verschiedenen Geruche , dann auch aus dem eigentümlichen Klange eines Namens vorgefaßt hat . Das erstere kann man ihm noch hingehn lassen , der Zufall tut viel , und wirklich hat er es einigemal bei sehr unbekannten Blumen auffallend getroffen . « » Wäre aber « , sagte Agnes , » doch etwas Wahres daran , so sollte man auch wohl die Gabe haben können , etwa aus der Stimme eines Menschen auf sein Wesen zu schließen , wenn auch nicht auf den Namen , denn gesetzt , man schöpfte diesen für die Blumen wirklich aus einem bestimmten Gefühl , oder , wie soll ich sagen ? aus einer natürlichen Ähnlichkeit , so kämen wir auf jeden Fall zu kurz neben diesen Frühlingskindern , die man doch gewiß erst , nachdem sie vollkommen ausgewachsen waren , getauft hat , um ihnen nicht Unrecht zu tun mit einem unpassenden Namen , während wir den unsrigen erhalten , ehe wir noch den geringsten Ausdruck zeigen . « Margot war über diese artige Bemerkung erfreut und Nannette erinnerte gelegentlich an die sogenannte Blumensprache , woraus man seit einiger Zeit ordentlich kleine Handbücher mache . » Was mir an dieser Lehre besonders gefällt , das ist , daß wir Mädchen bei all ihrer Willkürlichkeit doch gleich durch die Bedeutung , die dem armen nichtswissenden Ding im Buche beigelegt ist , unser Gefühl bestimmen und umstimmen lassen können , weil wir dem Menschen , der sich untersteht , so was ein für allemal zu stempeln , doch einen Sinn dabei zutrauen müssen , oder weil eine gedruckte Lüge doch immer etwas Unwiderstehlicheres hat als jede andere . « » Oder « , versetzte Margot , » weil wir ängstlich sind , durch unser vieles Um- und Wiedertaufen eine böse Verwirrung in das hübsche Reich zu bringen , so daß uns die armen Blumen am Ende gar nichts Gewisses mehr sagen möchten . « » Wie närrisch ich früher über Namen der Menschen gedacht habe und zuweilen noch denken muß , kann ich bei der Gelegenheit nicht verschweigen « , sagte Agnes . » Sollten denn , meint ich , die Namen , welche wir als Kinder bekommen , zumal die weniger verbrauchten , nicht einen kleinen Einfluß darauf haben , wie der Mensch sich später sein innerliches Leben formt , wie er andern gegenüber sich fühlt ? ich meine , daß sein Wesen einen besondern Hauch von seinem Namen annähme ? « » Dergleichen angenehmen Selbsttäuschungen « , erwiderte das Fräulein , » entgeht wohl niemand , der tiefern Sinn für Charakter überhaupt hat , und da sie so gefahrlos als lieblich sind , so wollen wir sie uns einander ja nicht ausreden . « Nannette war beiseite getreten und kam mit einem kleinen Strauß zurück . Während sie ihn in der Stille zurechtfügte , schien ihr ein komischer Gedanke durch den Kopf zu gehn , der sie unwiderstehlich laut lachen machte . » Was hat nun der Schelm ? « fragte Margot , » es geht auf eins von uns beiden - nur heraus damit ! « » Es geht auf Sie ! « lachte das Mädchen , » ist aber nichts zum Übelnehmen . Ich suchte da nach einer Blume , die sich für Ihren Sinn und Namen passen könnte , nun heißt doch wohl Margot nicht weniger noch mehr als Margarete , natürlich fiel mir also ein , wie leichtfertig es lassen müßte , wie dumm und ungeschickt , wenn Ihnen jemand hier dies Gretchen im Busch verehren wollte . « Alle lachten herzlich über diese Zusammenstellung , die freilich nicht abgeschmackter hätte sein können . » Im Ernst aber « , sagte Nannette und sprach damit wirklich ihres Herzens Meinung aus , » für Sie , bestes Fräulein , könnte ich wohl einen Sommer lang mit dem Katalogen in der Hand durch alle Kaisergärten suchen , eh mir endlich das begegnete , was Ihrer Person , oder weil dies einerlei ist , Ihres Namens vollkommen würdig wäre . « » So ? « lachte Margot , » also bleib ich , eben bis auf weiteres brav Gretel im Busch ! Zum Beweis aber « ( hier stand sie auf und trat vor ein Rondell mit blühenden Stöcken ) » daß ich glücklicher bin im Finden als Sie , Böse und Schöne , steck ich Ihnen gleich diese niedliche Rose ins Haar , Agnes hingegen diese blauliche Blüte mit dem würzigen Vanilleduft ! « Man ging nun scherzend weiter und das Fräulein fing wieder an : » Vom guten Henni sind wir ganz abgekommen , so heißt der Blinde , eigentlich Heinrich . Weil seine vorhin genannten Talente einigermaßen zweideutig sind , so muß man ihm bei den andern desto mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen . Er hat viel mechanisches Geschick und seltne musikalische Anlagen . In einer leeren Kammer des linken Schloßflügels , welche vor nicht sehr langer Zeit noch zur Hauskapelle der frühern Besitzer eingerichtet war , steht eine Orgel , die lange kein Mensch ansah . Sie befand sich im schlechtesten Zustande , bis Henni vor anderthalb Jahren sie entdeckte . Er hatte nun nicht Rast noch Ruhe , das verwahrloste staubige Werk , Klaviatur , Pedal und Blasbälge , samt den fehlenden und zerbrochenen Stäbchen , Klappen und Drähten , deren Zahl beiläufig hundert und eines sein mag , wieder ordentlich herzurichten . Oft hörte man ihn bei Nacht operieren , klopfen und sägen , und es war sonderbar , ihn dann so ohne alles Licht in der einsamen Kammer bei seiner Arbeit zu denken . Was ihm aber kein Mensch geglaubt hätte : nach weniger als vier Wochen war er wirklich mit allem zustande gekommen . Sie müssen ihn einmal , und ohne daß er ' s weiß , auf der Orgel phantasieren hören ; er behandelt sie auf eine eigene Art und nicht leicht würde ein anderes Instrument das eigentliche Wesen dieses Menschen so rein und vollständig ausdrücken können . Ich hätte billig unter seinen Vorzügen zuerst