an Frankreich abgegeben . Da begannen nun geheime Verhandlungen zwischen dem König und dem französischen Kabinett . Recht so : Geheimnis ist ja der Kern aller Diplomatie . Die Völker dürfen von den Streitigkeiten nichts wissen - kommen diese erst zum Austrage , so haben sie das Recht , dafür zu bluten . Warum und wofür sie sich schlagen - das ist Nebensache . Ende März erst macht der König die Nachricht offiziell und am selben Tage , als er sein Einverständnis nach Frankreich telegraphiert , wird der preußische Gesandte im Haag davon unterrichtet . Daraufhin beginnen Unterhandlungen mit Preußen . Dieses beruft sich auf die Garantie der Verträge von 1859 , auf Grundlage deren das Königreich Holland bestand . Die öffentliche Meinung ( wer ist das , die öffentliche Meinung ? Wohl die Leitartikelschreiber ? ) in Preußen ist entrüstet , daß das alte deutsche Reichsland losgerissen werden soll ; im norddeutschen Reichstag - am 1. April - werden über diesen Gegenstand feuerige Interpellationen gestellt . Bismarck bleibt zwar über Luxemburg kalt , veranstaltet jedoch bei dieser Gelegenheit Rüstungen gegen Frankreich , was natürlich wieder französische Gegenrüstungen zur Folge hat . Ach , wie ich diese Melodie schon kenne ! Damals zitterte ich sehr , daß ein neuer Brand in Europa ausbreche . An Schürern fehlte es nicht : in Paris Cassagnac und Emile de Girardin , in Berlin Menzel und Heinrich Leo . Ob denn solche Kriegshetzer nur eine entfernte Ahnung haben von der Riesenhaftigkeit ihres Verbrechertums ? Ich glaube kaum . Um jene Zeit war es - ich habe das erst viele Jahre später erzählen gehört - daß Professor Simon dem Kronprinzen Friedrich von Preußen gegenüber über die schwebende Frage äußerte : » Wenn Frankreich und Holland bereits abgeschlossen haben , so bedeutet das den Krieg . « Worauf der Kronprinz in heftiger Erregung und Bestürzung erwiderte : » Sie haben den Krieg nicht gesehen ... hätten Sie ihn gesehen , so würden Sie das Wort nicht so ruhig aussprechen ... Ich habe ihn gesehen und ich sage Ihnen , es ist die größte Pflicht , wenn es irgend möglich ist , den Krieg zu vermeiden . « Und diesmal wurde er vermieden . In London trat eine Konferenz zusammen , welche am 11. Mai zu dem erwünschten friedlichen Resultate führte . Luxemburg ward als neutral erklärt und Preußen zog seine Truppen fort . Die Friedensfreunde atmeten auf , aber es gab Leute genug , welche sich über diese Wendung ärgerten . Nicht der Kaiser der Franzosen - dieser wünschte den Frieden - aber die französische » Kriegspartei « . Auch in Deutschland erhoben sich Stimmen , welche das Verhalten Preußens verurteilten : » Aufopferung eines Vollwerks « , » Wie Furcht aussehende Nachgiebigkeit « und dergleichen mehr . - Auch jede Privatperson , welche auf den Rechtsspruch des Gerichtes hin auf irgend einen Besitz verzichtet , zeigt solche Nachgiebigkeit - wäre es besser , sie beugte sich keinem Tribunal und schlüge mit den Fäusten drein ? Was die Londoner Konferenz erreicht , das könnte in solchen strittigen Fragen immer erreicht werden , und den Staatenlenkern wäre jene Vermeidung immer möglich , die der nachnachmalige Friedrich III. , Friedrich der Edle , die größte Pflicht genannt . Im Mai begaben wir uns nach Paris , um die Ausstellung zu besuchen . Ich hatte die Weltstadt noch nicht gesehen und war von der Pracht und dem Leben derselben ganz geblendet . Namentlich damals - das Kaiserreich stand auf seinem höchsten Glanzpunkte und sämtliche Kronenträger Europas hatten sich da zusammengefunden - namentlich damals bot Paris ein Bild fröhlichster und friedenssicherster Herrlichkeit . Nicht wie die Hauptstadt eines Landes , sondern wie die Hauptstadt der Internationalität erschien mir damals die - drei Jahre später von ihrem östlichen Nachbar bombardierte - Stadt . Alle Völker der Erde hatten sich in dem großen Champ de Mars-Palaste zu den friedlichen - einzig nützlichen , weil schaffenden und nicht zerstörenden - Kampf des Wettbewerbs versammelt ; so viel Kunstwerke und Gewerbewunder waren hier zusammengetragen , daß sich in jedem Beschauer der Stolz regen mußte , in so vorgeschrittener , immer noch weiteren Fortschritt versprechender Zeit zu leben ; und neben diesem Stolz mußte natürlich auch der Vorsatz entstehen , den Gang solcher genußspendenden Kulturentwickelung nicht mehr durch brutales Vernichtungswüten zu hemmen . Diese hier als Gäste des Kaisers und der Kaiserin versammelten Könige , Fürsten und Diplomaten konnten doch bei all ' den ausgetauschten Höflichkeiten , Freundlichkeiten , Glückwünschen nicht daran denken , nächstens mit ihren Gastgebern oder untereinander Todesgeschosse zu tauschen ? ... Nein : ich atmete auf . Dieses ganze blendende Ausstellungsfest schien mir die Bürgschaft , daß jetzt eine Ära von langen , langen Friedensjahren begonnen . Höchstens gegen einen Mongolenüberfall oder so etwas dergleichen konnten diese civilisierten Leute noch das Schwert ziehen , aber gegeneinander ? - das erlebten wir wohl nimmermehr . Was mich in dieser Auffassung bestärkte , war die Mitteilung , die mir über einen Lieblingsplan des Kaisers gemacht wurde : allgemeine Abrüstung . Ja , das stand bei Napoleon III. fest - ich habe es aus dem Munde seiner nächsten Verwandten und Vertrauten - : bei nächster passender Gelegenheit würde er sämtlichen europäischen Regierungen den Vorschlag unterbreiten , ihren Heeresstand auf ein Minimum herabzusetzen . Das ließ sich hören - das war wohl eine vernünftigere Idee , als diejenige einer allgemeinen Heeresverstärkung . Damit wäre die bekannte Forderung Kants erfüllt , welche in Paragraph 3 der » Präliminar-Artikel zum ewigen Frieden « also formuliert ist : » Stehende Heere ( miles perpetuus ) sollen mit der Zeit ganz aufhören . Dieselben bedrohen andere Staaten unaufhörlich mit Krieg durch die Bereitschaft , immer dazu gerüstet zu scheinen , reizen diese an , sich einander in Menge der Gerüsteten , die keine Grenzen kennt ( o prophetischer Weisenblick ! ) zu übertreffen , und indem durch die darauf gewendeten Kosten der Friede endlich noch drückender wird , als ein kurzer Krieg , so sind sie selbst Ursachen von