, so kann sie das Leben auch betrügen , und sie weiß wohl nicht , was sie will . Ich achte ihren guten Willen , aber ihr Wissen kommt mir verdächtig vor . « » Mit ist sehr wohl über alles , was ich nicht weiß ; was ich weiß , finde ich unnütz , weil es wohl kann besser gewußt werden ; ich wollte , ich lebte nicht , mein Leben könnte auch besser gewußt werden . « » Das ganze Leben ist eine Geheimniskrämerei , eine Delicatesse aller Existenzen gegeneinander , daß mir es oft ängstlicher drinne ist als bei tugendhaften Mädchen , die in jeder Stunde heuraten können , wenn nur ein Priester die Gelegenheit vom Strauche bricht . « » Es ist wahrhaftig nicht der Mühe wert , sich Mühe zu geben , die Sache bleibt ewig dieselbe ; bohre ich ein Loch mit meinem Verstande in die Welt , so muß es sich des allgemeinen Gleichgewichts halber wieder zustopfen , und es ist recht unhöflich , die Natur der Dinge so zu bemühen . « » Vor vielen Dingen soll man Ehrfurcht haben , man soll sie ehren , und nirgends möchte ich so gerne laut sprechen oder pfeifen als in der Kirche , nicht um gehört zu werden , sondern um es zu hören , - ich möchte auch wohl gerne in einem lüderlichen Hause beten , und über eben diese Gelüste kann ich sehr traurig werden . - « » Tugendhaft sein , wie man es heißt , ist , was ein Brownianer schlecht recipieren nennt ; - ich möchte oft toll werden über alle die Dinge , die dazu nötig sind , und die ich oft gar nicht auftreiben kann . « » Am Ende sind alle Menschen nur Formeln , um ein Stück Weltgeschichte herauszubringen ; denn warum hielt ich einst nichts auf Tugend , und fange jetzt wieder an , was drauf zu halten ? « » Ich habe immer eine große Anlage gehabt , Weibern , die sich mit ihrer Tugend breit machten , etwas die Ehre abzuschneiden , und ihre Tugend zu schmälern , damit die andern sich nicht so ängstlich drücken müßten , die ihre Tugend selbst schmälerten , und das tat ich vielleicht gar des Wortspiels wegen . « » Gott weiß , daß meine Wahrheit mein Unglück war ! Ich hörte immer schon dann auf zu lieben , wenn ich merkte , daß meine Geliebte den Engel und den Menschen getrennt hatte , und habe manchem Menschen seinen Engel genommen , und ihn allein stehen lassen ; das ist bös , aber es war so : ich habe alle Chemie erschöpft , die Unschuld wieder mit dem Mädchen zu vermischen , aber es ging nicht , und die Unschuld erschien mir endlich nicht schuld an der Schuldlosigkeit . « » Eine Zeitlang trieb ich das Leben rückwärts , und tat alles nicht , was ich getan hatte ; ich glaubte , das sei Besserung , aber ich kam mir bald so komisch vor wie ein Riese , der Alt singt , und ein alter Mann , der die Leute mit seinen Kinderjahren unterhält - da machte ich denn das gebesserte Stückchen schnell wieder schlecht , und alle Besserung kam mir vor , als schüttelte ich ewig das Kissen auf , auf dem ich mit meinem Liebchen ruhe , müsse es immer wieder niederdrücken , und käme nie zur Ruhe selbst , oder man rasiere mich so langsam , daß mir der Bart immer unter dem Messer wachse . « » Ich habe nun so mancherlei getan , viele Freunde gehabt , viel Geld ausgegeben , viele Mädchen geliebt , viele Ewigkeiten verloren , und das alles ist vorbei , es bleibt nichts als die Narbe , und die schmerzt , wenn sich das Wetter ändert . Was soll ich mit allen den süßen Erinnerungen , die vorbei sind , und was mit aller der Gegenwart , die vorbeigeht , - so raisoniere ich jetzt ; sonst war dieses keine Empfindung , es war Handlung : ich ärgerte mich einmal darüber , daß Jenny eine so liebenswürdige Dirne war , weil ich glaubte , das Laster müsse häßlich sein ; ich gab mir alle Mühe , sie häßlich zu machen , aber das Mädchen ward der Tugend zum Trotz immer artiger . - Ich glaubte nun , wenn sie tugendhaft würde , würde sie ein Engel sein , weil ihre Schönheit größer war als ihr Laster : das Mädchen bot mir Hände und Füße zur Tugend , und ich bekehrte sie so gründlich , daß sie sich die Haare und Schleppen abschnitt , damit ihre Tugend wachsen solle ; aber sie ward bald so langweilig und so häßlich , daß ich riet , die Bußtränen in Reuetränen über die verlorne Sünde zu verwandlen , und ich brachte sie mit Mühe soweit zurück , daß ihre Haare wieder wuchsen , und ihre Röcke wieder schleppten . « » Ich habe auch wohl sechshundert große Wohltaten getan , viele kleine abgerechnet , aber empfinde , daß Taten nur Taten sind , und daß bei den Wohltaten ich nur durch Danksagungen langweilt ward , mich aber irgend ein dummer Streich sehr amüsierte , weil die Leute so lustig drauf schimpften . « » Manchmal ist mirs , als befände ich mich allein schlecht , weil ich andern Leuten zu sehr traue : sie machen einen Lärm von der Schönheit der Natur , als wäre es eine Seltenheit , und streichen gewisse Empfindungen so heraus , als wären sie nicht bloß reingebürstete Stellen des Lebens ; sie haben eine Aufrichtigkeit in allem diesem , daß ihnen die Knöpfe vom Rocke springen , als sei alles dieses etwas anders als Nacktgehen - und stelle ich mich hin und rüste mich und strecke die Arme wie ein Fechter hinaus , ich warte und warte auf die entsetzliche Vortrefflichkeit der Dinge , als sollte nun bald ein Felsenstück auf mich niederrollen , und