Leben ! « » Das Leben , Franz ? Es war so süß mit dir ! Jetzt aber – – « Ich wiegte langsam meinen Kopf ; ich bat : » Sprich nicht mehr so , geliebte Elsi ! « Aber sie warf sich herum und rang ihre mageren Händchen . » Er will nicht ! « schrie sie ; » er will nicht ! O Gott , so sei du mir endlich gnädig ! « Schon sah ich sie aufs neue den unsichtbaren Folterern verfallen , da fühlte ich , daß sie meinen Kopf zu sich herabzuziehen suchte , und als ich mich zu ihr beugte , sah ich in ihr altes geliebtes Antlitz . » Du « , sagte sie , und es war noch einmal der liebe Ton aus vergangenen Tagen , » glaubst du , daß die Toten von den Lebenden getrennt sind ? O nein , das ist nicht . Solange du mich liebst , kann ich nicht von dir ; du weißt , ich kann ' s ja gar nicht ; nicht wahr , du weißt es ? Ich bleibe bei dir , du hast mich noch , und wenn deine leiblichen Augen mich auch nicht sehen , was tut ' s , du trägst mein Bild ja in dir ; du brauchst dich nicht zu fürchten ! Küß mich , küß mich jetzt noch einmal , mein geliebter Mann ; noch einmal deinen Mund auf meinen ! – – So , nun nicht mehr ! Nun , wenn es da ist , tu , worum ich dich gebeten habe ! In dem kleinen Fache deines Schrankes – du hast ja Zaubertränke , daß der Leib ohn Zucken einschläft ! « So ging es fort ; lange , bestrickend , verwirrend . O Hans , ich kann dir all die Worte nicht wiederholen ; sie enthielten alle nur eine Bitte : die um den Tod von ihres Mannes Hand , der leider ein Arzt war . « Ich hatte in namenloser Spannung zugehört . » Und du , Franz ? « rief ich . » Ich , mein Freund ? « entgegnete Franz . » Ich vermochte ihr nicht zu antworten ; es war auch kaum , als ob sie das erwarte ; ich umschloß sie nur immer fester mit meinen Armen ; wenn ich es heut bedenke , mir ist , ich hätte sie erdrücken müssen . Aber ihre Worte kamen allmählich immer langsamer , und ich fühlte es plötzlich , ich hielt nur noch eine Schlafende in meinen Armen . Ich legte sie aufs Bett , und endlich schien der Morgen durch die Fenster ; und als , noch in der Frühdämmerung , die Wärterin eintrat , ließ ich sie am Bette niedersitzen und ging , wie schon in mancher Frühe , in mein Zimmer hinab , wohin die Magd mein einsames Frühstück gestellt hatte . « – – Franz hatte sich zurückgelehnt , als sei ein Augenblick der Ruhe eingetreten ; ich atmete tief auf ; ein » Gott sei gedankt ! « entfuhr mir . Franz sah mich finster an . » Spar das fürerst ! « sagte er hart . » Ich bin noch nicht zu Ende . « » Mein Weib hatte recht : in meinem Schranke war ein dreimal verschlossenes Fach ; dreimal , denn der Hauch des Todes war darin geborgen . Ohne eine Absicht , nur als müsse es so sein , öffnete ich die Schlösser und nahm nach langer Musterung von den kleinen sorgfältig verschlossenen Kristallfläschchen , welche darin nebeneinander standen , das kleinste an mich ; ebensolange hielt ich es gegen den Tag und betrachtete , ich kann nicht sagen , ob gedankenvoll oder gedankenlos , die wenigen wasserklaren Tropfen , welche kaum darin zu erkennen waren ; ein Nichts , ein furchtbares Nichts . Dann steckte ich es zu mir ; ich dachte mir noch kaum etwas dabei . Aber – – laß mich nichts von diesem Tage sagen ! Was ich nie gekannt hatte , ich fühlte mein Herz unruhig werden , es schlug mir bis in den Hals hinauf ; immer wieder fuhr meine Hand von außen an die Tasche , worin das Fläschchen steckte , als wolle sie sich versichern , ob es noch vorhanden sei ; dann wieder , so winzig es war , kam mir die Empfindung , als sei es mir unbequem , als ob es mich drücke , und ich steckte es in die andere Tasche ; o Hans , ich glaube heut , es war mein bös Gewissen , das mich drückte ; aber daran dachte ich damals nicht . Ich hatte persönlich jeder Praxis für die nächste Zeit entsagt und alles meinem Assistenten aufgeladen , der , so gut es gehen wollte , damit fertig wurde . Daher frug niemand nach mir ; ich hatte nach außen hin nichts zu tun . Aber was ich an andern sonst getadelt , ja gehaßt hatte , heute kam es über mich selbst : ohne eigenen Willen und ohne das Maß der Einsicht der Zukunft anzulegen , ließ ich mich den Dingen , die da kommen würden , entgegentreiben ; mit Gewalt nur unterdrückte ich meine kaum zu dämpfende Erkenntnis . Du glaubst mir , daß ich dabei keine Ruhe fand ; bald war ich im Garten , bald am Bette meiner Frau , dann wieder unten in meinem Zimmer . Endlich – endlich neigte sich der lange Tag , die Schatten fielen . Ich ging in unser Schlafgemach , wo Elsi noch ihr Lager hatte und es auch behielt ; die Wärterin stand an ihrem Bette und ordnete ihr blondes Haar , das bei der Unruhe der Kranken sich verwirrt hatte ; aber bei meinem Eintritt warf Elsi ihr Haupt herum und wandte ihr schönes Leidensantlitz zu mir . » Es ist gut , Frau Jans ! Lassen Sie nur ! « sagte sie hastig , und dann zu mir : » Bleib bei mir