die Nothwendigkeit des Ersparens angegeben , weil das Vaterland so vieler Opfer bedürfe , und er bemerkte oft , daß es ein peinliches Gefühl sei , sich unnütze Ausgaben zu erlauben , indeß , sagte er , unser erhabenes Königshaus ein so edles Beispiel des Entsagens giebt . Es war dieß gewiß die innere Empfindung des Grafen , aber er benutzte die Gelegenheit auch gern , sich von dem Umgange mit dem benachbarten Adel zurück zu ziehen , denn es war ihm nicht unbekannt geblieben , wie viele Gespräche über seine Gemahlin der unangenehme öffentliche Auftritt zwischen derselben und ihrem Bruder bei dem Friedensfeste des Baron Löbau veranlaßt hatte . St. Julien theilte dem Grafen den Brief seiner Mutter mit , und beide Männer sahen seufzend ein , daß die Trennung nothwendig und nah sei . Der Graf gestand sich trauernd , daß er die Lücke nicht auszufüllen vermöchte , die durch des jungen Mannes Entfernung in seinem Herzen entstehen würde , aber er verschwieg diesen Kummer , und so waren Alle scheinbar heiter und Jeder suchte dem Andern den Schmerz über die nahe Trennung zu verbergen , um die letzten Stunden des Beisammenseins in ungetrübtem Frohsinn zu genießen . IX Es war ein schöner Sonntagnachmittag im Herbste des Jahres achtzehnhundert und sieben , als der Doktor Lindbrecht nach einem mäßigen Spaziergange seinen Freund , den Pfarrer , besuchte und sich an dessen Theetisch in der Ecke eines Sophas behaglich lehnte , um aus der von St. Julien erhaltenen Pfeife den Rauch in gelinden Wolken im Zimmer zu verbreiten . Das auffallend große , goldne Mundstück derselben , so wie die überladene Verzierung mit Ketten , Quasten und Schnüren in allen Farben , sagte seinem Geschmacke zu . Lächelnd betrachtete er oft den funkelnden Brillanten an seinem Finger , nahm zuweilen aus der auf dem Tisch stehenden goldnen Dose Tabak und zog die schon zu weit hervorstehende feine Wäsche noch ein wenig mehr heraus , indem er mit gutmüthigem Hochmuth seinem Freunde erzählte , der Graf habe nach der Genesung der Gräfin seinen Gehalt ansehnlich vermehrt und St. Julien außer dem Geschenke zum Andenken ihn noch für die Heilung seiner Wunden großmüthig belohnt , so daß ich mich jetzt , schloß er , für einen reichen Mann halten und vielleicht bald an eine vernünftige Heirath denken kann . Der Pfarrer ging eben im Kopfe alle seine Bekannten durch , die er vielleicht zu dieser Verbindung empfehlen könnte , als der Schulze des Dorfes mit Geräusch eintrat , den Sonnenschein der Heiterkeit in allen Mienen . Der kräftige Landmann übersah in der Freude das strenge Gesicht seines Seelsorgers , womit dieser den lauten , unehrerbietigen Eintritt tadeln wollte , und rief : Gott segne Sie , Herr Prediger ! Meine Mutter hatte Recht , als sie sagte : Peter , geh Du zum Herrn Pfarrer , der schafft Deine Base heraus , mag sie stecken , wo sie will ; dieß Wort der guten alten Frau ist wahr geworden , Sie haben die Base herbeigeschafft . In der That , fragte der Geistliche , wird sie kommen ? Sie ist schon hier , erwiederte der Schulze freundlich , und als eine vornehme Madame ist sie angekommen , sie wird auch gleich hier bei Ihnen sein , sie wollte selbst mit Ihnen über die Erbschaft sprechen . Sehen Sie , da kommt sie mit meiner Mutter und ihrer Tochter . Der Pfarrer trat zum Fenster und auch seine Gattin kam neugierig herbei , so wie alle Kinder ; nur der Arzt blieb in philosophischer Ruhe in seiner bequemen Lage , denn ihn regte die Neugierde wenig an , die Verwandte eines Plebejers , eines Bauern zu sehen . Die Frau des Predigers lächelte ein wenig über den überladenen und für ihr Alter nicht anständigen Putz der Ankommenden , der aber doch von großer Wohlhabenheit zeigte . Eine ziemlich wohlbeleibte Frau näherte sich mit etwas zu weit ausgreifenden Schritten dem Pfarrhause ; ihr Kleid von hellfarbiger Seide hatte sie etwas hoch aufgehoben , um nicht im Gehen gehindert zu werden ; die blaufarbigen Bänder der Haube flatterten im Winde und mischten sich mit rothen Rosen , die den Kopfputz verzierten . Die Mutter des Schulzen war in ihrer sonntäglichen Kleidung , und Beiden folgte ein junges , weißgekleidetes Mädchen , deren großer Strohhut ihr Gesicht nicht bemerken , aber deren sehr schlanke Form auf große Jugend schließen ließ . Der Pfarrer wußte nicht recht , ob er den Ankommenden wie seines Gleichen entgegen gehen oder den Eintritt der Verwandten eines Bauern ruhig erwarten sollte . Er entschied sich für das Letztere , doch that es ihm alsbald leid , als er mehrere Schnüre echter Perlen um den sonnverbrannten Hals der Eintretenden bemerkte . Die drei Frauen hatten das Wohnzimmer des Geistlichen betreten , und die Fremde sagte mit etwas durchdringender Stimme : Nehmen Sie es nicht übel , Herr Prediger , daß wir Ihnen beschwerlich fallen . Der Arzt hatte sich um die Ankommenden nicht gekümmert und war , in Gedanken versunken , sitzen geblieben . Der Ton der Stimme aber , mit welcher die wenigen Worte gesprochen wurden , zuckte wie ein elektrischer Schlag durch alle seine Nerven , und er sprang auf und stand nahe vor der Angekommenen , ohne daß er es wußte . Diese betrachtete ihn einen Augenblick , schlug die Hände zusammen und rief : Ist es möglich , kann es sein , muß ich den Hasenfuß hier antreffen ? Der Arzt sprang beleidigt zurück . Na , sei Er nicht böse , rief die Fremde , indem sie ihm die Hände entgegenstreckte und sich nicht bemühte , die Thränen zurück zu halten , die reichlich über ihre vollen , braunrothen Wangen flossen ; Er wird sich ja nun wohl die Hörner abgelaufen und von einer Tante , die es gut mit ihm meint , ein Wort vertragen gelernt haben ? Der Arzt wußte nicht recht , wie ihm geschah . Frau Base , stammelte er und wollte