sich darin kaum das Notdürftigste an Wäsche , ihr Paß , der vor einigen Tagen in London ausgestellt war , und ein kleines Buch von der Nachfolge Christi , in welchem der Name Kunigunde Windeck stand . In diese Hände war Regina ' s fromme Gabe an Florentin geraten ! Tags zuvor in aller Frühe war aus dem Post-Omnibus , der zwischen Aschaffenburg und Miltenberg fährt , in diesem Städtchen ein junger Mann und eine junge Frau ausgestiegen , die man für Engländer hielt , denn sie sprachen englisch und trugen blaue Brillen . Er forderte ein Zimmer und Frühstück . Man hörte sie lebhaft , ja heftig sprechen - wohl eine Stunde lang . Dann ging der Mann fort und sagte zu der Magd in der Küche : wenn die Frau zu Mittag noch da sei , was er aber nicht glaube , so möge man ihr eine Suppe bringen . Sie war noch zur Mittagszeit da und die Magd brachte ihr etwas Essen . Sie lag auf dem Bette , hatte ihre blaue Brille abgelegt und die Magd bemerkte , daß sie furchtbar geweint habe . Gegen Abend ging sie aus und blieb ein paar Stunden fort . Als sie wiederkam , war es ganz finster und sehr kalt . Sie zitterte am ganzen Körper und begehrte Feuer im Ofen und einen Kasten voll Kohlen . Als die Magd das Feuer angezündet hatte und das Mittagbrot unberührt auf dem Tische sah , fragte sie , ob sie vielleicht warmes Abendessen bringen solle . Nein , war die Antwort , aber Bier ; ich verschmachte vor Durst , denn ich habe ein Fieber . Als die Magd das Bier brachte , dankte sie ihr und schloß die Türe hinter ihr zu . Am anderen Morgen um neun Uhr war es noch immer ganz still bei der Fremden . Die mitleidige Magd horchte , klopfte leise an und versuchte die Türe zu öffnen . Alles blieb still . Sie wurde ängstlich , lief zur Wirtin und bat diese , die Fremde zu wecken . Aber umsonst . Die Stille war so unheimlich , daß die Posthalterin den Schlosser rufen und die Türe sprengen ließ . Kohlendunst erfüllte das Zimmer , denn die Klappe des Ofens war zugedreht - und die Fremde lag tot auf dem Bette . Neben dem leeren Bierkrug lagen zwei Zwanziger auf dem Tische . Dies war das Ende der Wendelrose : Hoffart , die in Gemeinheit unterging ; zuerst der Rausch der Sinnlichkeit , zuletzt der Rausch des Biers ; - Schmach im Leben , Schmach im Tode . Abseits an der Kirchhofsmauer wurde sie in aller Stille beerdigt , und kein Priester sprach den Segen über ihrem Grabe . Als die Begebenheit bekannt wurde , erzählte ein Reitknecht : es sei an jenem Abend ein Frauenzimmer im Windecker Schloßhof erschienen und habe sich scheu umgesehen . Er habe sie für eine Art von Bettlerin gehalten und sie gefragt , ob sie den hochwürdigen Herrn zu sprechen wünsche . Nein ! habe sie gerufen , den Priester will ich nicht ! aber die Gräfin Regina ! Auf seine Antwort , daß diese abwesend sei , habe sie sich gleich entfernt . Eine Stunde später sei Gräfin Regina angekommen ; so daß er bei sich selbst gedacht habe : Schade , daß die arme Person nicht gewartet hat ! - Noch da , gleichsam in ihrer letzten Stunde , bot ihr die göttliche Barmherzigkeit Versöhnung und Gnade durch seinen Priester an . Der hätte sie grettet an Leib und Seele . Sie schlug ihn aus ; sie begehrte menschliche Hilfe ; als sie diese nicht fand - ging sie unter an Leib und Seele . - Florentin war verschwunden . Leichten Herzens ging er nach der Schweiz . Hatte er nicht das Äußerste für Rose getan und sie zurückgebracht auf die Schwelle ihrer Heimat , nachdem er sie dem Elend in New-York entrissen und seine Armut in London mit ihr geteilt ? Um welchen Preis , das brachte er nicht in Anschlag . Es war ja ihr Wille , ihre Leidenschaft für ihn , welche sie zu seiner Sklavin machten . Sie war ja glücklich durch ihn , so lange er sie liebte - und daß er sie nicht ewig lieben werde , hätte sie sich doch wohl vorstellen können . Er hatte ihr ja tausend Mal gesagt , das wahre Glück beruhe nur auf freiwilligen Verhältnissen und Neigungen und ersterbe in jeder Art von Zwang . Zwang des Herzens sei ein Verbrechen , ein Selbstmord , den der Mensch an seiner Liebe begehe ; und weil die Ehe diesen Zwang auf zwei Leute für immer werfe , die vielleicht nach sechs Monaten gründlich gleichgültig für einander wären : so müsse man die Ehe verabscheuen . Mit dem allen war sie einverstanden gewesen , so lange er sie liebte - und dann plötzlich nicht mehr ! Schwäche des weiblichen Kopfes , der jeder Logik unzugänglich ist , weil er von den falschen Schlüssen des Gefühls übermeistert und konfus wird , sprach Florentin zu sich selbst . Alle Frauen scheitern an ihrem Subjektivismus ! Zur hohen objektiven Anschauung und Beurteilung großer allgemeiner Verhältnisse , denen man sich mit voller Kraft und Begeisterung hingeben muß , erschwingt sich keine ! - nämlich keine Rosel . Die bleibt im Gefühl stecken .... und Punktum ! - Aber das Gewissen ließ sich nicht ganz übertäuben . Wer steckte denn tiefer im praktischen Subjektivismus , nämlich im Egoismus , als er ? In stiller Nacht , in den Augenblicken , welche dem Schlaf vorhergehen , wenn die geheimnisvolle Macht , die einen Riesen an geistigen und leiblichen Kräften in unsichtbare unwiderstehliche Fesseln schlägt , seine richtige oder falsche Logik durch das Einschlafen unterbrach : dann stiegen andere Bilder in Florentin ' s halbträumenden Gedanken auf . Ja ! ihre Leidenschaft hatte sie zu seiner Sklavin gemacht ; aber auf dem Bauernhof ihrer Eltern , auf dem Auswandererschiff , in dem Elend von