mir , und ich danke es dir so schlecht . « » Du kannst ja wohl nicht anders , « murmelte er , » aber du tust mir leid . Ob Fritz einer so treuen Erinnerung würdig ist ? « » Ach – würdig ! « sagte Mimi , und ihr Gesicht wurde wieder rosig und bekam ein verklärtes Lächeln , » was heißt denn würdig ? Auf würdig kommt es doch gar nicht an in der Liebe ! « Er zog einen Bogen , der arg zerknittert , mit vielen Tränenspuren bedeckt war , aus der Brusttasche und gab ihn Mimi . Sie las das kurze Schreiben . Plötzlich blickte sie mit gänzlich verändertem , glückstrahlendem Ausdruck zu ihm auf . » Siehst du , « rief sie jubelnd , » das ist Fritz , wie er immer war . Ich finde es geradezu wundervoll . « » Nein , Mimi – deine Auffassung ist törichte Mädchenschwärmerei . Ihr alle werdet es mir einmal danken , wenn ich Fritz deutlich mache , daß er in unsern Kreis nicht mehr gehört . « » Nun , « rief Mimi heftig , » wenn seine Familie ihm die Aufnahme verweigert , so wird er an einem andern Ort eine Heimat finden . Ja , August , dagegen kannst du nun gar nichts tun ! Ich werde auf dem Bahnhof sein , und Fritz wird als mein Gast mit mir nach Niedernrode kommen ! « » Und weißt du denn , ob Fritz auf dieses großmütige Anerbieten wird eingehen wollen ? « Ihr Antlitz leuchtete vor Freude . » Ich weiß es , ich fühle es , « rief sie erglühend , » ein Gefühl , so lange festgehalten , kann nicht täuschen ! « Sie ritten in scharfem Trab weiter . Keins hatte dem andern mehr ein Wort zu sagen . Endlich begann August : » Mimi , du weißt , daß ich dich sehr liebhabe , und darum will ich nicht , daß du Torheiten begehst , deren Folgen sich gar nicht absehen lassen . Ich verspreche dir , daß ich Fritz heute abend nach Rauschenrode bringe . Aber nun bitte ich dich , sei vernünftig , kehre um und lasse mich Fritz allein empfangen ! « Sie hob den Kopf und blickte ihn zweifelnd an . » Ob ich dir vertrauen darf ? « fragte sie sacht . » Ich glaube , daß ich dir noch niemals Gelegenheit gegeben habe , an mir als Ehrenmann zu zweifeln , « antwortete August kalt . » O , August , gewiß nicht ! Und was du heute tust , das will ich dir nie vergessen , dafür werde ich dich immer liebhaben , so lieb , wie du es gar nicht glauben kannst ! « Er schüttelte mit einem gequälten Ausdruck den Kopf , und sie rief : » Jetzt reite ich nach Rauschenrode hinauf und sage Tante Kosegarten , daß sie zwei herrliche Söhne hat ! « Sie nahm ihre Gerte unter den Arm und reichte die Rechte August zu festem Druck . Dann wendete sie und sprengte in lebhaftem Tempo die Allee zurück . August strich mit der Hand über die Stirn , an seinen Schläfen hatten sich kalte , feuchte Tropfen gesammelt . Er biß die Zähne übereinander und dachte wie in einem Krampf immer nur an das eine : Man muß schließlich ein Ehrenmann sein . Mimi fand Rauschenrode in unruhevollen Vorbereitungen zum Empfang des fürstlichen Gastes . Ein Gärtnerbursche rannte eilfeltig an ihr vorüber die Rampe zum Gartensaal hinauf . Aus der geöffneten Küchentür am Ende des Seitenganges drang das Klirren und Klappern von Töpfen und Porzellan und Schottenmaiers würdevoll befehlendes Organ . Der Flur selbst , wo sonst eine behagliche Unordnung alter Mäntel , vertragener Hüte , abgenutzter Regenschirme und alter Wagendecken zu lagern pflegte , war sorgfältig von all den Kleidungsstücken befreit und machte in seiner ungewohnten Kahlheit einen beinahe feierlichen Eindruck . Auch das Wohnzimmer war leer . » Die gnädige Frau ist bei der Toilette , « berichtete ein stürmisch an Mimi vorüberlaufendes Hausmädchen , » und Fräulein Hilde ist in der Küche . Die Prinzessin Karoline wird ja zum Frühstück erwartet , wissen das gnädige Fraulein es nicht ? « » So – die Prinzessin ? « sagte Mimi verwundert . Indem sie verwirrt dastand und überlegte , ob es statthaft sei , Frau von Kosegarten bis in ihr Schlafzimmer zu verfolgen , trat Marie selbst ins Zimmer , in schwerer Seide rauschend , das große , gütige Gesicht von weißen Spitzenbarben umflattert . Zu allem stattlichen Prunk trug sie einen Haufen abgetragener Männerkleider auf dem Arme . Mimi flog ihr entgegen und warf sich ihr mit einer stürmischen Bewegung um den Hals . » Tante , Tantchen , liebstes , bestes Tantchen , er kommt ! er kommt ! Ja , freust du dich auch so unmäßig wie ich ? « » Ach , Mimi , Kind , ich weiß nicht mehr , ob ich mich freuen darf ! Es ist zu viel auf einmal ! Mein Kopf kann es nicht bewältigen ! « Mimi sah die alte Frau gerührt an . Es war seine Mutter , die Mutter des Mannes , dessen Bild sie jeden Abend in diesen vergangenen elf Jahlen geküßt hatte . Sie streichelte ihre Hände , nahm ihr die Kleider vom Arm , fragte , ob sie ihr in irgendeiner Weise helfen könne , und was es für eine Bewandtnis mit diesen alten Sachen habe . Und dazwischen sagte sie plötzlich , ohne eine Antwort abzuwarten : » Tante , übrigens es war ein Glück , daß ich August auf der Chaussee begegnet bin . Weißt du , was der für Absichten hatte ? Er wollte dir deinen Jungen mir nichts , dir nichts übers Meer zurückschicken , ohne daß du ihn zu sehen bekommen hättest . Ja , weiß Gott , das wollte er ! Ich bin ganz irre an August geworden ! « Frau