in sichtbarlicher Erscheinung . - Doch , mein lieber Johannes , die herrlichsten göttlichsten Wunder geschehen in dem innersten Gemüt des Menschen selbst , und diese Wunder soll er laut verkünden , wie er es nur vermag , in Wort , Ton oder Farbe . So hat jener Mönch , der das Bild malte , das Wunder seiner Bekehrung herrlich verkündet , und so - Johannes , ich muß von Euch reden , es strömt mir aus dem Herzen - und so verkündet Ihr in mächtigen Tönen das herrliche Wunder der Erkenntnis des ewigen klarsten Lichts aus Euerm tiefsten Innern heraus . Und daß Ihr das vermöget , ist das nicht auch ein gnadenvolles Wunder , das die ewige Macht geschehen läßt zu Euerm Heil ? « Kreisler fühlte sich von des Abts Worten gar seltsam erregt ; so wie es selten geschehen , trat der volle Glaube an seine innere schöpferische Kraft lebendig hervor , und ihn durchbebte ein seliges Wohlbehagen . Nicht den Blick hatte Kreisler indessen abgewandt von dem wunderbaren Gemälde , aber wie es wohl zu geschehen pflegt , daß wir auf Bildern , vorzüglich wenn , wie es hier der Fall , starke Lichteffekte im Vor-oder Mittelgrunde angebracht sind , die in den dunklen Hintergrund gestellten Figuren erst später entdecken , so gewahrte auch jetzt erst Kreisler die Gestalt , die , in einen weiten Mantel gehüllt , den Dolch , auf den nur ein Strahl der Glorie der Himmelskönigin zu fallen schien , so daß er kaum bemerkbar blinkte , in der Hand , durch die Türe entfloh . Es war offenbar der Mörder ; im Entfliehen blickte er rückwärts , und sein Gesicht trug den furchtbaren Ausdruck der Angst und des Entsetzens . Wie ein Blitz traf es den Kreisler , als er in dem Antlitz des Mörders die Züge des Prinzen Hektor erkannte , nun war es ihm auch , als habe er den zum Leben erwachenden Jüngling schon irgendwo , wiewohl nur sehr flüchtig , gesehen . Eine ihm selbst unerklärliche Scheu hielt ihn zurück , diese Bemerkungen dem Abt mitzuteilen , dagegen fragte er den Abt , ob er es nicht für störend und anstößig halte , daß der Maler ganz im Vorgrunde , wiewohl im Schlagschatten , Gegenstände des modernen Anzuges angebracht und , wie er jetzt erst sehe , auch den erwachenden Jüngling , also sich selbst modern gekleidet . In der Tat war auf dem Bilde und zwar zur Seite des Vorgrundes ein kleiner Tisch und ein dicht daneben stehender Stuhl angebracht , auf dessen Lehne ein türkischer Shawl hing , so wie auf dem Tisch ein Offiziershut mit einem Federbusch und ein Säbel lagen . Der Jüngling trug einen modernen Hemdkragen , eine Weste , die ganz aufgeknöpft , und einen dunklen , ebenfalls ganz aufgeknöpften Überrock , dessen Schnitt aber einen guten Faltenwurf zuließ . Die Himmelskönigin war gekleidet , wie man sie auf den Bildern der besten alten Maler zu sehen gewohnt ist . » Mir ist , « erwiderte der Abt auf Kreislers Frage , » mir ist die Staffage im Vorgrunde sowie des Jünglings Überrock nicht allein keinesweges anstößig , sondern ich meine auch , daß der Maler nicht von des Himmels Gnade , sondern von weltlicher Torheit und Eitelkeit hätte durchdrungen sein müssen , wenn er auch nur in dem geringfügigsten Nebenpunkte von der Wahrheit abgewichen wäre . So wie es sich wirklich begab , getreu nach Ort , Umgebung , Kleidung der Personen u.s.w. mußte er das Mirakel darstellen , so sieht auch jeder auf den ersten Blick , daß sich das Mirakel in unsern Tagen begab , und so wird das Gemälde des frommen Mönchs zur schönen Trophäe der siegenden Kirche in diesen Zeiten des Unglaubens und der Verderbtheit . « » Und doch , « sprach Kreisler , » und doch ist mir dieser Hut , dieser Säbel , dieser Shawl , dieser Tisch , dieser Stuhl - ist mir das alles , sage ich , fatal , und ich wollte , der Maler hätte diese Staffage des Vorgrundes weggelassen und sich selbst ein Gewand umgeworfen statt des Überrocks . Sagt selbst , hochehrwürdiger Herr , könnt Ihr Euch eine heilige Geschichte denken im modernen Kostüm , einen heiligen Joseph im Flauschrock , einen Heiland im Frack , eine Jungfrau in einer Robe , mit umgeworfenem türkischen Shawl ? Würde Euch das nicht als eine unwürdige , ja abscheuliche Profanation des Erhabensten erscheinen ? Und doch stellten die alten , vorzüglich die deutschen Maler alle biblischen und heiligen Geschichten in dem Kostüm ihres Zeitalters dar , und ganz falsch möchte die Behauptung sein , daß sich jene Trachten besser zur malerischen Darstellung eigneten als die jetzigen , die freilich , bis auf manche Kleidung der Weiber , albern und unmalerisch genug sind . Doch bis ins Übertriebene , bis ins Ungeheuere , möcht ' ich sagen , gingen ja manche Moden der Vorzeit ; man denke an jene ellenhoch aufgekrümmte Schnabelschuhe , an jene bauschichte Pluderhosen , an jene verschnittene Wämser und Ärmel u.s.w. , vollends unausstehlich und Antlitz und Wuchs entstellend waren aber manche Weibertrachten , wie man sie auf alten Bildern findet , auf denen das junge blühende , bildschöne Mädchen bloß der Tracht halber das Ansehn hat einer alten grämlichen Matrone . Und doch sind gewiß jene Bilder niemanden anstößig gewesen . « » Nun , « erwiderte der Abt , » nun kann ich Euch , mein lieber Johannes , mit wenigen Worten recht den Unterschied der alten frommen und der jetzigen verderbteren Zeit vor Augen bringen . - Seht , damals waren die heiligen Geschichten so in das Leben der Menschen eingedrungen , ja , ich möchte sagen , so im Leben bedingt , daß jeder glaubte , vor seinen Augen habe sich das Wundervolle begeben , und jeden Tag könne die ewige Allmacht gleiches geschehen lassen . So ging dem frommen Maler die heilige Geschichte , der er seinen Sinn zugewendet ,