ganze Sammelgeschäft aus Spekulation getrieben , und wußte , bei seinen Sachen stehend , anfangs durchaus nicht , wie er sich bei jenen Hymnen zu verhalten habe . Endlich merkte er deren äußeren Schall sich zu eignem Gebrauche ab , und gab , wenn darin eine Pause entstand , den hohen Ankaufspreis der Bilder , in dem nämlichen schwärmerisch-verzückten Tone fortfahrend , an . Auf einmal , ohne daß man sich dessen versehen , wurde bekannt , daß die Sammlung für die Nationalgalerie angekauft sei . Das Erstaunen über diesen Entschluß war sehr groß . Die unterrichtendsten Prachtstücke jenes Besitztums hätte jeder gern in den neuen Hallen gesehen , das Ganze aber schien außer allem Verhältnisse zu dem Zwecke der Anstalt zu sein . Die Köpfe mühten sich ab , den Grund jener befremdenden Entscheidung aufzufinden , und in Ermanglung der Wahrheit behalf man sich mit ziemlich unglaublich klingenden Gerüchten . So hörte Hermann erzählen , Medon habe einen starken Einfluß auf die Sache ausgeübt . Auf geschickte Weise sei von ihm Madame Meyers Enthusiasmus in das Spiel gezogen , und sie selbst bestimmt worden , einem angesehnen , ihr leidenschaftlich zugetanen Manne , der in dieser Angelegenheit das Votum besaß , sich gefälliger und geneigter zu erweisen , als früherhin . Der Staatsmann , ganz beglückt über die ihm aufgehende Liebessonne , habe in einer schwachen zärtlichen Stunde dem Andringen seiner Freundin auf Erwerbung der alten Kunstschätze nicht widerstehen können , und so sei durch das Herz hier ein Ankauf vermittelt worden , gegen welchen der Verstand des Staatsmanns sich eigentlich gesträubt habe . Hermann maß diesen und ähnlichen Einflüsterungen keinen Glauben bei . Zwar hatte er wirklich in der letzten Zeit lange vertrauliche Gespräche zwischen Medon und Madame Meyer bemerkt , und eine Annäherung ihrerseits an den sonst ziemlich kühl von ihr behandelten Staatsmann wahrgenommen , aber jenes intrigierende Benehmen widerstritt zu grell seiner Meinung von Medon , welche von Tage zu Tage günstiger ward . Auch hatte sich Medon einmal sehr kräftig gegen die Spielerei mit längst verschollnen Empfindungs- und Auffassungsweisen ausgesprochen , und die Liebhaberei der Madame Meyer geradezu eine Buhlschaft mit geputzten Leichen genannt . Wie sollte er also darauf gekommen sein , jetzt wider seine eigne Überzeugung zu wirken ? Etwas Gutes hatte der Ankauf der alten Bilder ; der Zank der Gelehrten war sofort geschlichtet . Die Sammlung , als Ganzes erworben , sollte als ein solches zusammenbleiben . Verfuhr man nun aber , wie man mußte , nach dieser Bestimmung , so nahm sie den bedeutendsten Teil des zugemeßnen Raumes hinweg , und das andre war , ohne daß mehr sonderlich auf die kritisch-archäologischen Streitigkeiten Rücksicht genommen werden konnte , unterzubringen , wie es sich eben schicken und fügen wollte . Hermann , der von allem dem , was sich um ihn , und in ihm bewegte , schon nichts mehr gern unbesprochen mit Johannen ließ , hatte auch sie einstmals um ihre Meinung von diesen Dingen befragt . Sie versetzte : » Wenn ich das Museum zu ordnen hätte , würde ich bald fertig werden . Ich hinge die liebsten Bilder , die mir Tränen der Rührung oder des Lachens in die Augen treiben , in das hellste Licht , und es würde mir nicht darauf ankommen , ob eine Himmelskönigin sich neben einer Schenke voll Bauern befände . « » Aber die Geschichte ! die Kunstgeschichte ! « rief Hermann . Johanna lächelte und sagte : » Es muß wohl etwas daran sein , weil ich so viele kluge Männer davon reden höre . Nur sehe ich sie auf ihrem Wege mitunter dahin geraten , daß sie über die Wiege und den Taufschein das Kind vergessen . Wenn ich meine gute Meyer betrachte , und wahrnehme , wie sie ihr schönes Vermögen in lauter Dingen vergeudet , von denen das wenigste einem gesunden Sinne eigentlich Vergnügen machen kann , so möchte ich glauben , daß mindestens für uns Frauen die Kunst nur die Geschichte hat , welche sie in der Gegenwart erlebt , wenn auf ihre Wunder der Blick einer reinen Seele fällt . Indessen lassen Sie uns von diesem Gegenstande abbrechen . Das Schöne will nicht beredet , es soll gefühlt werden . Ich kenne nur ein Gespräch , welches noch unnützer ist , als das über Bilder , und das ist das über Musik . « Fünftes Kapitel Medons Kreis verarbeitete währenddessen ein Thema von großer politischer Wichtigkeit ; das Verhältnis der neu erworbnen Provinzen zu dem Haupt- und Stammlande . Man hatte nicht ungeschickt den Staat mit zwei auf dem festen Lande ausgesäten Inseln verglichen , und dieses Gleichnis war insofern von moralischer Bedeutung , als dessen beide durch weite Strecken auseinandergehaltne Teile nach ersiegter Ruhe sich gegenseitig schroff insularisch abzuschließen drohten . Diesen Krieg im Frieden zu schlichten , und eine Verschmelzung des Gemeinwesens herbeizuführen , war nicht bloß das Geschäft der mit Lösung der Aufgabe unmittelbar beauftragten Staatsmänner , sondern die Sorge jedes einsichtigen Patrioten , und Medon schien sich hier in seinem eigentlichen Felde zu bewegen , während er andern Gegenständen der menschlichen Betrachtung oft mehr nachgiebig und geschickt , als wahrhaft und aufmerksam folgte . Die Meinungen , wie das Neue zum Alten zu stellen sei , waren sehr mannigfaltig , doch konnte man drei Hauptrichtungen unterscheiden . » Wir haben erobert « , so ließ sich ein Mann von entschloßner Gesinnung zu öfterem vernehmen , » warum zögern wir also , nach dem unter allen Völkern und zu allen Zeiten üblich gewesenen Eroberungsrechte zu verfahren ? Der Sieger gibt seine Einrichtungen , seine Gesetze , ja , wo Verschiedenheit der Sprache obwaltet , nicht selten auch diese dem Besiegten . Der Sinn aller Kriege und Umwälzungen ist nur der , daß die den Völkern zugeteilten Fähigkeiten und Eigenschaften nach der Reihe im weiteren Kreise herrschend werden , und den Gang der Ereignisse bestimmen sollen . Auf solche Weise wird die in der einen Richtung müde gewordne Welt durch eine andre erfrischt ,