mal eine Grenze anzunehmen , in solchen Dingen ? Ach , jeder , der die Welt kennt , kann sich ' s ja denken . Impotenz , Rückenmarksschwindsucht oder die Charité - der kann Gott danken , wer zwischen Scylla und Charybdis heil durchschlüpft . « » Ach ja , die Männer ! « Kathi nickte mißmuthig , als fände sie diese Gefahren noch gar nicht so arg , vielmehr beneidenswerther , als das weibliche Loos . » Die können machen , was sie wollen . « » So , können sie das ? « blitzte Eugen sie an ; so hatte sie ihn noch nie gesehn . » Nun , das wollen wir sehn . Ja , wer ein Mann ist , darf den Kampf aufnehmen gegen eine ganze Welt von Vorurtheilen . Ich will endlich einen Zweck haben , einen Lebensinhalt . Es drängt mich , meinem unnützen vergeudeten vertrödelten Leben den Fehdehandschuh hinzuwerfen . Ich will kämpfen für das höchste Gut des Mannes : für die Frau , die er liebt . Kathi , ich liebe Dich , ich liebe Dich . Was können alle Dämchen der Welt mir sein neben Dir ! Du hast Dich mir hingegeben aus Liebe , ich will Dir ' s vergelten . « » Womit ? « fragte sie . Es klang schüchtern zaghaft , aber ein Zucken der Lippen und ein schlau gespanntes Aufleuchten der Augen verrieth , daß sie ihn wohl verstand . » Ich will - nun , ich will Dich heirathen . Bei allen Göttern und Teufeln ! Ich schwöre es . « V. Rother langte mit der Eisenbahn vom Randsfjord in Hönevoß an , ohne daß er irgendwo eine Spur gefunden . Vielleicht waren sie noch westlicher nach Thelemarken eingebogen . Unterwegs hatte er einen schäbig aussehenden kleinen Mann getroffen , der ihn nicht verstand , ihm aber , als sie zu Hönevoß ankamen , einen stattlichen Herrn vorstellte , der Deutsch und Englisch verstehe . Dieser Herr von sehr gentlemanliken Formen entpuppte sich als reicher Agent , der so ganz beiläufig erzählte , er habe den nächsten Wald da drüben soeben für 50000 Dollars gekauft . Und zwar von dem kleinen schäbigen Mann mit dem zerzausten Bart , den Rother für einen Schuster hielt und der sich beiläufig als ein Mann herausstellte , dem das ganze Waldterrain ( Hönevoß lebt vom Holz , wodurch es früher Unsummen verdiente ) und Mühlen und Wirthshaus gehörten . Als Rother den gebildeten Agenten , nachdem man sich umgekleidet , draußen am Wasserfall suchen ging , kam ein Mädchen aus dem Nebenhaus aus ihn zu und lud ihn in wohlgesetzter Rede zum Abendessen ein , woselbst jener Herr bei Vatern sei . Der Millionär lebte wie ein Handwerker - wenig , aber herzlich gegeben : Buttermilch und Butterbrot . Rother beneidete und bewunderte im Stillen diese Leute , so einfach und schlicht im Aeußern , anspruchslos nur einem edlen Zwecke geweiht : möglichst viel Geld zu machen , aber ohne alle Ostentation ! Hier wenigstens fehlte aller Größenwahn . Doch er irrte sich . Denn alsbald ging das Jammern los , wie das Holz , durch dessen Export nach Amerika sich früher das Land bereicherte , immer im Preise sinke und die Entholzung das Land erst recht ruiniren werde . Jaja , die heutige schlechte Zeit ! Jeder will gleich mit eins reich werden - daher die viele Schwindelhaftigkeit und der zunehmende Bankerott des Nationalwohlstandes . Früher blühte auch die Schiffahrt . Da häuften die Rheder und Großhändler manch gewichtigen Batzen . Aber heut - alles Holzschiffe , alles untauglich geworden für den modernen Verkehr , gegen die Concurrenz der Deutschen verloren . Und dabei will Jeder hochhinaus leben , viel besser wie in Deutschland . » Wir Normannen glauben nun mal , weil wir die Freisten in Europa sind , wir müßten auch die Glücklichsten sein ! « Also auch hier nationaler Größenwahn , der sich hinaufschrauben möchte über die natürlichen Verhältnisse weg ! Als Rother am andern Tag nach Drammen dampfen wollte ( ihm war endlich die Geschichte langweilig geworden und er verlangte nach Haus ) , fuhr ihm der Zug vor der Nase weg ; weil er auf ein Signal gewartet hatte , als er Limonade auf dem Perron trank , während hier alles lautlos , nur mit Wink und Pfiff , zugeht . Er langte also wieder in Hönevoß an . Da er erhitzt und müde war , beschloß er zu baden . Man wies ihm eine Natur-Badeanstalt in freier Luft , wo ein Bergquell durch eine hölzerne Rinne herabgeleitet wurde . Um Mittag bade dort Niemand . Er stieg etwa eine Viertelstunde weit auf steilem Pfad dort hinab , fand den Punkt und entkleidete sich . In der Ferne vor ihm ein reizendes Panorama . Ueber den Schindeldächern der reinlichen Bauernhöfe wirbelten bläuliche Rauchringel empor . Rings einförmiges Bewegen , eintönige Stille . Flöße schwammen den Wasserfall hinab , den man hier als eine Art Dampfwalze benutzt . Wagenfuhren , mit Reisig und Holzblöcken beschichtet , wälzten sich der nahen Sägemühle zu . Allüberall das Hämmern der Spechte , der Schlag der Aexte und das Krachen gefällter Bäume . Unten am Abfluß des Voß flickte ein Fischer in der hier üblichen phrygischen Rothmütze an einem Netz und sonnte sich wie die Florellen , die zu seinen Füßen über den Kieseln spielten . Aber diese angenehme seelische Siesta wurde unliebsam gestört . Denn grade , als er auf dem schlüpfrigen Gestein unter den eiskalten Rinnen-Sturz gelangte , glitt er aus und fiel der Länge nach hin . Rasch von der Betäubung erholt , fand er , daß der Fall ihn wunderbarerweise sonst nirgends verletzt , ihm aber aus dem rechten Knöchel ein groß Stück Fleisch herausgeschlagen hatte , ohne den Knochen zu verletzen . Das Blut floß in breiten Strömen . Dem Ammenglauben , kalt Wasser stille die Blutung , folgend , hielt er den Fuß ins Wasser und kroch mittlerweile unter die Rinne um