das damals zur Hälfte aus einem finstern mittelalterlichen Kastell , zur andern Hälfte aus einem neuen prächtigen Palast bestand , den die Mediceerin hatte aufführen lassen . Diese Mischung zweier Zeiten vermehrte in mir den Eindruck , der mich , seit ich Paris betreten , nie verlassen hatte , den Eindruck des Schwankenden , Ungleichartigen , der sich widersprechenden und miteinander ringenden Elemente . Nachdem wir viele Gänge und eine Reihe von Gemächern durchschritten hatten , deren Verzierung in keckem Steinwerke und oft ausgelassener Malerei meinem protestantischen Geschmacke fremd und zuweilen ärgerlich war , Boccard aber herzlich belustigte , öffnete mir dieser ein Kabinett mit den Worten : » Dies ist das Studierzimmer des Königs . « – Da herrschte eine greuliche Unordnung . Der Boden war mit Notenheften und aufgeblätterten Büchern bestreut . An den Wänden hingen Waffen . Auf dem kostbaren Marmortische lag ein Waldhorn . Ich begnügte mich von der Türe aus einen Blick in dies Chaos zu werfen , und weitergehend frug ich Boccard , ob der König musikalisch sei . » Er bläst herzzerreißend « , erwiderte dieser , » oft ganze Vormittage hindurch und , was schlimmer ist , ganze Nächte , wenn er nicht hier nebenan « , er wies auf eine andere Türe , » vor dem Amboß steht und schmiedet , daß die Funken stieben . Jetzt aber ruhen Waldhorn und Hammer . Er ist mit dem jungen Chateauguyon eine Wette eingegangen , welchem von ihnen es zuerst gelinge , den Fuß im Munde das Zimmer auf und nieder zu hüpfen . Das gibt ihm nun unglaublich zu tun . « – Da Boccard sah , wie ich traurig wurde , und es ihm auch sonst passend scheinen mochte , das Gespräch über das gekrönte Haupt Frankreichs abzubrechen , lud er mich ein , mit ihm das Mittagsmahl in einem nicht weit entlegenen Gasthause einzunehmen , das er mir als ganz vorzüglich schilderte . Um abzukürzen schlugen wir eine enge lange Gasse ein . Zwei Männer schritten uns vom andern Ende derselben entgegen . » Sieh « , sagte mir Boccard , » dort kommt Graf Guiche , der berüchtigte Damenfänger und der größte Raufer vom Hofe , und neben ihm – wahrhaftig – das ist Lignerolles ! Wie darf sich der am hellen Tage blicken lassen , da er doch ein vollgültiges Todesurteil auf dem Halse hat ! « Ich blickte hin und erkannte in dem vornehmern der Bezeichneten den Unverschämten , der gestern abend im Scheine der Fackeln Gasparde mit frecher Gebärde beleidigt hatte . Auch er schien sich meiner näher schreitend zu erinnern , denn sein Auge blieb unverwandt auf mir haften . Wir hatten die halbe Breite der engen Gasse inne , die andere Hälfte den uns Entgegenkommenden frei lassend . Da Boccard und Lignerolles auf der Mauerseite gingen , mußten der Graf und ich hart aneinander vorüber . Plötzlich erhielt ich einen Stoß und hörte den Grafen sagen : » Gib Raum , verdammter Hugenott ! « Außer mir wandte ich mich nach ihm um , da rief er lachend zurück : » Willst du dich auf der Gasse so breit machen wie am Fenster ? « Ich wollte ihm nachstürzen , da umschlang mich Boccard und beschwor mich : » Nur hier keine Szene ! In diesen Zeiten würden wir in einem Augenblick den Pöbel von Paris hinter uns her haben , und da sie dich an deinem steifen Kragen als Hugenotten erkennen würden , wärst du unzweifelhaft verloren ! Daß du Genugtuung erhalten mußt , versteht sich von selbst . Du überlässest mir die Sache , und ich will froh sein , wenn sich der vornehme Herr zu einem ehrlichen Zweikampfe versteht . Aber an dem Schweizernamen darf kein Makel haften und wenn ich mit dem deinigen auch mein Leben einsetzen müßte ! – Jetzt sage mir um aller Heiligen willen , bist du mit Guiche bekannt ? Hast du ihn gegen dich aufgebracht ? Doch nein , das ist ja nicht möglich ! Der Taugenichts war übler Laune und wollte sie an deiner Hugenottentracht auslassen . « Unterdessen waren wir in das Gasthaus eingetreten , wo wir rasch und in gestörter Stimmung unser Mahl hielten . » Ich muß meinen Kopf zusammenhalten « , sagte Boccard , » denn ich werde mit dem Grafen einen harten Stand haben . « Wir trennten uns und ich kehrte in meine Herberge zurück Boccard versprechend , ihn dort zu erwarten . Nach Verlauf von zwei Stunden trat er in meine Kammer mit dem Ausrufe : » Es ist gut abgelaufen ! Der Graf wird sich mit dir schlagen , morgen bei Tagesanbruch vor dem Tore St. Michel . Er empfing mich nicht unhöflich , und als ich ihm sagte , du wärest von gutem Hause meinte er , es sei jetzt nicht der Augenblick deinen Stammbaum zu untersuchen , was er kennenzulernen wünsche sei deine Klinge . Und wie steht es damit ? « fuhr Boccard fort , » ich bin sicher , daß du ein methodischer Fechter bist , aber ich fürchte , du bist langsam , langsam , zumal einem so raschen Teufel gegenüber . « Boccards Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an und nachdem er nach ein paar Übungsklingen gerufen – es befand sich zu ebener Erde neben meinem Gasthaus ein Fechtsaal – gab er mir eine derselben in die Hand und sagte : » Nun zeige deine Künste ! « Nach einigen Gängen , die ich im gewohnten Tempo durchfocht , während Boccard mich vergeblich mit dem Rufe : » Schneller , schneller ! « anfeuerte , warf er seine Klinge weg und stellte sich ans Fenster um eine Träne vor mir zu verbergen , die ich aber schon hervordringen gesehn hatte . Ich trat zu ihm und legte meine Hand auf seine Schulter . » Boccard « , sagte ich , » betrübe dich nicht . Alles ist vorher bestimmt . Ist meine Todesstunde auf morgen gestellt , so bedarf es