scheinen jetzt entschlossen zu sein , ihren Standpunkt dem Deinigen öffentlich gegenüber zu setzen . Einige Deiner Konkurrenten , sagt man , sollen sich der Sache schon bemächtigt haben , um Dich in der öffentlichen Meinung tot zu machen . In die nächste Ausstellungs-Jury wirst Du nicht mehr gewählt werden . Numero eins . Numero zwei : - - - « » Schweig , schweig ! « Raßler sank in den Polsterstuhl und hielt sich die Ohren zu . » Numero zwei : man wird allen städtischen Unternehmungen , wo Dein Name mit an der Spitze steht , Schwierigkeiten über Schwierigkeiten bereiten . Numero drei : man wird zur Durchführung der Isarthal-Pläne ein neues Konsortium bilden , in welchem Du nicht vertreten bist , man wird den Bankier Weiler gegen Dich ausspielen - - « » Blödsinn , Tollhäuslerei ! « röchelte Raßler und fuchtelte mit den Händen in der Luft . » Nein , mein verehrter Onkel , « fuhr der Neffe fort , die Einbläsereien des Bierbarons Polly zum Teil wörtlich wiederholend , » man wird sich auch in den neuen Brauerei-Aktiengründungen ohne Dein Kapital recht gut zu helfen wissen , nachdem es auf der Börse ruchbar geworden , daß Du mit Hilfe einiger Winkelspekulanten Fühlung mit böhmischen und mährischen Gesellschaften gesucht hast , um mit ihren Papieren den hiesigen Markt zu verderben - - « Der Modephotograph hielt inne . Raßler lag mit geschlossenen Augen im Polsterstuhl , die dicken Lippen einwärts gekniffen . Der Neffe trat hinten an den Stuhl heran und setzte leiser ein : » Damit Du alles weißt : man hat mir den königlichen Hoftitel , um den ich eingekommen , verweigert , und als ich nach dem Grunde forschte , Hindeutungen auf Dich gemacht und auf die Entwürdigungen , welche Dein Familienleben Deinem Kommerzienratstitel bereite . Deine Schande fällt auf die ganze Verwandtschaft . Dein Weib hat den Fluch der Lächerlichkeit über alles gebracht , was Raßler heißt . Man scheut sich , persönlich mit Dir zu verkehren . Ich weiß , daß Konsul Schmerold , obwohl er nur zwei Schritte zu Dir hat , den schriftlichen Weg vorzieht . Das alles dankst Du der blinden Vergötterung eines Weibes , das keine Frau , keine Mutter , keine Wirtschafterin , kurzum , das nichts ist als eine stolze Kokette , die sich in Deinem Reichtum walzt und in den Armen ihres Buhlen . Ich habe gesprochen - nun ist es an Dir zu handeln . Vielleicht ist es noch nicht zu spät . Gute Nacht . « Über dem Lampencylinder zündete sich der Modephotograph eine Havanna an und schritt hinaus wie ein Held , der eine große That vollbracht hat und sich nun ein Vergnügen gönnen darf . Raßler lag wie betäubt , er hörte die Schritte des Fortgehenden nicht mehr . Frau Leopoldine sah bei der Heimkehr von ihrem Samaritergang - sie hatte auf dem Rückweg noch flüchtig eine Wöchnerin besucht - den Neffen das Hans verlassen . Nachdem sie Eugen der Dienerin übergeben , ging sie sofort in das Zimmer , ihren Gatten aufzusuchen . Er merkte es nicht , daß sie jetzt hinter seinem Stuhle stand . » Dein Neffe war da , « sagte sie nach kurzem Besinnen mit leiser , fester Stimme . Raßler fuhr auf , starrte sie an wie ein Gespenst , die Augen quollen ihm aus den Höhlen , sein Gesicht war verzerrt ... Er packte sie roh an beiden Armen : » Kurtisane ! Fluch über Dich ! Verdammte Buhlerin ! Du bist keine Frau , keine Mutter ... O meine Kinder ! ... Fort von hier , fort ! « Die Stimme versagte ihm . Regungslos stand sie da , den Wütenden um Haupteslänge überragend und ihn mit einem hoheitsvollen Blicke messend , dann kamen von ihren bleichen Lippen die Worte , tonlos , gemessen : » So geberden sich die Raßler , wenn sie gegen ein wehrloses Weib zusammenstehen , eine Ehre zu verteidigen , die zu besitzen sie niemals sich stark und würdig genug gezeigt . « Kraftlos ließ er die Arme sinken . Leopoldine schwankte hinaus . Im Kinderzimmer suchte ihr brennender Blick den geschlagenen Franz , der in der dunklen Ecke am Spieltischchen saß , die großen blauen Augen erwartungsvoll auf die eintretende Mutter gerichtet . Sie ging auf ihn zu und kniete sich zu ihm nieder , ihn mit Ungestüm an ihre Brust drückend . Das Kind schlang seine Arme um ihren Hals und schluchzte : » Verzeih , Mama , ich hab ' Dich ja so lieb , so lieb ... « 4. An der Maximiliansbrücke angekommen , schwankte Drillinger , ob er ins Lehel hinunter gehen und den Doktor Trostberg so spät am Abend aufsuchen solle , oder ob es nicht mannhafter wäre , dem Fabian Pemsl direkt auf den Leib zu rücken . Jetzt oder nie müsse etwas Entscheidendes geschehen ... Aber das Entscheidende in diesem Falle , welche Gestalt würde es annehmen ? Wie will man sich mit diesem Viehvolk ritterlich auseinandersetzen ? Durch eine richterliche Klage , durch den Spruch eines , Ehrenrates , durch ein konventionelles Duell - was ist mit alledem gewonnen ? Der Skandal wird nur um so ärger und es läßt sich gar nicht absehen , wie weit die Bosheit und Rachsucht der Menschen die einmal öffentlich in Fluß geratene Geschichte treiben wird ... Ja , lebte man in einem wirklich freien Lande , wo der Einzelne sich selbst die Unverletzlichkeit seiner Person und seines Privatlebens sichert und mit den Frechlingen summarische Abrechnung hält , so würde er diesen schmutzigen Ehrabschneider auf offener Straße niederschießen wie einen tollen Hund ! Aber so - in einem sogenannten geordneten Staatswesen mit seiner verzwickten Maschinerie , seinem büreaukratischen Apparat , seinen Sackgassen von Traditionen , seinen Bergen von Vorurteilen , wie will man sich da für alle die gekränkten feineren Empfindungen einer stolzen Individualität Recht verschaffen ? Und das Recht allein , wenn man ' s nach den haarsträubendsten Prozeduren endlich