einem edeln Stolze unterstützt , würdig genug hervor . » Laßt Ihr noch das Wiegenlied ihrer Hoffnungen , womit sie sich jeden Abend selbst einsingt , « - fuhr sie finster hinstarrend zu Lesüeur fort - » seht , wie sie heiter aussieht - Nichts kann ihr mehr begegnen , glaubt sie - sie ahnt auch nicht einmal , daß es etwas zu fürchten für sie giebt ! Daß ein Mensch zu Zweien sein kann , wie der gottlose Herr Graf , daß er hier ihr Grab ausschmücken kann mit seinem goldnen Tand und doch ihr Herz brechen will und seinen Weltgötzen dienen , davon weiß sie nichts ! Und wer möchte es ihr sagen ? Gott wird die Stunde wissen , die sie bricht - aber auch jene mit dem schrecklichsten Fluche der Menschheit Beladenen zu jeder Qual der Hölle verdammen wird , die Gott dem erwachten Gewissen vorbehält ! « - Nach der Vollendung des ersten Bildes erkrankte Lesüeur bis zum Niederliegen . Fennimor theilte Emmy ' s Pflege persönlich , so viel es ihre Lage ihr erlaubte , und rastete besonders nicht , für seine Seele zu sorgen ; da die Krankheit mit ihren trüben Schleiern und den bittern Tropfen , die sie dem kranken Blute beimischte , wieder nieder zu werfen schien , was Fennimor in ihm schon aufgerichtet glaubte . Was Beide da eintauschten , war nicht von gleichem Werthe . Das Leiden machte den von der Welt und ihren egoistischen Berechtigungen verwirrten Lesüeur rücksichtsloser in seinen Aeußerungen . Er wünschte den Zustand seiner Seele , den sie so ernsthaft tadelte , durch die Schilderung der Versuchungen zu entschuldigen , welche die Welt ihm geboten ; und so rollte sich bei seinem Eifer , sie von der Schwierigkeit , sich rein zu erhalten , endlich zu überzeugen , ein Bild dieser Zustände vor ihr auf , das sie in seiner verderbten Ausdehnung kaum zu fassen vermochte . Zu spät erkannte er an ihrem maaßlosen Schmerze darüber , was er verbrochen , und bestrebte sich nun um so aufrichtiger , durch seine eigne Hingebung an ihre Ermahnungen , ihre Seele zu trösten und zu erquicken . Doch vermochte er nicht mehr ihre bis jetzt in harmonischem Gleichgewichte schwebende Seele von dem herben , schmerzlichen Nachdenken zu befreien , in welches der erste unausgleichbare Widerspruch der innern Welt zur äußern , die Seele in der Jugend versenkt . Nur ihre glaubensvolle Festigkeit erhielt sie und richtete sie wieder auf ; - und endlich war sie sicher und einig darüber , daß vielleicht nur kurzsichtige Menschen diese Erscheinungen böse fänden , und Gott , der die Herzen sieht , allein wisse , ob sie so Viel verschuldeten , als es den Anschein habe . » Sieh ' « sagte sie , » wenn ich nehme , als welch ' ein böser Sünder Du Andern hast erscheinen müssen , so kann ich mich recht daran beruhigen , da Dir Gott doch dabei so viel Reue und so viel Gutes erhalten und Dir die Gnade , ein Künstler zu sein , nicht entzogen hat , vielmehr Dein Herz innerlich immer in Wehmuth schweben blieb über Dein äußerliches Verschulden . So wird es nun überall sein ! Wir müssen nur immer bedenken , daß Gott Alle gleich liebt , Alle seine Kinder sind - da weiß er also als Vater , wo es ihnen steckt , wo er sie heimsuchen muß - und wir dürfen eigentlich gar nichts dabei haben , als still zusehen , wie er sie leiten wird , und müssen sie lieben , bloß darum , weil sie zu Gott gehören . « Lesüeur staunte mit wahrer Andacht dies lebhafte Bedürfniß Fennimor ' s an , das Böse zu annulliren . Er hatte das Gefühl der Jugend vergessen , das sich von jedem Eindrucke frei zu machen sucht , der dem Glücke widerstrebt , den Menschen vertrauen zu können ; - und als er sie auf diesem Wege wieder zur Heiterkeit zurückkehren sah , glaubte er , der Himmel müsse ihr Leben behüten und beglücken , eine solche Frömmigkeit zu belohnen . Wir werden daraus die Stimmung erklärt finden , in der Lesüeur nach seiner Genesung und nach Vollendung beider Bilder bei Leonin eintraf , und die eben so schnell gefaßten Hoffnungen , derselbe werde ihr gerecht werden . Nach Lesüeurs Entfernung hätte die Einsamkeit auf Ste . Roche hervortretender scheinen können ; - aber Fennimor glitt mit dem süßesten Lächeln heimlicher Lust über den blumigen Rasen , durch die lichten Schattengänge , und war in ihrem geheimen Einverständnisse nicht mehr allein , sondern von tausend unnennbaren Freuden umgaukelt , als ob Engel vom Himmel zu ihr niederstiegen zu Spiel und Scherz ! Sie hatte sich lieb und hielt sich hoch und stellte sich im Geiste hin vor Leonin als die reichste und schönste Gabe , die sie nun so sicher durch sich für ihn bereitet glaubte . Dann stieg sie in das Thal hinab in das kleine Haus des Vikars , wo Veronika , die stille nonnenhafte Jungfrau , in Schönheit und Jugend prangend , neben dem jugendlich rüstigen Vikar waltete . Wenn die Geschwister sie daher kommen sahen , schwebend fast und leise und vorsichtig , als behütete sie einen Schlummernden und sie Beiden die schlanke weiße Hand reichte , und das Engelslächeln und der leuchtende Blick auf Beide ihnen immer wieder aufs neue ihr Glück erzählte - immer wieder die neue Antwort der Anerkennung zu begehren schien , dann sagte der Vikar oft , wenn sie wieder heim gegangen : » zur heiligen Jungfrau wird immer noch die Frau , die ihre Umwandlung als eine göttliche Verkündigung seiner heiligen Gemeinschaft empfindet ! « Gewiß war es , sie hatte fast keines Menschen nöthig ! Sie war gern bei den Geschwistern und bei Emmy Gray - aber lieber fast noch mit sich allein , und selbst Leonin hatte nicht mehr den ersten Platz ; » denn , « sagte sie zu sich , » Gott hat