der König und kam unwillkürlich auf die Vermutung , irgendeine himmlische Konjunktur , eine Sternstellung habe dem Friedländer ihre beiden Todesstunden im Zusammenhange gezeigt , eine der anderen folgend mit verstohlenen Schritten und verhülltem Haupte . Seltsamerweise gewann diese Vorstellung trotz seines Gottvertrauens plötzlich Gewalt über ihn . Jetzt fühlte der christliche König , daß die Atmosphäre des Aberglaubens , welche den Friedländer umgab , ihn anzustecken beginne . Er tat wieder einen Schritt gegen den Ausgang . » Die Majestät « , endete der Friedländer fast gemütlich seinen Besuch , » sollte sich wenigstens ihrem Kinde erhalten . Die Prinzeß lernt brav , wie ich höre , und ist der Majestät an das Herz gewachsen . Wenn man keine Söhne hat ! Ich bin auch solch ein Mädchenpapa ! « Damit empfahl sich der Herzog . Noch sah der Page , welchem das belauschte Gespräch wie ein Gespenst die Haare zu Berge getrieben hatte , daß Gustav sich in seinen Sessel warf und mit dem Handschuh spielte . Er entfernte das Auge von der Spalte , und in die Kammer zurückwankend , warf er sich neben dem Lager nieder , den Himmel um die Bewahrung seines Helden anflehend , dem seine bloße Gegenwart – wie der Friedländer meinte und er selbst nun zu glauben begann – ein geheimnisvolles Unheil bereiten konnte . » Was es mich koste « , gelobte sich der Verzweifelnde , » ich will mich von ihm losreißen , ihn von mir befreien , damit ihn meine unheimliche Nähe nicht verderbe . « Da er ungerufen blieb , schlich er sich erst wieder zum Könige in jener Freistunde , welche dann zu ihrer größern Hälfte in gleichgültigem Gespräche verfloß . Wenn nicht , daß der König einmal hinwarf : » Wo hast du dich heute gegen Mittag umgetrieben , Leubelfing ? Ich rief dich und du fehltest . « Der Page antwortete dann der Wahrheit gemäß : er habe mit dem Bedürfnis , nach den erschütternden Szenen des Morgens freie Luft zu schöpfen , sich auf das Roß geworfen und es in der Richtung des Wallensteinischen Lagers , fast bis in die Tragweite seiner Kanonen getummelt . Er wollte sich einen freundlichen Verweis des Königs zuziehen , doch dieser blieb aus . Wieder nahm das Gespräch eine unbefangene Wendung und jetzt schlug die zehnte Stunde . Da hob Gustav mit einer zerstreuten Gebärde den Handschuh aus der Tasche und ihn betrachtend sagte er : » Dieser ist nicht der meinige . Hast du ihn verloren , Unordentlicher , und ich ihn aus Versehen eingesteckt ? Laß schauen ! « Er ergriff spielend die linke Hand des Pagen und zog ihm das weiche Leder über die Finger . » Er sitzt « , sagte er . Der Page aber warf sich vor ihm nieder , ergriff seine Hände und überströmte sie mit Tränen . » Lebe wohl « , schluchzte er , » mein Herr , mein Alles ! Dich behüte Gott und seine Scharen ! « Dann jählings aufspringend , stürzte er hinaus wie ein Unsinniger . Gustav erhob sich , rief ihn zurück . Schon aber erklang der Hufschlag eines galoppierenden Pferdes und – seltsam – der König ließ weder in der Nacht noch am folgenden Tage Nachforschungen über die Flucht und das Verbleiben seines Pagen anstellen . Freilich hatte er alle Hände voll zu tun ; denn er hatte beschlossen , das Lager bei Nüremberg aufzuheben . Leubelfing hatte den gestreckten Lauf seines Tieres nicht angehalten , dieser ermüdete von selbst am äußersten Lagerende . Da beruhigten sich auch die erregten Sinne des Reiters . Der Mond schien taghell und das Roß ging im Schritt . Bei klarerer Überlegung erkannte jetzt der Flüchtling im Dunkel jenes Ereignisses , das ihn von der Seite des Königs vertrieben hatte , mit den scharfen Augen der Liebe und des Hasses seinen Doppelgänger . Es war der Lauenburger . Hatte er nicht gesehen , wie der Gebrandmarkte die Faust gegen die Gerechtigkeit des Königs geballt hatte ? Besaß der Gestrafte nicht den Scheinklang seiner Stimme ? War er selbst nicht Weibes genug , um in jenem fürchterlichen Augenblicke die Kleinheit der geballten fürstlichen Faust bemerkt zu haben ? Gewiß , der Lauenburger sann Rache , sann Mord gegen das geliebte Haupt . Und in dieser Stunde unheimlicher Verfolgung und Beschleichung seines Königs hatte sich Leubelfing aus der Nähe des Bedrohten verbannt . Eine unendliche Sorge für das Liebste , was er besessen , preßte ihm das Herz zusammen und löste sich bei dem Gedanken , daß er es nicht mehr besitze , in ein beklommenes Schluchzen und dann in unbändig stürzende Tränen . Eine schwedische Wacht , ein Musketier mit schon ergreistem Knebelbarte , der den schlanken Reiter weinen sah , verzog den Mund zu einer lustigen Grimasse , fragte dann aber gutmütig : » Sinnt der junge Herr nach Hause ? « Leubelfing nahm sich zusammen und langsam weiterreitend entschloß er sich mit jener Keckheit die ihm die Natur gegeben und das Schlachtfeld verdoppelt hatte , nicht aus dem Lager zu weichen . » Der König wird es abbrechen « , sagte er sich , » ich komme in einem Regiment unter und bleibe während der Märsche und Ermüdungen unbekannt ! Dann die Schlacht ! « Jetzt gewahrte er einen Oberst , welcher die Lagerstraßen wachsam abritt . Das Licht des Mondes war so kräftig , daß man einen Brief dabei hätte entziffern können . So erkannte er auf den ersten Blick einen Freund seines Vaters , denselben , welcher dem Hauptmann Leubelfing in dem für ihn tödlichen Duell sekundiert hatte . Er trieb seinen Fuchs zu der Linken des Schweden . Der Oberst , der in der letzten Zeit meist auf Vorposten gelegen , betrachtete den jungen Reiter aufmerksam . » Entweder ich irre mich « , begann er dann , » oder ich habe Euer Gnaden , wenn auch auf einige Entfernung , als Pagen neben dem Könige reiten sehen ? Wahrlich , jetzt erkenne