Juda ist von jenem Glück des freien Daseins ausgeschlossen . - Ich gehe zurück nach dem Orient , nach Syrien , nach Jerusalem ! Theilen Sie diese Zeilen Ihrem Freunde Bardeloh mit . Der Maskenzug muß unterbleiben , wenigstens kann der angeordnete nicht Statt finden . Ich mag und kann nach dem Geschehenen keinen Theil daran nehmen . Die Kraft zu verschwenden an der lächelnden oder gähnenden Ohnmacht ist Thorheit . Hüten wir uns also vor den Folgen dieser Thorheit . In wenig Tagen verlasse ich Deutschland und Europa . Nur meine Tochter will ich noch bestatten , d.h. ich werde sie durch Specereien der Verwesung entreißen . Sie soll im Boden ihrer Väter ruhen . Ehe ich scheide , sehe ich Sie noch . Mardochai . « Nach diesem Geständnisse schweige ich , weil Niemand berechtigt ist , zu sprechen , wo der Geist Gottes selbst so sichtbar die fertigen Netze der Menschen zerreißt . Darum also häufte Bardeloh Masken und Larven in seiner Wohnung auf und wühlte sich allnächtlich ein in die blutigen Träume seiner wirren Gedanken ? Nun fasse ich auch seine Wuth bei meinem unvermutheten Eintritte in sein Kabinet , seinen Apparat von Dolchen und andern Waffen , seinen ganzen Kirchhofs- und Beinhauspomp ! Gottlob , daß der ungeheure Plan in sich selbst zerfiel , obwol ich glauben möchte , ein solcher Stoß würde nicht erfolglos unser wankendes Leben berührt haben . Fastnacht , in der Dämmerung . So eben ist Casimir ' s Leichnam in Bardeloh ' s Wohnung geschafft worden . Mir bangt vor dem Tage ; der Pöbel ist unruhig ; die Freuden der Fastnacht tragen noch mehr dazu bei und ich muß bekennen , daß ich nicht ohne bange Besorgniß dem Abende entgegensehe . Bardeloh hat Mardochai ' s Brief gelesen . Ich war zugegen , es malte sich ein furchtbarer Kampf auf Richard ' s Mienen . Lange Zeit sprach er kein Wort , er maß mit großen Schritten das Zimmer , sann , runzelte die Stirn , sprach dumpf vor sich hin und ließ zuweilen den niederschmetternden Hohn um seine feinen Lippen spielen , der diesem Mann das Aussehen eines idealen Dämon gibt . » Haben Sie den Brief aufmerksam gelesen ? « fragte er mich endlich . - Ich bejahte . » Nun was meinen Sie denn zu unserm Plane , denn nun Mardochai seine Humanität so weit getrieben hat , steht es mir wol auch frei , Ihre Ansicht darüber zu hören . « In wenig Worten sprach ich mich frei darüber aus und verhehlte gar nicht meinen Widerwillen gegen so verzweifelte Mittel . » Sie haben die Gespräche vergessen , « erwiederte Bardeloh , » die wir bei unserm ersten Begegnen auf dem Dampfboote führten . Wissen Sie nicht , daß ich damals sagte , ein halbjähriges Zwingen der europäischen Menschheit zum Tode oder zum Handeln sei die alleinige Rettung für sie ? « » Dies Alles weiß ich recht wohl , « versetzte ich , » doch bin ich auch noch heut der Meinung , daß ein solches Handeln wol vorübergehend eine That erzwingen , ihr aber nie jene heiligende Flamme einhauchen würde , ohne welche jede Unternehmung nur ein Schritt weiter zum Untergang ist . « » Und deshalb wollen Sie nach Amerika gehen ? « warf Bardeloh ein . » Aus Lebensmuth , nicht aus Todesfeigheit . « » Nun ja , der Eine nennt es so , der Andere so ! - Wann gedenken Sie Europa zu verlassen ? « » Sehr bald ; nur Mardochai ' s Abreise und Casimir ' s Bestattung will ich noch abwarten . - Begleiten Sie mich , nicht mir zu Gefallen , Ihrem Weibe , Ihrem Sohne zu Liebe ! « » Hm . Vielleicht ! « Bardeloh machte wieder ein paar Gänge durch ' s Zimmer , und ließ die Tapetenthür aufspringen . » Wie gefällt Ihnen jetzt mein Studirzimmer ? « In der Nische standen die Todtenköpfe wie immer , auf dem obersten lag eine vielfach versiegelte Rolle . Ich schwieg und beobachtete scharf Richard ' s Mienenspiel . » Mit diesen Boten des Hasses , « fuhr Bardeloh fort , auf die Rolle deutend » glaube ich heut mein Testament verkündigen zu können . Der Zufall hat es anders beschlossen . Sei ' s darum ! « Ruhig ließ er die Tapetenthür wieder in ' s Schloß fallen . Ein abermaliger Gang durch ' s Zimmer gab seinen Gedanken eine andere Richtung . » Sigismund , « sagte er und ergriff mit herzlichem Druck meine Hand , » da dieser Gedanke zur Bekehrung der Welt , an den ich doch mein ganzes Leben hingegeben habe , auf eine so verrückte Art und Weise vernichtet worden ist , so bitte ich Sie , thun Sie mir einen Gefallen . Wollen Sie ? « » Von Herzen gern . « » Genug ; nur keine langen Betheuerungen ! Uebermorgen wollen wir Casimir ' s Leiche bestatten . Ich traure um ihn so gut , wie um meine Nichte , Mardochai ' s Tochter . Ich könnte Ihnen noch mehr darüber sagen , aber wozu ? Es kann uns Beiden nicht weiter helfen . Aus dem Maskenzuge wird nichts , das ist so gut als entschieden . Die Bevölkerung aber verlangt einen Scherz . Sie mag ihn haben . Ich mache einen Anschlag am Gürzenich und lade , so viel deren Raum haben , auf heut Abend zu einem Souper in mein Haus . Es mag dieses Gastgebot zugleich Ihre , meine , unser aller Abschiedsmahl , das Abendmahl der Zeit sein , wenn Sie wollen . Aber ich bedinge mir aus , daß Jedermann schwarz gekleidet erscheine ! Wir feiern auch ein Todtenfest . Gehen Sie zu Mardochai ? « Ich verneinte es . » Es ist auch besser , « fuhr Mardochai fort , » ich werde ihm ein paar Zeilen schreiben und ihn ebenfalls nochmals zu mir einladen . Casimir ' s Leiche