antwortete Lamprecht , » nur kommt es darauf an , wie wir dieses höchst wichtige Versprechen erklären , damit es nicht selbst der Sünder zu seiner Rechtfertigung brauche ; denn das Böse in uns ist gar listig , und versteht es , sich mit Redekünsten und hell schimmernden Trügnissen zu waffnen . Sie mögen , werter Freund , am Ende nicht unseres Bündnisses bedürfen ; aber ich , der Schwache , Hinfällige , würde ohne dasselbe alles Trostes , aller Stütze beraubt . Ach ! lieber Mann , Sie nannten , als Sie uns von Ihren Reisen erzählten , auch Tirol , mein vielgeliebtes Vaterland . Nach jenen schönen Bergen sieht das Auge meines Geistes immerdar zurück , und selbst Religion und Schrift können mir in manchen Stunden keinen Trost darüber geben , daß ich diesen unersetzlichen Verlust habe erleiden müssen . Ich begreife die Menschen nicht , deren es doch so viele gibt , die freiwillig ihr Vaterland verlassen , und nachher in der Fremde nichts vermissen . Oh , wenn ich nur wenigstens einmal als durchwandernder Gast dahin wieder kommen , mit Tränen und nassen Augen nur einmal meinen Abschied nehmen und es anblicken dürfte ! « » Wie kommt es denn « , sagte Leonhard - » Ich habe Vertrauen zu Ihnen « , fuhr jener fort , » und so mögen Sie denn erfahren , was ich sonst immer verschweige ; denn ich weiß , daß Sie mein Geheimnis nicht verraten werden , da wenn es bekannt wird , ich noch jetzt vielen Verdruß , ja wohl Unglück dadurch erleiden würde . Ja freilich drückt mich ein Verbrechen , oder nennen wir es , wenn wir milde sein wollen , Leichtsinn , aber einen bösartigen der übermütigen Jugend . In einer der schönsten Gebirgsgegenden von Tirol bin ich geboren und erzogen , natürlich in der katholischen Religion . Meine Eltern waren in jener Stadt reich zu nennen und starben früh , so kam ich als Mündel zu einem sehr redlichen Vetter , der meine Erziehung und die Verwaltung meines Vermögens übernahm . Ich konnte dort recht glücklich sein , im Besitz meiner Acker und Weinberge , in den Wäldern , auf der Höhe der Berge jagend , mich der Natur erfreuend , von Verwandten und vielen Menschen geliebt und geachtet . Und warum erfüllte sich diese Hoffnung nicht ? Weil ein Zwerg in demselben Städtchen lebte , eine sonderbare Kreatur , die um zweier Sachen wegen merkwürdig war . Das erste war seine Riesenstärke . Darum half er Weinschrötern und Weinhändlern , und war bei diesen Leuten sehr gern gesehen , die ihn für die Hülfe , die er leistete , gern beköstigten und kleideten , denn mit Geld wußte er nichts anzufangen , so blödsinnig wie er war . Es war zum Erstaunen , und man traute seinen eigenen Augen nicht , wenn man dabeistand , wie der ganz kleine Knirps , der nicht höher als vier Fuß war , ein ziemlich großes Faß voll Wein , was zwei Männer mit Mühe und Kunst aus dem Keller und auf den Wagen schroten mußten , so mir nichts dir nichts auf seine Schultern nahm , damit die Treppe hinaufstieg , es auf den Wagen legte , oder , wenn es sein mußte , es über die Straße nach einem andern Hause hintrug . Deswegen nannte man das Kerlchen auch nur den kleinen Simson . Sonderbar aber , daß er diesen Namen , der doch ein Lob war , durchaus nicht leiden konnte , und hiebei , sowie bei vielen andern Dingen , zeigte sich die zweite Merkwürdigkeit des kleinen Wesens , nämlich eine außerordentliche Bosheit und Schadenfreude . Darum ging ihm auch jeder gern aus dem Wege , und ein alter Priester in unserer Stadt war der Meinung , ein böser Geist regiere und hantiere in dem kleinen Unhold . Rief ihm nun ein Bursche nach : Simson ! oder ein anderes Wort , das er nicht leiden konnte , so stellte er sich ganz ruhig hin , als wie im Traum , oder in Dummheit , kehrte sich dann , schnell wie der Blitz , um , griff den Bengel und zerarbeitete ihn mit seinen Riesenkräften ganz unbarmherzig . Übrigens schien der Verwahrlosete fast gar nichts zu begreifen ; es war auch , als wenn er nicht sprechen könne , denn er redete nur sehr selten , und wenn es geschah , immer nur wenige Worte , die oft gar keinen Zusammenhang miteinander hatten . Seine Stimme war von einer Art , daß ich sie nicht beschreiben kann : so widerlich durch die Nase , so geklemmt und fein gurgelnd , so schnarzend , oder , wie soll ich es nennen ? daß es wirklich keine Freude war , ihm zuzuhören , wenn er einmal zu reden anfing . Da der böse Zwerg schon einigemal junge Leute beschädigt und ihnen recht schlimme Verletzungen beigebracht hatte , so war es natürlich , daß die Jugend des Ortes fast ohne Abrede , ein Bündnis gegen den kleinen Simson geschlossen hatte , und ihm so viele Possen spielte , als sie nur ersinnen konnte . Wie nun aber in dem Zwerge überhaupt keine Vernunft war , so hatte er sich auch ein ganz unsinniges Spielwerk ausgedacht . Er schlief fast gar nicht ; sobald Mondschein eintrat , war er noch mehr alert und auf den Beinen . Dann schleppte er alte Fässer auf die Höhe des Berges hinauf , trug Wasser hin und scheuerte und hantierte die ganze Nacht , daß ihm der Schweiß vom Gesichte triefte , und er müde und ermattet dann zurückhumpelte , worauf er in einen festen Schlaf fiel . Es kann wohl sein , daß sein Körper dieser Anstrengung bedurfte , denn nachher war er besonders vergnügt . So trieb er es fast immer , solange der Mond schien , und die Eigentümer ließen ihn auch in seiner Dummheit gewähren , weil er ihnen die Tonnen immer wiederbrachte . - Einstmals kam ich