nicht . Effendi , ich höre , du bist Kenner . Du fängst es richtig an , ganz anders als jene Virtuosen , die nur das Vieh im edlen Pferde sehen ! « » Nun , das liegt eben im Virtuosentum . Noch deutlicher im Wort Dressur ! Liebt Syrr den Stall ? « » Nein . Das Freie ist ihm lieber , sogar des Nachts . « » Hat er Eigenheiten in Beziehung auf das Wasser , auf das Futter ? « » Nicht daß ich wüßte . « » So will ich die Probe wagen . Aber ich bitte dich um Eins ! « » Um was ? « » Von diesem Augenblicke an bin ich der Herr des Pferdes . Kein Mensch darf es ohne meine Erlaubnis berühren , auch du selbst nicht ! « Da wurde er ernst . » Weißt du , was du da auf dich nimmst , Effendi ? « fragte er . » Alles ! « » Jeden Andern würde ich abweisen , denn das Pferd ist nicht mein , sogar den Ustad , den ich doch so kenne ! Dir aber will ich vertrauen . Syrr sei dein Eigentum , natürlich nur für die Zeit meines Aufenthaltes hier . Bist du zufrieden ? « » Ja , ich danke dir ! « » So geh hinab zu ihm , indessen ich es mir hier wohnlich mache ! « Das war auch für Schakara das Zeichen , sich zu entfernen . Sie nahm mein » Feierkleid « mit , um es hinauf zu mir zu tragen . Halefs Anzug wollte Dschafar selbst überbringen . » Denn ich kenne ihn aus Lindsays Erzählungen , « sagte er lächelnd . » Es hat höhern Wert für ihn , den Boten des Schah-in-Schah persönlich zu empfangen . « Unten ging ich sofort in das Gewölbe , in welchem die Pferde standen . Die Reitknechte waren da . » Weiß hier schon Jemand , daß Ihr den Syrr mitgebracht habt ? « fragte ich . » Nein , « lautete die Antwort . » Dschafar Mirza hat uns verboten , davon zu sprechen . « » So verschweigt es auch weiterhin . Niemand soll es wissen . Jetzt ist er mein . Ich werde ihn selbst bedienen ; es hat ihn von jetzt an kein Anderer zu berühren . Wie ist er gesattelt , wenn er den Schah-in-Schah trägt ? Wohl Reschma ? « » Nein , sondern arabisch . « » Wie verhält er sich zu andern Pferden ? « » Er mag sie nicht ; er ist stolz ; aber er tut ihnen nichts . Wenn sie ihm nahe kommen , geht er fort . Er hat sich noch von keinem berühren lassen , auch selbst noch keines berührt . « » Kannst du das so genau wissen ? « » Ja , denn ich bin Dschydd69 und habe Syrr von Anfang an gepflegt . « » So werde ich mich an dich wenden , wenn ich Etwas wissen will . Liebt er das kalte Wasser ? « » Es ist ihm sogar eine Wonne . Er lächelt froh , wenn man ihn wäscht . Der Beherrscher hatte ihn einmal mit am Narghis-See . Da war er noch jung und lief frei herum , das schönste Füllen , das es auf der Erde gab . Da war er fast gar nicht aus dem Wasser herauszubringen . Effendi , ich bitte dich , nimm ihn in Acht ! Ich habe ihn so lieb ! « » Sei unbesorgt ; er ist in guten Händen ! In welcher Sprache redest du mit ihm ? Persisch natürlich ? « » Nein nicht persisch , sondern meine Muttersprache . Ich bin ein Dschubeileh-Araber . « Da ließ ich mir diejenigen Worte und Ausdrücke aufzählen , welche dem Syrr geläufig waren , und nahm ihn dann aus dem Gewölbe heraus , um ihn hinter nach der Weide zu führen . Schakara hatte den Anzug hinaufgebracht und kam jetzt wieder herunter . Sie war bei meinem Gespräch mit Dschafar zugegen gewesen , hegte das lebhafteste Interesse für das Pferd und bat mich , mitgehen zu dürfen . Als wir durch den Garten kamen , pflückte ich zwei Aepfel , einen gewöhnlichen Küchenapfel und einen edlen , nach Rosinen duftenden Sib-y-Kischmisch-Apfel . Jeden in einer Hand , hielt ich dem Pferde beide zugleich vor . Es faßte nicht etwa hastig zu , sondern es beroch sie mit Bedacht und griff dann zu dem duftenden . Da sagte Schakara : » Effendi , das ist kein Vieh . Es beherrscht den Appetit ; es wählt ; es folgt nicht der Gier , sondern dem prüfenden Sinne . Und schau , wie langsam es kaut , fast wie ein Mensch , der eine Delikatesse genießt . Ein anderes Pferd hätte schon längst nach dem zweiten Apfel gelangt . - - - Nun nimmt es ihn , fast leise , zögernd , als ob es dir einen Gefallen tun wolle , indem es nun auch den weniger guten frißt . Syrr ist edel , sehr edel . Ich habe ihn schon lieb ! « Sie klopfte ihm mit der flachen Hand den Oberschenkel , so , wie man Pferde kräftig zu liebkosen pflegt . Da hob er den einen Vorderfuß und zuckte mit dem eingewickelten Schwanze . Dieses » Klatschen « war ihm also unangenehm . Für mich ein wichtiger Fingerzeig ! Als wir an die Quelle kamen , ließen wir ihn trinken . Er versuchte erst den Geschmack des Wassers und trank dann mit sichtlichem Behagen , zuweilen eine Pause machend , wie ein Weinkenner , der eine seltene Nummer nicht gleich hinunterstürzt . Dann führte ich ihn hinter in das Gras und begann , die Hülle aufzuschnallen . Da sah ich denn , daß Syrr auch ein Rappe war , aber was für einer ! Ein Rappe mit Doppelmähne ! Ohne das geringste helle Fleckchen ! Der volle , vornehm getragene Schwanz