meine unheilige Uhr zum Glauben gezogen . Ich rief , es ist gestohlen ! und wäre dafür von meinen Dieben beinahe noch arretiert worden . « - LEONA : » Beten Sie künftig , statt sich umzusehen nach schlechten Menschen , und niemand wird so frech sein Sie zu bestehlen . « - FRANK : » Ich will beten , daß Sie nicht zu klug und ich nicht zu dumm werde . « - LEONA : » Kommen Sie zurück in die Kirche , demütigen Sie sich vor dem Bilde des Gekreuzigten . « - FRANK : » Kommen Sie ins Museum , erheben Sie sich vor Apollos Bilde , es haben wahrlich schönere Hymnen davor geklungen , als Ihre Gemeine singt ; sagen Sie den Gläubigen , daß in der Oper viel besser gesungen wird . « - LEONA : » Sind Sie jetzt ein Heide , das ist mir neu . « - FRANK : » Sie sind jetzt eine Katholikin , das hätte Sie selbst sonst verwundert . « - LEONA : » Ich habe Gnade gefunden ; suchen Sie Gnade . « - FRANK : » Es kann kein Mensch aus seiner Haut heraus , meine Ungnädige , und jeder ist der Schönste in seiner Haut ; des Menschen Wille ist sein Himmelreich , aber der ist unabhängig vom Zufalle . Mein Streben ein Loyola zu werden , wenn ich mich auf Ihre Ermahnung dazu entschlösse , und wenn ich auch zwanzig Nachtwachen vor dem Bilde der Maria aushielte , würde eben so leer sein und zu nichts führen , als wenn ich witzig wie Voltaire eine neue Pucelle über die Neureligiösen Frankreichs schreiben wollte , oder einen Thyrsus vor der Statue des Bacchus schwänge . « - LEONA : » Es muß aber Ihre Schuld sein , wenn Sie bei aller Wahrheitsliebe , die Sie mir immerdar zu einem ehrwürdigen Freunde macht , von Gott so verlassen bleiben . « - FRANK : » Nein , es ist nicht meine Schuld , es ist die Schuld meiner Mutter , wie mir noch gestern ein Schüler Galls erklärt hat ; sehn Sie , da hat sie mir mit einem segnenden Kusse eine Vertiefung oben ins Haupt gedrückt , wo das theosophische Organ als ein Hügel saß ; sehen Sie wohl die Stelle , denn mein Scheitel ist kahl . Und noch eins wollte ich Ihnen berichten : ich habe keine von allen in Kirchen , oder Tempeln verehrte Religion , aber ich habe doch eine , und wir wollen einmal uns wieder fragen , ob es nicht die allgemeine wird . Merken Sie wohl auf , ich habe politische Gesinnung , Enthusiasmus , Glauben : diese Religion zählt schon viele Märtyrer ; Sie kennen mich , ich lüge nie , auch ich werde als Republikaner fallen . « - LEONA : » Gott bewahre Sie davor , was wollen Sie in der Welt wirken , der Sie nicht mehr zu der Welt gehören , gehen Sie in eine Wüste , vielleicht wird Ihnen da die Gnade . « - Frank und Leona blieben getrennt . So wunderbaren Mißverständnissen sind oft die besonnensten , verständigsten Menschen unterworfen . Wir dürfen sie nicht immer den mannigfaltigen Lebensverhältnissen der gebildeten Klassen zuschreiben ; gleich werden wir ein Beispiel in der unteren Klasse finden , das uns schon aus der gewohnten Neugierde , gern von einem Menschen zu hören , den wir in einer Glückszeit gesehen haben , willkommen ist . Lorenz und Rosalie , deren Hochzeit wir beiwohnten , die wir nachher in einigem Mißvergnügen mit einander verließen , hatten sich wieder ganz ausgesöhnt , nachdem Rosalie , dem Rate des Grafen folgsam , ihrem Hauswesen ordentlich vorstand ; was aber beiden sehr leid tat , sie hatten nach mehreren Jahren ihrer Ehe keine Kinder . Rosalie betete zu allen Heiligen , machte Gelübde und brauchte altherkömmliche Mittel des Wolff ; endlich ward sie von einem Kinde entbunden . Lorenz jubelte , aber nach wenigen Tagen wurde er finster ; die Leute sagten : er hätte allerlei Zauberwesen in dem Kasten seiner Frau gefunden ; genug , er behandelte sie seit der Zeit grausam und hart , er schimpfte und schlug sie öffentlich , und sie litt das ohne darauf zu antworten . Ein Kantor der Gegend , der die Geschichte zu wissen behauptete , verfaßte ein Lied , worin die beiden Zwillingsbrüder Otto und Lorenz als Ost und West bezeichnet sind ; wir überlassen es dem guten Glauben die Wahrheit davon durch Feuerprobe zu beweisen . Die Hexe Luft und die beiden Jäger Ost und West , die Zwillingssöhne Buhlten um ein Jungfräulein , Ähnlich klangen ihre Töne Vor der Schönen Fensterlein . Luft hieß ihre leichte Schöne , Federn trug sie auf dem Haupt , Daß sie ew ' ge Myrte kröne , Ist ihr Fenster myrtumlaubt . Lange steht sie so im Glanze Ihr sind beide einerlei , Sie verwechselt beid im Tanze , Also ähnlich sind die zwei . Und so weit wird es noch kommen , Daß sie stiftet Bruderzwist ; Ihren Zweifeln zu entkommen , Denket sie auf eine List . Einen Mann , den muß ich haben , Denkt das arme Jungferlein , Der mir kann das Herz erlaben , Denn ich bin nicht gern allein . Zweifelnd denkt sie an die Künste , Die ihr Mutter Feuer lehrt , Macht am Freitag Weihrauchdünste , Kocht den Zaubertrank am Herd . Deckt dann vor dem Bett ein Tischlein , Setzt zwei blanke Teller drauf , Und zwei Gläser und zwei Fischlein , Gleich als käm ein Gast ins Haus . » Wer dann zu dir kömmt von allen « , Hat die Mutter ihr gesagt , » Ist der Stärkste im Gefallen , Und der sei dir zugesagt . Der sei deiner Liebe Meister , Mächtig deiner Schönheit Kraft , Denn es wollen stets die Geister , Daß das Mächtigste sich schafft . « Es ist Nacht , die beiden Lauten Klingen