mit einem ruhigen Lächeln , und der Chevalier erschien ihnen nur ein wenig erschöpft von der Reise , und das konnte kein Wunder sein . Sie rieten ihm - dem Ritter von Glaubigern - , sich früh niederzulegen , und das versprach er gern , und als er dann mit Hennig nach der Taborstraße fuhr , schlief er wirklich schon im Wagen ein und schlief ruhig und fest die Nacht durch . Auch Antonie Häußler schlief ruhig und lächelte im Schlafe ; aber alle andern wachten in großer Unruhe und vielen Sorgen ; vor allen andern aber wachte in Sorgen , Angst und großem Grimm der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib , denn er hatte gesiegt und triumphiert ; - auch diesmal hatte er seinen Willen gehabt und den Sieg gewonnen , wie er unter allen Gestalten und in allen Verhältnissen , in der Tiefe und in der Höhe seit vielen , vielen tausend Jahren den Sieg gewinnt . - - Und er war so zufrieden mit seinem Siege , wie er es seit Jahrtausenden stets ist ; nämlich er zuckte die Achseln , da er die , welche ihm das Feld räumen mußten , nicht halten konnte . Daß er von allerlei verdrießlichen und unbequemen Gemütsbewegungen geplagt wurde , haben wir soeben erst gesagt ; allein er wußte sich nach seiner Art ganz vortrefflich zu beherrschen , erschien dann und wann sogar recht gerührt und - erwies sich diesmal sogar außergewöhnlich höflich , nachgiebig und zuvorkommend gegen die Scheidenden bis - zum Schluß , bis zur Vollendung dessen , was er sein - gewöhnliches schlechtes Glück zu nennen beliebte . Auch mit dem Grafen Basilides Conexionsky hatte sich jetzt der Edle von neuem auseinanderzusetzen , und dieses war für in feinfühliges Gemüt , gleich dem seinigen , vor allem eine peinliche Aufgabe . Er versuchte es nach gewohnter freundschaftlicher Weise und , um die Wirkung zu erhöhen , mit dem Taschentuche vor den Augen . Aber wenn ihm der Graf Basil selbstverständlich auch auf halbem Wege entgegenkam , so nachte doch das Taschentuch nicht die geringste Wirkung auf ihn . » Mein lieber Herr « , sagte der Graf mit großem Ernst und mit gerade nicht geheimgehaltenem Ekel , » mein lieber Herr , ich hielt Sie für einen besseren Impresario , als Sie sich gezeigt haben . Per Bacco , ich schäme mich selber und finde für mich nur in meinem langen Aufenthalt in Italien eine Entschuldigung für die entsetzliche Gutmütigkeit , mit welcher ich mich Ihnen zur Verfügung stellte . Ich glaubte mich für eine Buffoneria engagieren zu lassen , und nun finde ich mich als Arlecchino im fünften Akt einer Tragödie sondergleichen und hätte Lust , Sie , nein teurer capo della compagnia , auf eine Art dafür verantwortlich zu machen , die Ihnen für alle Zeit derartige Spekulationen verleiden müßte . « » Ich bitte Sie , Basil ! « rief der Edle mit gefalteten Händen . » Lassen Sie das nur , mein wertester Exbabbo ; aber danken Sie gehorsamst Ihren Göttern , daß meine Weltanschauung objektiv genug ist , um Sie wenigstens zu verstehen und deshalb milde gegen Sie sein zu können . Bei Ihrer Ehre , Sie haben nicht gewußt , daß Ihre Enkelin aus bloßem Eigensinn und Trotz unser lustiges Leben so tragisch nehmen würde ! Natürlich ! Sie waren mit Geschäften überhäuft , Sie hatten das Quadrilatère zu verproviantieren , und Sie wollten eben noch ein letztes Geschäft machen und verrechneten sich ein wenig . Sie dachten mit dem Strohmann zu spielen , und an seiner Stelle setzt sich der Tod an den Tisch ; und - nun sage ich Ihnen , bei meiner Ehre , Signor Pantalone , wenn mir etwas unsere Situation in einer eigentümlich fahlen Beleuchtung zeigt , so ist es die Art und Weise , in der mir dieses arme Mädchen den Korb gegeben hat . Es ist Schick darin , mein Bester . Und es ist Schick in diesem alten Herrn vom Blocksberg , diesem gespensterhaften Kavalier aus Thule , der uns alle mit einer Handbewegung über den Haufen wirft und dem ich unbedingt mein Kompliment in jeder Hinsicht zu machen habe . Wahrhaftig , ich bin heute ein guter Freund hören Sie wohl - , ein sehr guter Freund Antonias ; aber vor diesem süperben Greise streiche ich gern und willig die Flagge . Sie werden mich Verstehen , mein Bester , wenn ich Ihnen wiederhole , daß Fräulein Antonie heute nur einen bessern Freund hat als mich - daß ich mich als ihr Freund behaupten werde und daß Sie bei Ihrem fernern Vorgehen gegen die Signorina dieses wohl im Auge behalten werden ; denn ich würde unter Umständen dereinst Rechenschaft über die nächsten Wochen von Ihnen erbitten . Im übrigen empfehle ich mich jetzt . Man hat auf meinen Wunsch im Ministerium des Auswärtigen ausfindig gemacht daß eine Verstärkung unseres diplomatischen Apparats zu Konstantinopel durch meine bescheidene Persönlichkeit höchst wünschenswert sein werde . Nach den Erfahrungen der letzten Zeit kann mir nur ein längerer Aufenthalt unter einfachern Menschen und in gesunderen sozialen Verhältnissen einigermaßen wieder auf die Beine helfen - ich reise . Addio , mein Teuerer ; wir sind unwiderruflich geschlagen und haben uns , jeder in seiner Weise , mit den Siegern abzufinden . « Der Graf Basilides Conexionsky hatte niemals ein wahreres Wort gesprochen , und der Edle von Haußenbleib hatte noch niemals so scharf mit seinen Gefühlen abzurechnen als in den traurigen Wochen , welche dieser Unterhaltung folgten . - Sechsunddreißigstes Kapitel Wir sind am Schluß - wirklich am Schluß . Von neuem fällt der Schatten des norddeutschen Gebirges auf die Leute unserer Geschichte , welche an diesem Schluß das Rollen des schwarzen Wagens noch von ferne hören . Wir befinden uns auf dem Bahnhofe zu Halberstadt , und auf dem Bahnhofe zu Halberstadt wartet ein Wagen aus Krodebeck auf zwei Reisende , die eine telegraphische Depesche vorausschickten , der zufolge sie mit dem nächsten Eisenbahnzuge anlangen werden .