Meinetwegen ! Das Titianhaar ist ja jetzt en vogue – die Romane wimmeln von rotköpfigen Heldinnen , die alle unsäglich geliebt werden – Geschmacksache ! ... An einer Geliebten wäre es mir undenkbar , aber bei meiner Frau – ! ! « Er stäubte am Terrassengeländer die Asche seiner Zigarre und rauchte behaglich weiter . Liane zog instinktmäßig den dichten Schleier über das Gesicht ; nicht einmal die Schwester , die in wortlosem Grimme und Schmerze auf den Sprechenden hinunterstarrte , durfte die tiefe Glut der Scham , der Demütigung auf ihren Wangen sehen . – Drüben umkreiste die Gräfin Trachenberg an der Seite des Geistlichen das Parterre ; sie kam rasch näher und eilte die Treppe der Terrasse herauf . » Auf ein Wort , bester Raoul ! « bat sie und legte ihren Arm in den seinigen . Langsam mit ihm auf und ab gehend , plauderte sie über alltägliche Dinge , bis die beiden anderen Herren sich so weit entfernt hatten , daß sie kein Wort mehr auffangen konnten . » Apropos , « sagte sie plötzlich stehen bleibend , » du wirst meinem besorgten Mutterherzen Rechnung tragen und mich nicht für gar zu indiskret halten , wenn ich noch im letzten Augenblicke eine penible Angelegenheit berühre – darf ich erfahren , wieviel Nadelgeld du Lianen zugestehst ? « Die Schwestern konnten sehen , wie er amüsiert die Frau mit dem » besorgten Mutterherzen « fixierte . » Genau so viel , wie ich meiner ersten Frau zugestanden habe – dreitausend Thaler . « Die Gräfin nickte befriedigt . » Die kann sich freuen – ich war als junge Frau übler dran . « – Der Mann neben ihr belächelte spöttisch den tiefen Seufzer , den sie ausstieß . – » Und nicht wahr , Raoul , du bist auch ein wenig gut mit ihr ? « setzte sie affektiert gefühlvoll hinzu . » Was verstehen Sie darunter , Tante ? « fragte er , sofort seinen Schritt hemmend , mit mißtrauischem Blicke und in sehr scharfem Tone . » Halten Sie mich für so plump und taktlos , daß ich gegenüber meiner Frau , der Trägerin meines Namens , jemals die schuldige Artigkeit aus den Augen setzen könnte ? ... Wollen Sie aber mehr , dann ist es gegen die Abrede . – Ich brauche eine Mutter für meinen Knaben und eine Herrin für mein Haus , die mich in meiner Abwesenheit vertritt – und ich werde viel , sehr viel abwesend sein . Das alles wissend , haben Sie mir Juliane als ein sanftes , weibliches Wesen zugesagt , das sich vortrefflich in die Stellung finden werde ... Liebe kann ich ihr nicht geben ; ich bin aber auch gewissenhaft genug , in ihrem Herzen keine wecken zu wollen . « Schmerzlich aufweinend breitete Ulrike ihre Arme aus und zog die Schwester an ihr Herz . » Um Gott – ereifere dich doch nicht , Raoul ! « bat eingeschüchtert die Gräfin drunten . » Du hast mich völlig mißverstanden . Wer spricht denn von einem so sentimentalen Verhältnis ? Das könnte doch mir am allerwenigsten einfallen ... Ich appelliere einfach an deine Nachsicht . Du hast ja heute selbst gesehen , wie weit das › ewig Weibliche ‹ in seiner Bescheidenheit gehen kann – uns einen solchen Streich zu spielen mit der Brauttoilette ! « » Lassen Sie das , Tante – Juliane kann darin handeln , wie sie Lust hat . Wenn sie sich in die Verhältnisse zu schicken weiß – « » Dafür stehe ich ein ... Gott – es ist ja so unsäglich traurig , es ausprechen zu müssen – aber Magnus ist eine Schlafmütze , ein Mann ohne alle Energie , eine Null , allein was ich an ihm verabscheue , das ziert seine Schwester – Liane ist ein unbeschreiblich harmloses Kind , und wenn erst Ulrike , der böse Geist meines Hauses , nicht mehr auf sie einzuwirken vermag , dann kannst du sie um den Finger wickeln . « » Mama ist sehr rasch in ihrem Urteil , « sagte Liane bitter , während die Schritte der Sprechenden drunten sich immer weiter entfernten . » Sie hat sich nie Mühe gegeben , einen Blick in mein Seelenleben zu werfen – wir waren zu allen Zeiten Fremden überlassen ... Warum weinst du , Ulrike ... Wir dürfen auf den kalten Egoisten da unten keinen Stein werfen – habe ich denn mein Herz befragt , als ich meine Hand in die seinige legte ? Ich habe › Ja ‹ gesagt aus Furcht vor Mama – « » Und aus Liebe zu mir und Magnus , « ergänzte Ulrike mit so tonloser Stimme , als sei sie für immer gebrochen an Leib und Seele . » Wir haben alles aufgeboten , dich zu überreden ; wir wollten dich retten aus der Hölle unseres Hauses und sind nicht einen Augenblick im Zweifel gewesen , daß du Liebe finden müßtest , wohin du auch kämest – und nun wird sie dir so systematisch verweigert ... Du , so jung – « » So jung ? ... Ulrike , ich werde im nächsten Monat einundzwanzig Jahre alt ; wir haben viel Bitteres und Schmerzliches zusammen verlebt – ich bin durchaus nicht das Kind an Erfahrung und Lebensanschauung , als welches Mama mich eben hingestellt hat ... Laß mich ohne Sorge mit Mainau gehen – ich will seine Liebe nicht , und bin stolz genug , ihn darüber nie im Zweifel zu lassen . Meine Institutszeugnisse bezüglich der Sprachfertigkeit geben mir sehr viel Mut – die Baronin Mainau zieht heute in Schönwerth ein , in Wahrheit aber nur die Erzieherin des kleinen Leo . Ich habe dann einen edlen Wirkungskreis und kann vielleicht manches Gute stiften – mehr will ich nicht für mein ganzes Leben ... Lasse und jetzt Abschied nehmen , Ulrike – bleibe hier bei Papa , während ich das Haus verlasse ! « Sie umarmte die zurückbleibende Schwester wiederholt und stürmisch ,