gleich über Alle . « » Heißt das gleich richten über Alle , so Ihr die hochstehen und edel vor dem Volke , schlachtet und hängt wie seinen Auswurf ? Der Fürsten Blut und Macht ging aus dem deutschen Adel hervor , und auf den Adel müssen die Fürsten sich lehnen , wenn sie bestehen wollen vor dem Volke . Das trug mein Herr auf , seinem Neffen zu sagen , den er der Vormundschaft entließ , weil er ihn für mündig hielt . Soll er Kaiser und Reich wieder angehen , daß sie ihm die Regentschaft , nach der der fromme Fürst nie getrachtet , wieder zurück geben , weil , der sie führt , vergißt , daß er hier ein Exempel giebt , so allen Fürsten zum Schaden ist ? Welcher Fürst den Adel nicht achtet , achtet sich selbst nicht ; welcher des Adels Ansehen vernichtet , vernichtet sein eigenes , er untergräbt die heiligen Satzungen , auf denen alles Regiment ruht , er wüthet gegen sein eigenes Blut , er beschimpft sich selbst , denn er ist nur ein deutscher Edelmann , der glücklicher war als die andern . Weil aus einem Dienstmanne ein Herr ward , soll er nicht vergessen der Mannen , die seines Gleichen sind an Blut und Abkunft , so spricht mein Herr durch meinen Mund . « Der Graf von Giech hatte vielleicht erwartet , daß der Kurfürst aufbrausen , gewiß , daß er an Otterstädts Frevelthat mahnen werde . Aber Joachim ließ ihn ruhig ausreden , und ruhig , fast lächelnd , hat er geantwortet : » Ihr irrt , Herr Graf von Giech ; sagt meinem theuren Ohm , ich habe kein adlig Blut vergossen . Die ich dem Henker überliefert , waren Schelme , Straßenräuber und Mörder.1 Den Adel achte ich so hoch , als nur ein Fürst , sagt das meinem erlauchten Ohm ; meldet ihm aber auch , daß ich in den Jahren , seit er mich nicht sah , gewachsen bin . Ich ward so groß , daß ich jetzt allein gehen kann , und mich auf Niemand mehr zu stützen brauche . Die Fürsten beklage ich , die so schwach vor ihrem Volke sich fühlen , daß sie den Adel als Krücken benutzen . Im Uebrigen , was Rechtens ist , so meldet ihm auch , daß ich in meinen Feierstunden nicht umsonst in rechtsgelehrten Büchern lese . Ich fand daraus , daß das Recht in den Marken ein anderes ist , als in Franken . Daher mag der Irrthum kommen , der meinen Grafen von Giech zu der weiten , beschwerlichen Reise nöthigte , die ich sehr bedaure . « Der Abgesandte , der vorhin um einen Kopf höher schien als der Fürst sah jetzt fast kleiner aus : » Jetzt kein Wort mehr ! « flüsterte ihm ein Brandenburger Herr zu . » Heut ist alles verloren . « - » Er ist fürchterlich in seiner Heiterkeit , « erwiderte der Graf , der nun seinen zweiten Auftrag : daß wenigstens von jetzt ab kein adliges Blut mehr vergossen werde , auf einen anderen Tag verschob . Und wie er heiter umherging , mit so vielen sprach ! Von geringfügigen Dingen , als beschäftigten sie allein die Seele . Den Hofleuten ward unheimlich : » So sahen wir ihn nimmer . « Ihnen war wohl , als er sie entließ . » Es ist gar keine Hoffnung ! Was soll daraus werden ! « sprach Einer zum fränkischen Abgesandten . Der Graf schüttelte den Kopf : » Und doch hat er Recht , die Luft ist hier anders als im Reiche . Wer hier bauen will , muß andere Fundamente legen und anders richten , das kann ein groß Gebäude werden ! Wir , die wir leben , sehen es freilich nicht mehr . « » Was wird ' s werden , « brummte ein verdrießliches Gesicht . » Alles wird schlimmer und gemeiner . So die Edelleute nicht mehr auf die Straße sollen , wird sie dem Gesindel gehören , das keine Ehre und Sitte kennt , und vor dem Alle gleich sind . Schneider und Landsknechte und Roßkämme werden im Graben liegen , und das arme Volk schatzen , man spricht schon viel von dem Roßkamme Kohlhas ; wollen doch sehn , ob sie die Zeiten dann loben thun . « Da drückten viele dem Sprecher die Hand und schüttelten den Kopf : » Er hat Recht , es kommen schlimme Zeiten . « Der junge Kurfürst saß mit lächelndem Gesicht in seinem Zimmer , und doch lag in den Augen etwas , das Hans Jürgen erschreckte , ein Glanz , der ihm nicht von dieser Erde schien , aber ob er vom Himmel kam , das wagte er sich nicht zu sagen . » Die sind alle nicht Lindenbergs ! « hatte Joachim vor sich gesprochen . » Ich stünde allein , meinst Du , nicht vollbringen könne ich ' s , was ich begann ? O matter , schwacher Nachhall des Einen ; aber auch sein Schatten ward ehrerbietig vor der Macht , die über mir schwebt . Ich will ' s vollbringen , ich werde es . Ich bin mir selbst genug . Denn unter einem Höhern stehe ich . Er wird die Spitzen der Dolche , die Bolzen aus dem Hinterhalte , die Kugeln aus dem Rohre von mir ablenken . Der ist ' s , der Dich an mich gesandt . Sei mein treues Werkzeug , aber nie bilde Dir ein , mehr zu sein . Er wird auch ferner seine Engel herabsenden , und mit Weisheit mich umleuchten . Ich brauche Diener , aber keine Räthe . Plaudern will ich sie hören , in ihrer Art ; mein Rath bin ich selbst . « Und wenn er aufgestanden und an einen Tisch mit Himmelskugeln und astronomischen Instrumenten getreten , wo Joachim mit seinem Hofastrologen , dem berühmten Carion , zu arbeiten pflegte . Die