; denn , wie Dante im wilden Walde , ist er angstvoll den reißenden Bestien entronnen . Seid sein Führer , Bembo . Redet in meiner Gegenwart ohne Zwang und Schleier . Es besteht kein Geheimnis unter uns , wir kennen unsere Gesichter und Masken . ‹ – So quälte uns der grausame Pedant , und wir knirschten unter der Marter ! « – » In der Tat , ein genialer Gedanke des Ehemannes , in seiner Gegenwart den einen Anbeter seiner Frau durch den andern abkanzeln zu lassen ! « lachte Don Giulio . » Das gleicht dem Bruder ! Ich sehe , wie du in verhaltenem Ingrimm die Augen rollst , und wie der schlangengewandte Venezianer seine zerrissene Seele zu einem schmerzlichen rhetorischen Meisterstücke stimmt . Was sagte er denn ? « – » Zuerst zog er die feinen Brauen zusammen und schwieg eine Weile . Dann trat er zu mir und ergriff mitleidig meine Hand . › Herkules ‹ , begann er , › die Zeit drängt ; meine Rosse stampfen vor dem Tore , und mein Geist ist schon unterwegs . Möge diese meine letzte Minute Frucht tragen mit der Hilfe Gottes ! Ich habe keine Zeit , meine Worte zu wägen ; und da die Hoheit selbst es ausgesprochen hat , daß hier kein Geheimnis walte , so enthülle ich schonungslos das Antlitz der Dinge . Dein Leiden ist ein wundersamer Fall . Nicht wie mich armen Sünder , besiegt dich die Übergewalt des weiblichen Reizes . Du bist weit gefährlicher krank ; denn dein Übel entspringt auf dem Gebiete deines stolzen und eigenwilligen Geistes . Dein strenger Rechtssinn verdammt das , was dein Auge beglückt und das Feuer deines Herzens entzündet . Das ist dein Widerspruch und dein Irrsal . Der Richter wird entflammt für die von ihm Gerichtete . Besieh dir doch ihr Schicksal ! Ein kindliches Weib , in unselige Abhängigkeiten hineingewachsen , schuldig schuldlos , wie die liebliche Frauenschwachheit ist , flieht , von innerer Klarheit erhellt , mit zitternden Füßen aus dem Banne des Bösen und ergreift die ihr gebotene Hand eines seltenen , ja einzigen Mannes , der dein Fürst ist , o Strozzi ! und ein weiser Erforscher der Menschennatur . Er erkennt die edle Anlage Lucrezias und zieht sie in göttlicher Weise mit sich empor . Nun werden ihre Schritte täglich sicherer , und immer größeres Wohlgefallen gewinnt sie an der Tugend und an ihren belohnten Kämpfen . Da kommst du , Unseliger , siehst die Emporgehobene in den Armen ihres Schutzengels , verurteilst sie zu den Höllenkreisen und stürzest dich auf sie , um dein Urteil selbst auszuführen . Wehe dir , du bist ihr verfallen ! Du umklammerst ihre Kniee ; sie aber wird sich von dir lösen , und du stürzest allein in die Tiefe ! Armer Ixion , du umschlingst statt der Göttin die Wolke , und daß dein Frevel völlig unausführbar und unmöglich ist , das allein entschuldigt ihn . Frage dein Herz , Strozzi ! ‹ und der Venezianer drückte mir in Tränen die Hand . › Fühlst du nicht , wie rührend und geschmackvoll die neue Lucrezia ist , die in ihrer stillen und bedachten Weise das schlichte Gute tut und ohne prunkende Buße sich mit den allgemeinen Tröstungen der Kirche begnügt . Wenn du die einfache Anmut dieser Erscheinung betrachtest , beschleicht dich nicht der Zweifel , ob die Verleumdung , das Laster unserer Zeit – denn wir alle verleumden und werden verleumdet – sich nicht an diesem erlauchten Weibe mehr als an andern vergangen und das menschlich natürliche Bild einer Dulderin ins Dämonische verzerrt habe ? ‹ ... « Das laute Gelächter seines Freundes unterbrach ihn . » Das ist stark ! « rief Don Giulio . » O Jahrhundert unverschämter Wahrheit und gründlicher Lüge ! « Da zuckte er leicht zusammen , denn ein leiser Fingen berührte seinen freien Nacken . Kurz wandte er sich um und blickte in das abgezehrte und feindliche Gesicht des Kardinals , dessen langsames Emporsteigen das Springen der Wasser übertönt und verborgen hatte . » Ich glaube , der Herzog erwartet uns beide « , sagte Ippolito , über das Wort seines jungen Bruders , das er noch aufgefangen hatte , unwillkürlich lächelnd . » Folget mir ohne Verzug ! « Und er verschwand in der Villa . » Ich verlasse dich , Herkules ! « sagte der Este . » Nur eines muß ich noch wissen : Woher deine tödliche Blässe , die mich erschreckte , da ich dir hier entgegentrat ? « » So höre denn das Ende des Auftritts und das Meuchelwort des Herzogs ! Zuerst sagte er ruhig und finster : › Euer Bildnis der Herzogin , Bembo , ist treffend und nicht geschmeichelt . ‹ Er fixierte uns beide . Mit meiner Miene schien er nicht zufrieden . Es erhob sich etwas Heißes in ihm , und er wandte sich drohend gegen mich . › Ich frage mich , Strozzi ‹ sagte er , › ob Eure Leidenschaft nicht gelegentlich Euern Gehorsam gegen den Fürsten und das Gesetz zu Euerm Unheil ins Wanken bringen könnte ! Nicht zwar auf Euerm eigensten Boden in Rechtsfragen , da halte ich Euch für unbestechlich und unterordne mich Eurem Urteil . So bin ich zum Beispiel überzeugt , daß Ihr in dem Erbstreite meines Fiskus mit dem Grafen Contrario das Rechte finden werdet . Auch wird Euch hier die Herzogin trotz ihrer Begünstigung des Grafen nie irreleiten ; aber es gibt einen Fall und eine Stunde , die sie ihres klaren Sinnes berauben werden . Ihr verderblicher Bruder wird Italien wiederum betreten und uns verwirren . Ich werde meinen Untertanen jede Verknüpfung mit ihm verbieten . Doch meine erste Untertanin , die Herzogin , wird nicht gehorchen ; denn sie kann es nicht , es steht nicht in ihrer Macht . Mit den härtesten Strafen werde ich verhüten , daß sie kein Werkzeug finde , und doch wird sie eines finden