, die nicht für irgend einen Anverwandten Hoffnungen auf diese „ immense Partie “ hegte , und so sah sich Jane gleich bei ihrem Eintritt von allen Seiten umschwärmt und gefeiert , was ihr nun allerdings nicht besonders neu war . Man war entzückt von ihrer Schönheit , die doch im schroffsten Gegensatz zu der heiteren , blühenden Frische der jungen Rheinländerinnen stand , man schmeichelte ihrem Stolz , der so oft verletzte , bewunderte ihren Geist , den sie meistens gar nicht zu zeigen für gut fand , und vollends die studirende Jugend , die ohne Ausnahme diesem so plötzlich aufleuchenden fremden Meteor zu Füßen lag , ließ keine Möglichkeit unbenutzt , sich ihm in irgend einer Weise zu nähern und Huldigungen darzubringen . Aber keiner von all diesen Bestrebungen gelang es , auch nur für einen Augenblick die eisige Gleichgültigkeit und den kalten Ernst zu durchdringen , mit denen sich die junge Dame , getreu den Traditionen ihres Vaters , wie mit einem Panzer umgab , seit sie sich in Deutschland befand . Doctor Stephan besaß ein hübsches Haus im schönsten Theile von B. , dessen unteren Stock er allein bewohnte , der obere war an den Professor Fernow vermiethet , der , vor ungefähr drei Jahren an die Universität berufen , seit dieser Zeit die Wohnung inne hatte . Ein in der ganzen Gelehrtenwelt Epoche machendes wissenschaftliches Werk hatte dem noch jungen Manne den für seine Jahre bedeutenden Erfolg , die Professur in B. , verschafft ; er war völlig fremd , ohne Empfehlungen und Bekanntschaften , nur in Begleitung seines Dieners hierhergekommen , und hatte bereits mit seinen ersten Vorlesungen die vollste Aufmerksamkeit der Collegen und das vollste Interesse der Studirenden erregt . Bei diesem Erfolge blieb es aber auch ; der Professor war nicht der Mann , der es verstand , ihn auszunützen ober sich selbst in irgend einer Weise geltend zu machen . Er vermied fast ängstlich jeden Verkehr , der ihm nicht durch seine Berufspflichten unumgänglich geboten war ; er machte keine Besuche und empfing keine , entzog sich jeder Bekanntschaft , schlug jede Einladung aus und lebte in völliger Zurückgezogenheit seinen Studien . Seine sehr angegriffene Gesundheit mußte ihm dabei stets als Vorwand dienen ; anfangs war man in B. wenig geneigt , dies gelten zu lassen , und versuchte dieser seltsamen Abgeschlossenheit Gott weiß welche geheimnißvollen und gefährlichen Motive unterzuschieben , bis man sich schließlich überzeugte , daß der Professor der sanftmüthigste und harmloseste Mensch von der Welt war , den nur seine Leidenschaft für das Studium , im Verein mit seinem wirklich sehr leidenden Zustande , zu dieser Lebensweise veranlaßte . Mehrere Collegen , die ihm durch amtliche Beziehungen näher getreten waren , sprachen sich mit aufrichtiger Bewunderung über dies staunenswerthe Wissen und diese staunenswerthe Bescheidenen aus , die jede Anerkennung , jedes Hervortreten aus der Verborgenheit förmlich floh , aber sie waren von ganzem Herzen damit einverstanden , denn sie wußten am besten , wie gefährlich dieser Mann ihrer ganzen Autorität hätte werden können , hätte er mit dieser Fülle von Wissen zugleich eine hervorragende Persönlichkeit und einen energischen Charakter verbunden . So ließ man ihn denn unangefochten seinen stillen Weg gehen , seine Gelehrsamkeit ward neidlos geschätzt , seine Vorlesungen wurden zahlreich besucht ; im Uebrigen aber spielte er an der Universität so wenig eine Rolle , wie in der Gesellschaft , und lebte mitten in B. wie ein völliger Einsiedler . Auch Doctor Stephan fand keine Gelegenheit , sich über den stillen Miethsmann zu beklagen , der weder Lärm noch Unruhe in ’ s Haus brachte , pünktlich den Miethzins zahlte und , wenn er einmal sichtbar ward , stets sehr höflich grüßte , dabei aber jeder längeren Unterhaltung auswich . Der Doctor war fast der Einzige , der bei den leider häufigen Krankheitsfällen des Professors in seine Wohnung und dadurch in näheren Verkehr mit ihm selber kam ; der Doctorin aber , die sich des Kranken gern mit mütterlicher Sorgfalt angenommen hätte , gelang dies durchaus nicht , und sie mußte sich begnügen , statt des Herrn den Diener unter ihr häusliches Commando zu nehmen . Friedrich war nun allerdings weder mit hervorragender Intelligenz , noch mit besonderer Fassungskraft begabt ; geistige Fähigkeiten waren ihm überhaupt nur in sehr beschränktem Maße zu Theil geworden ; dafür hatte die Natur ihm einen Riesenkörper gegeben , und sonstige Mängel ersetzte er durch eine grenzenlose Gutmüthigkeit und eine wahrhaft rührende Anhänglichkeit an seinen Herrn . Ganz im Gegensatz zu diesem hatte er aber die entschiedenste Neigung , sich Anderen anzuschließen , und war gern bereit , die viele freie Zeit , welche sein Dienst bei dem Professor ihm übrig ließ , für all die kleinen Arbeiten und Hülfeleistungen zu verwenden , wozu ihn die Doctorin im Hause und der Doctor im Garten in Anspruch nahm . Auf diese Weise war er bei Beiden allmählich eine Art Factotum geworden , ohne dessen Hülfe nichts geschehen konnte , und er war es auch gewesen , der mit stundenlanger Mühe und seinem ganzen Aufwande von Denkkraft jene verunglückte Bewillkommnung der jungen Amerikanerin veranstaltet hatte , der er seit jener Scene stets halb scheu und halb grollend auswich . Der Junimonat ging mit einem drückend heißen Tage zu Ende . In der Wohnung des Professor Fernow war es still wie in einer Kirche zur Wochenzeit , nichts regte sich hier , kein Laut unterbrach die tiefe Stille , welche in diesen Räumen herrschte . Ein Zimmer wie das andere , Bücherschrank an Bücherschrank und darauf die Bände in unendlicher Reihe , niedergelassene Vorhänge , mattes Dämmerlicht – der Geist und das Wissen von Jahrhunderten war hier zusammengehäuft ; aber nicht ein einziger frischer Luftzug drang in diese feierliche Abgeschlossenheit . In seinem Studirzimmer , das sich von den übrigen durch nichts , als durch eine vielleicht noch größere Büchermenge unterschied , saß der Professor vor dem Schreibtische , aber er arbeitete nicht , Papier und Feder lagen unbenutzt vor ihm ; den Kopf