Knarren der Haustür und Schritte im Flur . Unwillig humpelte sie über die Stiege hinunter , und als sie den Doktor sah , bekam sie einen fürchterlichen Schreck . Aber gleich die ersten Worte des Arztes ließen sie die Ausflucht erraten , die das Lieserl in der Nacht gebraucht hatte . Nun fand die Zaunerin flink ihre Sprache wieder , drückte die Hände auf den umfangreichen Magen und schilderte die » grausamen Schmerzen « , von denen sie in der Nacht geplagt worden wäre . Der Doktor fühlte der Zaunerin den Puls , ließ sich die Zunge zeigen und schien den » bösen Anfall « nicht sonderlich ernst zu nehmen . Als er am Tische saß und der Kranken das Abführmittel verschrieb , kamen Schritte über die Treppe herunter , und auf der Schwelle erschien ein Paar : Lieserl , bleich und scheu - der junge Pointner mit lachendem Gesicht . Er sah wie ein stolzer Preisstier aus , dem nur der Blumenkranz und die Hörner fehlten . Da konnte nun der Doktor Zeuge des » ehrsamen Verspruches « sein , zu dem das Zauner-Lieserl ihre kleine , weiße , zitternde Hand in die braune schwielige Riesenfaust des Pointner-Andres legte . Während die Zaunerin vor Freude in die Schürze heulte und der alte Doktor dem jungen Paar seinen Glückwunsch sagte , ging draußen vor den Fenstern ein Fischer vorüber ; er hielt die Forellengerte unter dem Arm und spießte seinen Wurm an die Angel ; dann verließ er die Straße und betrat einen schmalen Steig , der in die Seebachschlucht hinunterführte . 8 Der Zauner-Wastl erreichte auf seinem Weg zur Jagdhütte bei Tagesanbruch die Almen . Erschöpft und keuchend ließ er sich am Wegrain auf einen Baumstock nieder und drückte die Fäuste auf seine arbeitende Brust , während er den sorgenvollen Blick über den steilen , stundenlangen Weg emporgleiten ließ , den er noch zurückzulegen hatte . Auf dem Almfeld sah er ein altes , gebücktes Bäuerlein in langem Sonntagsrocke bergwärts steigen . Wer kann das sein ? Was will der fremde Bauer da droben ? Es sieht fast so aus , als ginge er den gleichen Weg - da hinauf zur Jagdhütte ? Die Jagdhütte ! Dieses Wort ließ den Zauner wieder an die eigenen Sorgen denken . Wie sollte er vor den gnädigen Herrn Grafen hintreten ? Was sagen , um den Vater , der den Sohn verloren , nicht schon mit dem ersten Wort ins Herz zu treffen ? Meister Wastl nahm den Kopf zwischen die Hände . Und während er darüber nachsann , wie er seine Unglücksbotschaft einleiten könnte , vernahm er aus der fernen Höhe einen rollenden Hall . Es war das Echo eines Schusses . Diesen Schuß hatte Graf Egge abgegeben . Und das Wild , dem der Schuß gegolten , war der » abnorme « Rehbock , dem zuliebe Graf Egge am verwichenen Morgen den Abstieg nach Hubertus unterbrochen hatte . Schipper , der das seltsame Wild ausgespürt und seinen Herrn auf dem glücklich geratenen Pirschgang begleitet hatte , gratulierte lachend , als der Rehbock im Feuer stürzte . » No also , da liegt er ! Wünsch Glück , Herr Graf ! Hab ich ' s net gsagt : Sie bleiben net umsonst heroben ! Gelt , es hat sich rentiert , daß der junge Herr Graf allein hat heimmarschieren müssen . Wären S ' mit ihm abitrappt , so hätten S ' den Bock net . Schauen S ' ihn an ! Was der für Gwichtl hat ! « Es hätte bei Graf Egge dieser Aufforderung nicht bedurft . In der Hand die rauchende Büchse , sprang er auf seine Beute zu . Als er das verendete Wild erreichte und das seltene , wertvolle Gehörn in der Nähe sah , schwang er im ersten Ungestüm seiner Jägerfreude das verwitterte Filzhütl wie ein Hüterbub , dem ein Glück vom Himmel herunter ins Herz gefallen . So groß war seine Freude , daß er den Jäger mit keiner Hand an den Rehbock rühren ließ . Er selber nahm das Messer , um den Bock » aufzubrechen « und ihn mit verschränkten Läufen in die Tragriemen einzuschnüren . Es fehlte nicht viel , so hätte Graf Egge seine Beute auch noch auf den Rücken genommen ; erst nach längerer Debatte gönnte er dem Jäger die » Ehre « , den Bock zur Jagdhütte tragen zu dürfen . » Aber ich geh hinter dir drein , Schritt um Schritt , « sagte er , » sonst gschieht am End mit dem Gwichtl wieder so eine Zauberei sie selbigsmal mit der Gamskruck . « Schipper , der den Rehbock auf den Rücken schwang , hielt es für das beste , diesen Spaß zu überhören . Mit einem Moosbüschel säuberte Graf die roten Hände , wischte sie noch ein paarmal über die Rückseite der Lederhose , steckte sein Pfeiflein in Brand und wanderte hinter dem Jäger her . Da hatte er immer das schöne Geweih vor den Augen . » Du , das sag ' ich dir , « unterbrach er das Schweigen , » auf der Stell , wie wir in d ' Hütten kommen , wird das Gwichtl runtergsägt und ausgsotten . Das kriegt kein anderer mehr in d ' Händ . Das nimm ich heut selber mit nunter . « » Wollen S ' denn heut wirklich heim ? « fragte Schipper , über alle Anzüglichkeit in Graf Egges Worten harmlos hinweggleitend . » ' s Jagdpech is vorbei und ' s Glück is wieder einzogen . Dös sollten S ' ausnutzen . « » Eigentlich hast du recht . Aber ich muß hinunter . Ich hab ' s dem Buben in die Hand gelobt . Jetzt hab ' ich den Bock , jetzt halt ich mein Versprechen . « » Freilich , den Grafen Willy , den haben S ' halt gern ! Da muß alles andre zruckstehn ! « Eine halbe Stunde waren sie gewandert , als der Graf - er wollte