eilte ihm mit klopfendem Herzen und leuchtenden Augen zu , obwohl sie vorsichtig schritt und den Wein nicht verschütten durfte . Sie trat vor den Bruder und begann den Spruch . Da aber Stemma den Kelch , der dem Comes den Tod gebracht , in den Händen ihres Kindes erblickte und den frischen Mund über seinem Rand , empfand sie einen Ekel und einen tiefen Abscheu . Mit sicherm Griffe bemächtigte sie sich des Bechers , den das überraschte Mädchen ohne Kampf und Widerstand fahrenließ , führte ihn kredenzend an den eigenen Mund und bot ihn dem Höfling mit den einfachen Worten : » Dir und dieser zum Segen ! « Wulfrin leerte den Becher ohne jegliche Furcht . Palma stand bestürzt und beschämt . Da hieß die Mutter sie die Glocke ziehen , die hoch oben in einem offenen Türmchen hing und das Gesinde weither zum Angelus rief . Palma hatte als Kind Freude gehabt das leichtbewegliche Glöcklein erschallen zu lassen und das Amt war dem Mädchen geblieben . Sie fügte sich zögernd . » Frau , warum hast du ihr die Freude verdorben ? « fragte Wulfrin . Stemma wies ihm die Inschrift des Bechers . » Siehe , es ist der Spruch eines Eheweibes « , sagte sie . » Davon lese ich nichts « , meinte er . » Erfreue dich am Wein ! Willkomm . . . ! « Der Finger der Richterin zeigte das Verwischte , aus welchem für ein genauer prüfendes Auge noch drei Buchstaben leserlich hervortraten , ein i , ein K , ein l. Wulfrin erriet ohne Mühe : » Willkomm im Kämmerlein ! « » Du hast recht , Frau « , lachte er . Sie nahm ihn an der Hand und führte ihn vor das Grabmal . Da lag ihm der Vater , die Linke am Schwert , die Rechte am Hifthorn , die steinernen Füße ausgestreckt . Wulfrin betrachtete die rohen aber treuherzigen Züge nicht ohne kindliches Gefühl . Das abgebildete Hifthorn erblickend , hob er in einer plötzlichen Anwandlung das wirkliche , das er an der Seite trug , vor den Mund und tat einen kräftigen Stoß . » Fröhliche Urständ ! « rief er dem in der Gruft zu . » Laß das ! « verbot die Richterin , » es tönt häßlich . « Sie setzte sich auf den Rand des Steinsarges , neben ihr eigenes liegendes Bild , das die betenden Hände gegeneinander hielt , und begann : » Da du nun auf Malmort bist , verlässest du es nicht , Wulfrin , ohne mich – nach vernommenen Zeugen – angeklagt oder freigegeben zu haben von dem Tode des Mannes hier . « Der Höfling machte eine widerwillige Gebärde . » Füge dich « , sagte sie . » Ist es dir keine Sache , so ist es eine Form , die du mir erfüllen mußt , denn ich bin eine genaue Frau . « » Gnadenreich wird dir ausgerichtet haben « , versetzte der Höfling aufgebracht , » daß ich dich nie beargwöhnte , weder ich noch Arbogast , der mir das Zusammensinken des Vaters beschrieben hat . Ich bin kein Zweifler und möchte nicht leben als ein solcher . Es gibt deren , die in jedem Zufall einen Plan , und in jedem Unfall eine Schuld wittern , doch das sind Betrogene oder selbst Betrüger . Der Himmel behüte mich vor beiden ! Hätte ich aber Verdacht geschöpft und Feindseliges gegen dich gesonnen , jetzt da ich dein Antlitz sehe , stünde ich entwaffnet , denn wahrlich du blickst nicht wie eine Mörderin . Wärest du eine Böse , woher nähmest du das Recht und die Stirn , das Böse aufzudecken und zu richten ? Dawider empört sich die Natur ! « Ein Schweigen trat ein . » Aber was ist das für ein dumpfes Dröhnen , das den Boden schüttert ? « » Das ist der Strom « , sagte die Richterin , » der den Felsen benagt und unter der Burg zu Tale stürzt . « » Wahr ist es , Frau « , fuhr der Höfling treuherzig fort , » daß ich dich nie leiden mochte , und ich sage dir warum . Dieser Greis hier mein Vater war ein roher und gewaltsamer Mann . Ich sage es ungern : er hat an meinem Mütterlein mißgetan , ich glaube , er schlug es . Ich mag nicht daran denken . Ins Kloster hat er es gesperrt , sobald es abwelkte . Da ist es nicht zu wundern , wie wir Menschen sind , daß ich von dir nichts wissen wollte , die es von seinem Platze verstieß . « » Nicht ich . Hier tust du mir Unrecht . Da wir so zusammensitzen , Wulfrin , warum soll ich es dir nicht erzählen ? Ich habe deiner Mutter nichts zuleide getan . Kälter und lebloser als diese steinerne war meine Hand , da sie gewaltsam in die deines Vaters gedrückt wurde . Aus dem Kerker hergeschleppt , zugeschleudert wurde ich ihm von dem Judex , der mir einen zitternden und zagenden Liebling von niederer Geburt erwürgt hatte . Nicht jedes Weib würde dir solches anvertrauen , Wulfrin . « » Ich glaube dir « , sagte dieser . » Einer Gezwungenen und Entwürdigten « , betonte sie , » gab dein Vater sterbend die Freiheit . Und ich wurde Herrin von Malmort . Du hast Grund , Wulfrin , dir die Sache zu besehen . Sie ist dunkel und schwer . Betrachte sie von allen Seiten ! Denn du räumst mir ein , vernichtete ich deinen Vater , so bin ich oder du bist zuviel auf der Erde . « » Verhöhnst du mich ? « fuhr er auf , » doch nein , du blickst ernst und traurig . Siehe , Frau , das ewige Verhören und Richten hat dich quälend und peinlich gemacht und wahrhaftig , ich glaube « – seine Augen deuteten auf den Stein –