weiter , und indem ich , mit den Gedanken schon weit auf dem Wege nach Hause , den Wein hinabschluckte , drehte ich ungeduldig mein Sammetbarett in der Hand und mochte kaum das Ende des Gottesdienstes abwarten , da es mich anfing gewaltig an den Füßen zu frieren und das Stillstehen sehr schwierig wurde . Als die Kirchentüren geöffnet wurden , drängte ich mich geschmeidig durch die vielen Leute , ohne die Freude meiner Freiheit sichtbar werden zu lassen und ohne jemanden anzustoßen , und war bei aller Gelassenheit doch der erste , der sich in einiger Entfernung von der Kirche befand . Dort erwartete ich meine Mutter , welche sich endlich in ihrem schwarzen Gewande demütig aus der Menge hervorspann , und ging mit ihr nach Hause , gänzlich unbekümmert um meine Genossenschaft des geistlichen Unterrichts . Es war kein einziger darunter , mit welchem ich in näherer Berührung stand , und viele derselben sind mir bis jetzt noch gar nicht wieder begegnet . In unserer warmen Stube angekommen , warf ich vergnügt mein Gesangbuch hin , indessen die Mutter nach dem Essen sah , welches sie am Morgen in den Ofen gesetzt hatte . Es sollte heute so reichlich und festlich sein , wie unser Tisch seit den Tagen des Vaters nie mehr gesehen hatte , und eine arme Witwe war dazu eingeladen , welche der Mutter manche kleine Dienste leistete und sich jetzt pünktlich einfand . Am Weihnachtstage wird immer das erste Sauerkraut genossen , und so wurde es auch hier aufgestellt mit schmackhaften Schweinsrippchen . Die Beurteilung desselben gab den Frauen einen guten Anfang zum Gespräche . Die Witwe war von ebenso gutmütiger als polternder Gemütsart ; als hierauf eine Pastete kam , schlug sie die Hände über dem Kopfe zusammen und versicherte , sie esse gewiß nichts davon , es wäre schade dafür . Den Schluß machte ein gebratener Hase , den der Oheim gesendet hatte . Diesen , ermahnte die Frau , sollten wir unangetastet lassen und auf den zweiten Feiertag versparen , es sei nun schon mehr als genug ; trotzdem aßen wir alle mit trefflichem Appetit und saßen lange bei Tisch , aufs beste unterhalten von der armen Frau , welche die Tischreden mit der Erzählung ihres Schicksales durchflocht und die Schleusen ihres Herzens weit öffnete . Sie hatte vor langer Zeit einmal ein Jahr lang einen nichtsnutzigen Mann gehabt , der in alle Welt gegangen mit Hinterlassung eines Sohnes , welchen sie mit großer Not so weit gebracht , daß er als Geselle bei Dorfschneidern sich kümmerlich umhertreiben konnte , während sie in der Stadt ihr Brot mit Wassertragen , Waschen und solchen Dingen verdienen mußte . Schon die Beschreibung ihres Mannes , des Lumpenbundes , wie sie ihn nannte , machte uns höchlich lachen , doch noch mehr das Verhältnis , in welchem sie zu ihrem Sohne stand . Während sie ihn als eine Frucht des Lumpenhundes mit der größten Verachtung bezeichnete , war derselbe doch der einzige Gegenstand ihrer Liebe und ihrer Sorge , so daß sie fortwährend von ihm sprach . Sie gab ihm alles , was sie irgend konnte , und gerade die Kleinheit dieser Gaben , die für sie so viel waren , mußte uns rühren und zugleich zum Lachen reizen , wenn sie die » Opfer « , welche sie fortwährend bringe , mit gutmütiger Prahlerei aufzählte . Letzte Ostern , erzählte sie , habe er ein rot und gelbes Kattunfoulard von ihr erhalten , auf Pfingsten ein Paar Schuh , und zu Neujahr hätte sie ihm ein Paar wollene Strümpfe und eine Pelzkappe bereit , dem miserablen Kerl , dem Knirps , dem Milchsuppengesicht ! Seit drei Jahren hätte er an zwei Louisdor nach und nach von ihr empfangen , der Säuberling , die elende Krautstorze . Aber für alles müsse er ihr eine Bescheinigung zustellen , denn , so wahr sie lebe , müsse ihr Mann , der Landstreicher , ihr jeden Liard ersetzen , wenn er sich nur einmal sehen ließe . Die Bescheinigungen ihres Sohnes , des Stuhlbeines , seien sehr schön , denn derselbe könne besser schreiben als der eidgenössische Staatskanzler , auch blase er die Klarinette gleich einer Nachtigall , daß man weinen müsse , wenn man ihm zuhöre . Allein er sei ein ganz miserabler Bursche , denn nichts gedeihe bei ihm , und so viel Speck und Kartoffeln er auch verschlinge , wenn er mit seinem Meister bei den Bauern auf Kundschaft gehe , nichts helfe es , und er bleibe mager , grün und bleich wie eine Rübe . Einmal habe er die Idee gehabt zu heiraten , da er nun doch dreißig Jahr alt sei . Da sie aber nun gerade ein Paar Strümpfe für ihn fertig gehabt , habe sie selbige unter den Arm genommen , auch eine Wurst gekauft , und sei auf das Dorf hinausgerannt , um ihm die saubere Idee auszutreiben . Bis er die Wurst fertig gegessen , habe er auch sich endlich in sein Schicksal ergeben , und nachher habe er noch auf das schönste die Klarinette geblasen . Er könne nähen wie der Teufel , so wie auch sein Vater nicht auf den Kopf gefallen sei und die besten Garnhäspel zu machen verstehe weit und breit ; allein es wäre einmal ein böses Blut in diesen verteufelten Burschen , und daher müsse der junge Säuberling im Zaume gehalten und mit dem Heiraten vorsichtig verfahren werden . Sie lobte das Essen unaufhörlich und pries jeden Bissen mit den überschwenglichsten Worten , nur bedauernd , daß sie ihrem Galgenstrick nichts davon geben könne , obschon er es nicht verdiene . Dazwischen brachte sie die Geschichte von drei oder vier Meisterfamilien an , bei denen ihr Söhnchen gearbeitet , die unschuldigen Zerwürfnisse mit denselben und lustige Vorfälle , welche sich in den Dörfern ereignet , wo Meister und Geselle geschneidert hatten , so daß die Schicksale einer großen Menge unser Mahl würzten , ohne daß diese etwas davon ahnte . Nach