daß ich gern ungenannt bleiben möchte . « Sie entgegnete nichts auf diese Einrede , und da er noch einmal sich verbeugend Miene machte sich zu entfernen , sagte sie die Augen niederschlagend : » Nur noch eine einzige Frage : wie kam ' t Ihr zu dem Ringe , der meine Namensbuchstaben trug ? « » So hat ihn Euch doch der Jude Ezechiel gebracht , der ihn von mir forderte , « antwortete Ulrich , » da ich ihn nur gefunden , wo er ihn verloren . « Elisabeth versank in Nachdenken und fragte dann : » Ihr waret nicht wieder mit jenem Ritter zusammen ? - Wenn nicht er - sandtet Ihr den Juden zu mir ? « » Nie würde ich mich dessen unterfangen haben ! « betheuerte Ulrich ; » ich mag keine Gemeinschaft mit diesem Menschen , der wahrscheinlich auch nur an Euch sich drängte , um niedern Eigennutzes und irgend eines unsaubern Planes Willen . Nur nicht einen Solchen zum Vertrauten . « » Er hat sich nicht wieder zu mir gewagt , « sagte Elisabeth . Er sah sie forschend an . Hatte sie ihm den Juden gesandt oder nicht ? Er hatte es erst nicht geglaubt , weil er sie zu stolz dafür hielt , weil sie ihn selbst bisher nur wie einen Fremden behandelt - und jetzt war dieser Stolz ja plötzlich gewichen , jetzt redete sie zu ihm wie zu einem vertrauten Freund ; jetzt verrieth sie , daß sie wohl von ihm einen Aufschluß über den Ring hätte erwarten mögen und darum wohl eine Unterredung mit ihm begehren können - und dann erschien es ihm wieder unglaublich , daß sie ihn , wenn sie damals ohne Antwort von ihm geblieben , heute freundlich würde empfangen haben . Jetzt war der einzige Augenblick , wo er darüber , über sie selbst und den Juden zu einer Gewißheit kommen konnte - er mußte sie haben . » Ezechiel , « sagte er , » wollte mich selbst zu Euch führen - ihr zürnt mich nicht , daß ich seine Vermittlung zurückgewiesen ? « » Was sagt Ihr ? « rief sie , wessen hat der Jude sich unterfangen ? « » Ihr wußtet nichts davon ? « fuhr er fort ; darum hatte ich doppelt Recht , ihn zum Vertrauten zu verschmähen . « Elisabeth stand starr und forderte : » Jetzt müßt Ihr mir Alles sagen ! « » Ihr hab ' t Recht ! « sagte Ulrich ; » die Wahrheit über Alles - nur sie allein ist großer Seelen würdig und kann ihnen zum Sieg verhelfen wider alle Feinde , wider alle Fallstricke , die sie uns legen wollen , oder in die wir selbst uns verwickeln « - und er erzählte , daß der Jude noch einmal zu ihm gekommen und zum Beweis , daß es in ihrem Auftrag sei , jenes Titelblatt mit ihrer Unterschrift gebracht habe . » Ich vermißte das erst gestern ! « rief sie von Scham und Zorn gleich leidenschaftlich erregt . » Der schändliche Jude soll seine Frechheit büßen - ich werde wohl noch so viel Macht haben , einen Juden bestrafen zu lassen ; der Rath von Nürnberg sucht längst um die Erlaubniß nach , dies Gesindel aus der Stadt verjagen zu dürfen ; es sei meine erste Bitte an den König Max , er wird und darf sie mir nicht abschlagen . « Ulrich hatte wohl einen Zornausbruch Elisabeth ' s erwartet , um so mehr , als er von ihrer Unschuld überzeugt war ; aber er hatte nicht gedacht , daß er zuerst in Rachegedanken sich äußern würde - das hatte er nicht berechnet ! Er war hierher gekommen , weil er der Jüdin versprochen hatte , durch diesen Schritt ihr Volk vor der blinden Wuth des Pöbels zu schützen , und er überlieferte es der um so sicherer treffenden kalten Rache der Patrizier . Und er selbst war in dieses Ezechiel ' s Händen - aber Elisabeth war es auch . Er mußte sie daran erinnern . » Ich vermuthe nach Allem , « sagte er , » daß dieser Ezechiel und der Ritter von Streitberg Genossen sind , und daß es wohl gerathener wäre für den Rath von Nürnberg , sich jener frechen Straßenräuber zu bemächtigen , als wie das ohnedies ohnmächtige Judengesindel zu verjagen . « » Auch das wird geschehen ; « sagte Elisabeth das Haupt stolz zurückwerfend ; ich habe lange still geduldet und gelitten und gehofft , ich würde dadurch die Geduld jenes Räubers erschöpfen und seine Anschläge vereiteln ; ich habe im stillen christlichen Dulden ausgeharrt und einer höhern Hand die Rache überlassen - mich nicht an die Seite der Chriemhilden und Brunhilden stellen wollen , welche der Dichter der Nibelungen verherrlicht hat : aber immer auf ' s Neue gereizt , fühle ich , daß etwas von ihnen in jedem Weibe lebt , und daß der Himmel dem Weibe nicht nur die Bestimmung gab , zitternd zu dulden , sondern ihm auch das Amt der Rächerin vertraute ! « War das dieselbe Elisabeth , die vorhin , ein schönes , sanftes , vom Gefühl überwältigtes Weib sich über ihn geneigt und mit heißen Thränen seine Stirn benetzt hatte - sie , die er hingerissen den weinenden Genius der Liebe genannt ? Jetzt stand sie stolz aufgerichtet vor ihm , in der That eine zürnende Chriemhilde , die den Racheeid schwört und sich Streiter wirbt , ihn zu vollführen ; aus ihren Augen zuckten dunkle Blitze , die aufgezogenen Augenbrauen darüber erhöhten ihren drohenden Ausdruck , die eine Hand auf das Herz gelegt , die andere emporgehoben , glich sie einer beleidigten Göttin , die entschlossen ist , die Entweiher ihres Altars zu strafen und zu opfern . - In diesem Augenblick öffnete sich die Thür : Ursula und Charitas Pirkheimer traten ein , denen nun doch Elisabeth ' s Entfernung zu lange währte , die sie überall gesucht ,