von ihren Ratsstuben an diese Bergpfarre gefesselt . Die ehrwürdige Synode aber ermahnt mich , eine faule Friedsamkeit zu predigen , während über meinem Vaterlande stoßfertig die spanischen Raubgeier schweben . Es ist zum Tollwerden ! – Täglich mehren sich die Anzeigen , daß hier unter den Veltlinern eine Verschwörung brütet . Ich kann nicht länger zusehen . Morgen will ich selbst noch eine Rekognoszierung gegen Fuentes vornehmen – du kommst mit , Waser , ich habe einen anständigen Vorwand – und übermorgen reiten wir zum bündnerischen Landeshauptmann nach Sondrio . Er versteht nichts anderes , als am Mark dieses fetten Landes zu zehren , das wir morgen verlieren können , der träge Blutsauger ! Aber ich will ihm so zusetzen , daß ihm der Angstschweiß aus allen Poren bricht . – Du hilfst mir . Waser . « – » In der Tat « , bemerkte dieser zögernd und geheimnisvoll » auch ich habe auf meiner Reise durch Bünden einige Witterung bekommen , daß etwas im Tun sein möchte . « » Und das sagst du mir jetzt erst , Kind des Unglücks ! « rief der andere scharf und gespannt . » Gleich erzähle alles und ganz nach der Ordnung . Du hast etwas gehört ? Wo ? von wem ? was ? « Waser ordnete geschwind in seinem Geiste das Erlebte , um es seinem gewalttätigen Freunde passend vorzulegen . » Auf dem Hospiz der Maloja « , begann er vorsichtig . » Sitzt als Wirt der Scapi , ein Lombarde , also mit den Spaniern einverstanden . Weiter . « » Hörte ich , freilich halb im Schlummer , neben meinem Schlafkämmerlein ein Zwiegespräch . Ich glaubte , es sei von dir die Rede . – Wer ist Robustelli ? « » Jakob Robustelli von Grosotto ist ein ausbündiger Schuft , ein Dreckritter , durch Kornwucher reich und durch spanische Gunst adelig geworden , der Patron und Spießgeselle aller Malandrini und Straßenräuber – jeder Missetat und jeden Verrates fähig ! « » Dieser Robustelli « , sagte Waser mit Gewicht , » trachtet dir , wenn ich richtig hörte , nach dem Leben . « » Wohl möglich ! Das ist nicht die Hauptsache . Wer war der andere , mit dem er zettelte ? « » Ich hörte seinen Namen nicht « , antwortete der Zürcher , der es für Pflicht hielt , dem Herrn Pompejus das Geheimnis zu bewahren , und als Jenatsch ihn drohend anblitzte , fuhr er herzhaft fort : » Und wüßt ich den Namen , so will ich ihn nicht nennen ! « » Du weißt ihn ! . . . Heraus damit ! « drang Jenatsch auf ihn ein . » Jürg , du kennst mich ! Du weißt , daß ich mir diese Faustrechtmanieren nicht gefallen lasse , ich verbitte mir das « , wehrte Waser mit möglichst kalter Miene ab . Da legte ihm der andere liebkosend den starken Arm um die Schultern und sagte mit zärtlicher Wärme : » Sei offen , Herzenswaserchen ! Du verkennst mich ! Nicht für meine Person sorg ich , sondern für mein vielteures Bünden . Wer weiß , vielleicht hängt an deinen Lippen seine Rettung und das Leben von Tausenden ! « ... » Schweigen ist hier Ehrensache « , versetzte Waser und machte einen Versuch sich der leidenschaftlichen Umarmung zu entziehen . Jetzt fuhr eine düstere Flamme über das Antlitz des Bündners . » Bei Gott « , rief er , den Freund an sich pressend , » sprichst du nicht , so erwürg ich dich , Waser ! « und als der Erschrockene schwieg , griff er nach dem Dolchmesser , womit er Brot geschnitten , und richtete die drohende Spitze desselben gegen die Halskrause des Zürchers . Dieser wäre sicherlich auch jetzt noch standhaft geblieben , denn er war im Innersten empört ; aber bei einer unvorsichtigen Bewegung des Sträubens , die er gemacht , hatte der spitze Stahl seinen Hals geritzt und ein paar Blutstropfen rieselten unheimlich warm gegen die Halskrause herunter . » Laß mich , Jürg « , sagte er , leicht erbleichend , » ich will dir etwas zeigen ! « Er holte zuerst sein weißes Schnupftuch heraus und wischte sich behutsam das Blut ab ; dann zog er sein Taschenbuch hervor , schlug das Blatt mit der Skizze der Juliersäulen auf und legte es auf den Tisch hin vor Jenatsch , der das Büchlein hastig ergriff . Der erste Blick des Bündners auf die Zeichnung traf die von Lucretia zwischen die Juliersäulen geschriebenen Worte und er versank plötzlich in finsteres Nachdenken . Waser , der ihn schweigend beobachtete , erschrak innerlich über den Eindruck , den Lucretias von ihm wider Willen übernommene und bestellte Botschaft auf Jürg Jenatsch machte . Er hatte nicht ahnen können , wie rasch der Scharfsinn des Volksführers den Zusammenhang der Tatsachen erriet und wie sicher und unerbittlich er sie verkettete . Trauer und Zorn , weiche Erinnerungen und harte Entschlüsse schienen über den halb Abgewandten wechselnd Gewalt zu gewinnen . » Arme Lucretia ! « hörte Waser ihn aus tiefster Seele seufzen , dann wurde sein Ausdruck immer rätselhafter , verschlossener , und härtete sich zur Undurchdringlichkeit . – » Sie waren auf dem Julier ... ihr Vater ist also in Bünden ... Stolzer Herr Pompejus , du hast einen Robustell zum Spießgesellen ... tief gesunken ! « sprach er fast ruhig . Plötzlich sprang er auf : » Nicht wahr , Waser , meine verwünschte Hitze ? Du hattest auf der Schule davon zu leiden und ich bin ihrer noch immer nicht Herr geworden ! . . . Geh zu Bette und verschlafe dein böses Abenteuer ! – Morgen in der kühlen Frühe machen wir den Ritt nach Fuentes auf zwei untadeligen Maultieren . Du sollst an mir den leidlichen Gesellen finden von ehedem . Unterwegs läßt sich über manches gemütlich plaudern . « Fünftes Kapitel Fünftes Kapitel Herr Waser erwachte vor Tagesanbruch . Als er