wird er brechen Und wieder fordern sein geheiligt Recht . Er erhob sich von seinem Platz , starrte gierig , mit funkelnden Augen auf die Bühne und enthielt sich nur mit Mühe eines lauten Ausrufs . Zum Glück wurde die Störung in der herrschenden Dunkelheit nicht weiter beachtet ; sein Nachbar , ein böser alter Kanzleirat , zerrte ihn grob auf den Sitz zurück . Das Ausbleiben über den Abend hatte zunächst ein Verhör durch den Lehrer zur Folge . Er gestand , im Schloßtheater gewesen zu sein . » Woher haben Sie Geld ? « fragte Quandt . Caspar erwiderte , er habe das Billett geschenkt bekommen . » Von wem ? « Gedankenlos , noch ganz gefangen von der Dichtung , nannte Caspar irgendeinen Namen . Quandt erkundigte sich am andern Tag , erfuhr selbstverständlich , daß ihn Caspar belogen hatte , und stellte ihn zur Rede . In die Enge getrieben , bekannte Caspar die Wahrheit , und Quandt machte dem Polizeileutnant Mitteilung . Um fünf Uhr nachmittags ertönte im Hof vor Caspars Fenster der wohlbekannte Pfiff , zwei melodische Triolen , mit denen sich Schildknecht zu melden pflegte . Caspar ging hinunter . » Es ist aus mit uns beiden , « sagte Schildknecht zu ihm , » der Polizeileutnant hat mich entlassen , weil ich Ihnen das Geld geliehen hab . Ich muß jetzt wieder Kasernendienst tun . « Caspar nickte trübselig . » So geht mirs eben , « murmelte er , » sie wollens nicht leiden , wenn einer zu mir hält . « Er reichte Schildknecht die Hand zum Abschied . » Hören Sie mal zu , Hauser , « sagte Schildknecht eifrig , » ich will jede Woche zwei- oder dreimal , überhaupt wenn ich frei bin , dahier in den Hof kommen und meinen Pfiff pfeifen . Vielleicht brauchen Sie mich mal . Warum nicht , kann ja möglich sein . « Es lag in den Worten eine über alle Maßen tiefe Herzlichkeit . Caspar richtete den aufmerksamen Blick in Schildknechts freundlich lächelndes Gesicht und erwiderte langsam und bedächtig : » Es kann möglich sein , das ist wahr . « » Topp ! Abgemacht ! « rief Schildknecht . Sie gingen durch den Flur nach der Straße . Vor dem Tor stand ein Amtsdiener , und da er Caspars ansichtig wurde , sagte er , er habe ihn gesucht , der Herr Staatsrat schicke ihn her , Caspar solle gleich hinkommen . Caspar fragte , was es gäbe . » Der Herr Staatsrat reist um sechs Uhr mit dem Herrn Polizeileutnant ab und will noch mit Ihnen sprechen « , antwortete der Mann . Caspar machte sich auf den Weg . Ein paar hundert Schritte vom Lehrerhaus entfernt konnte er nicht weiter . Ein Ziegelwagen war vor dem Einfahren in ein Tor mit gebrochener Radachse umgestürzt und versperrte die Gasse . Caspar wartete eine Weile , kehrte dann um und mußte nun durch die Würzburger Straße und über die Felder Infolgedessen kam er zu spät . Als er vor dem Feuerbachschen Garten anlangte , war der Präsident schon weggefahren . Henriette und der Hofrat Hofmann standen am Gartentor und nahmen Caspars triftige Entschuldigung schweigend auf . Henriette hatte verweinte Augen . Sie blickte lange die Gasse hinunter , wo der Wagen verschwunden war , dann drehte sie sich wortlos um und schritt gegen das Haus . Schildknecht Der Mai brachte viel Regen . Wenn das Wetter es irgend erlaubte , wanderten Caspar und Frau von Kannawurf ganze Nachmittage lang durch die Umgegend .