machen , doch die Sache ging mich schon damals nichts an und kann uns heute gar nicht mehr kümmern . Nachdem ich einige Tage gleich einem sewer-hunter , einem Kloakenjäger , auf eigene Faust gesucht und nichts gefunden hatte , blieb mir , da die Zeit drängte und meine Unruhe von Stunde zu Stunde wuchs , nichts übrig , als in Bowstreet auf dem Polizeizentralbüro meine Visitenkarte abzugeben und mir den Rat und Trost der dortigen Gentlemen zu erbitten . Tat also und fand ein geneigtes Gehör und williges Entgegenkommen . Man stellt mir einen ruhigen , schweigsamen Herrn vor und zur Verfügung , Inspektor Cuddler , den ich wohl noch längere Zeit auf einsamen Spaziergängen an meiner Seite zu haben glauben werde . Er zieht bedächtig die Handschuhe an , nimmt den Regenschirm unter den Arm , und wir treten zusammen in die Gasse , gleich zwei guten Freunden und würdigen Cockneys , die sich vorgenommen haben , einen freien Tag dazu zu benützen , den Löwen des Towers einen Besuch abzustatten . Wir wandern und wandern , aus dem Tage in die Nacht hinein , aus der Nacht in einen neuen Tag . Zu Fuß , im Omnibus , im Cab , auf Spuren , die verlöschen , stärker hervortreten und wieder Verlöschen - im Kreise , im Zickzack . Wir nehmen mit einem Händedruck Abschied voneinander und treffen am folgenden Morgen an einem verabredeten Platze von neuem zusammen . Aus Belgravia nach Saint Giles , von Pimlico nach Islington ! Wir halten Konferenzen und machen Notizen auf den Polizeistationen in Westminster , Marylebone , Southwark und Thames Street . Nichts , nichts ! Das Ding hätte für einen Amateur langweilig werden müssen : ich , welcher ich dieses Mal kein Amateur war , hielt aus , und Mr. Cuddler , der nichts anderes auf Erden zu besorgen zu haben schien , desgleichen . Wir warten an Straßenecken , in Kaffeehäusern , wir haben eine nächtliche Erscheinung am Haymarket unter den Babylonierinnen . Ein Herr steigt dort in ein Cab , und ich gebe meinem Inspektor einen Stoß . Wir haben nicht das Recht , den Herrn Friedrich von Glimmern zu verhaften , denn niemand erhob eine Anklage gegen ihn , und ich bin nicht deswegen über den Kanal gekommen ; aber ein Königreich für seine Adresse ! Wir werfen uns in ein anderes Fuhrwerk und instruieren den Kutscher : doch Erin ist natürlich wieder mal dreiviertel über Bord , will sagen total betrunken , strandet an einer Orangenbude , und ich gehe abermals getäuscht zum Teetrinken heim . Was soll ich Sie länger aufhalten , Freund Hagebucher ? Die Szene ist in Lower Thames Street , in dem dritten Stockwerk eines Hotels dritten Ranges : - Zeit : Mitternacht : - Wetter : regnerisch und windig . Das Haus ist in vollem Aufruhr : Mord ! schreit die Finsternis , und die police hat die von innen verriegelte Tür des Zimmers Nummer sechsundzwanzig erbrochen . Um elf Uhr hörte Mr. Thomas Giblets , der Bewohner von Numero fünfundzwanzig , den Gentleman nebenan heimkehren , doch nicht allein , und wurde seine - Mr. Giblets ' - Aufmerksamkeit nach einer Weile durch einen heftigen Wortwechsel erregt , welchem er , wie er sagte , im Anfange mit Behagen hinter seine Economist horchte . Er - Mr. Giblets - hatte ein mühevolles , verdrießliches Tagewerk zurückgelegt , und es trug - wie er meinte - zu seinem augenblicklichen Komfort bei , daß andere Leute ebenfalls allerlei verdrießliche Geschäfte abzuwickeln hatten , und er fand - wie er zu Protokoll gab - die Sache erst dann etwas extraordinary , als hinter der Wand plötzlich - fast gleichzeitig - zwei Pistolenschüsse fielen , der Fall von schweren Körpern diesen folgte und andere bedenkliche Töne sich vernehmen ließen . Das Haus lief zusammen , und gegen zwei Uhr zog der Inspektor Cuddler die Schelle an meiner eigenen Wohnung in Piccadilly . Ich stelle es Ihnen anheim , Carissimo , sich auszumalen , was ich in der Untern Themsestraße fand . Wir , die wir beide allerlei Schlachten und Gefechte der Menschen sahen und beide wohl dann und wann zwischen den Blutlachen standen ohne grade viel nach der Moral des Dinges zu fragen , wir behalten immer ein gewisses kitzelndes Gefühl für das Malerische , und malerisch war das Zimmer des Herrn von Glimmern in dieser Nacht . Sie waren beide von der Gasse heimgekommen und hatten ihre Angelegenheit in Frieden besprochen , nachdem der Leutnant Kind die Tür verschlossen und den Schlüssel aus dem Fenster geschleudert hatte . So friedlich , daß der sich ergebende Wortwechsel , wie gesagt , nur zur Erhöhung des Komforts des Stubennachbars beitrug . Und dann waren sie über den Tisch weg zu einem Verständnis und alle Differenzen beiderseits vollständig ausgleichenden Schluß gekommen . Man fand sie zu beiden Seiten des Tisches , die abgeschossenen Pistolen in der Hand ; man fand meinen Freund , Seine Exzellenz den Freiherrn Friedrich von Glimmern , tot , durch das Herz getroffen wie Alp , Venedigs Renegat , und man fand meinen Freund und Kameraden , den Exleutnant der Strafkompanie zu Wallenburg , Friedrich Kind , nicht ganz so gut getroffen , jedoch ebenfalls über alle fernern irdischen Widerwärtigkeiten hinausgehoben . Er hat noch eine halbe Stunde nach dem Aufbrechen der Tür gelebt und sich recht friedfertig , sanft und gelassen gezeigt . Auf dem Bette des Herrn von Glimmern ist er ruhig entschlafen , seit fünfzig Jahren der einzige wirkliche Soldat des Bundeskontingents , welches die Ehre hatte , ihn in seinen Reihen aufzuführen . Ich fand einen Citymissionär neben der Leiche , als ich mit meinem Begleiter anlangte . Der Mann hatte durch seinen Beruf vor vielen andern Menschenkindern Gelegenheit , kuriose Sachen zu sehen , und wer an dem faulen Stroh der Sterbenden von Bethnal Green und Spital Fields zu knien hat , der mag wohl ein Wort über die Mysterien des Todes mitreden . Ich gab