alle jungen Damen ihrer Kreise lustig machte und es mit boshaftem Spott betonte , daß es ihn stets Überwindung koste , die » geschnürten Mamsellchen « auch nur beim Tanzen zu berühren , sie würde wohl große Augen gemacht haben angesichts der beschämenden Lage , in die er sich selbst gebracht hatte ... Aber es war vorhin wie ein Rausch über ihn gekommen , und das Berückende hatte in der Stimme gelegen , die aus dem mystischen Dunkel der Umhüllung herausgeklungen hatte wie ein interessantes Rätsel . Ebenso rasch , wie er heruntergekommen war , sprang er das Treppchen wieder hinauf , warf die Glastür heftig hinter sich zu und trat grollend an eines der Fenster ... Ach was , weshalb regte er sich denn eigentlich in tiefster Seele auf ? – Von all seinen Freunden verschmähte es keiner , ein hübsches Stubenmädchen oder Kammerkätzchen unter das Kinn zu fassen , gelegentlich auch einen Kuß auf eine runde , rosige Wange zu drücken , und wem wäre es je eingefallen , darin etwas Verächtliches für den Attentäter zu finden , selbst wenn die Betroffenen sich wehrten und sich sträubten ? War es ein Verbrechen , daß er den scheußlichen groben Strohhut und das » Scheuleder « berührt hatte ? – Einzig und allein sein Blick war es gewesen , um deswillen er zurechtgewiesen worden war , wie ein Profaner , der unerlaubterweise in das Allerheiligste dringt ... Das Mädchen arbeitete auf dem Felde – mußte sie sich nicht auch dreiste Blicke gefallen lassen von jedem Handwerksburschen , der zu ihr trat , um nach dem rechten Weg zu fragen ? ... Aber freilich , sie war ja auch » Kammerjungfer « auf dem Vorwerk ; » die Kultur hatte sie beleckt « ; sie besaß unleugbar scharfen Verstand und von Natur aus Schlagfertigkeit des Geistes , und hielt sich deshalb nahezu für eine Familienangehörige des Amtmanns , obgleich sie das Grünfutter auf dem Kopfe heimschleppen und mit Hacke und Rechen auf den Ackern und Wiesen hantieren mußte . So sehr er sich auch bemühte , die Sache von der humoristischen Seite zu nehmen und schließlich darüber zu lachen , er wurde doch nicht Herr über das widerwärtige Gefühl , eine Lehre erhalten zu haben , die ihn zeitlebens ärgern mußte . Für heute wenigstens war ihm die Laune gänzlich verdorben ... 5. Herr Peter Griebel unterbrach dieses unerquickliche Nachsinnen . Er kam vom Felde heim und erzählte dem Gutsherrn unter vergnüglichem Händereiben , daß die Absteckpfähle der Eisenbahningenieure drüben im Wiesengrund eingerammt würden – der Ackerboden bleibe unberührt seitwärts liegen . Dagegen habe der Amtmann Franz einen » Mordspektakel « erhoben . – Peter Griebel hatte in ziemlicher Entfernung seinen Protest voll Gift und Galle , sein Poltern und Schimpfen mitangehört . Der Schienenweg sollte aber auch direkt durch den Vorwerkshof und so nahe an der südlichen Ecke des Wohnhauses hinlaufen , daß der alte , morsche Bau in wenigen Jahren notwendig als Schutthaufen in sich zusammenstürzen mußte . Bei dieser Meldung erinnerte sich Herr Markus des Briefes , den er in die Tasche gesteckt und über dem Zusammentreffen mit dem Mädchen vergessen hatte . Er erbrach ihn und überflog halb belustigt , halb geärgert den Inhalt – die Leute auf dem Vorwerk waren doch samt und sonders , vom Herrn bis auf die Magd herab , unverbesserlich vom Hochmutsteufel besessen – eine merkwürdige Gesellschaft , ein lächerliches Gemisch von Schwindelei , Anmaßung und Zimperlichkeit ! – Der Amtmann ließ die Tatsache vollständig unbeachtet , daß ihm durch den Rechtsanwalt des Erben der Pachthof seit Jahresfrist gekündigt worden war . Er protestierte in nachdrücklicher Weise gegen das laxe Verhalten des Gutsherrn der Eisenbahnfrage gegenüber , durch welches er , sein Pächter , in seinem Dasein geschädigt würde . Nie und nimmer werde er darauf eingehen , den Wirtschaftshof hinter das Haus zu verlegen , so wenig wie er sich gefallen lasse , daß ihm seine Wohnung eines schönen Tages über dem Kopfe zusammengerumpelt werde . – Schließlich berührte er sehr von oben herab mit wenigen flüchtigen Worten den Umstand , daß er mit » dem bißchen Pachtgeld « allerdings noch im Rückstand sei , aber er erwarte täglich eine bedeutende Geldsendung , die sein Sohn , ein grundreicher Mann in Kalifornien , unbegreiflicherweise verzögere – sofort nach Eintreffen des Geldes werde » die Kleinigkeit « berichtigt werden . » Ja , ja , so macht ' s der Amtmann ! « lachte Peter Griebel gutmütig , nachdem ihm Herr Markus den Briefinhalt mitgeteilt hatte . » Er ist eben ein närrischer Kauz – « » Ein närrischer Kauz ? Was du doch immer für gemütliche Ausdrücke hast , Peter – ein Erzaufschneider ist er ! « unterbrach ihn seine Frau . Sie hatte Petersilie vom Beet geschnitten , war auf die oberste Stufe des Gartenhaustreppchens von der Gartenseite her gestiegen und streckte die Faust mit dem dicken Petersilienbündel warnend durch die offene Tür . » Lassen Sie sich um Gottes willen mit dem nicht ein , Herr Markus – Sie werden übers Ohr gehauen , daß Ihnen Hören und Sehen vergeht ! Der denkt auch wie der Vogel Strauß , wenn er die Augen zumacht , da sieht ' s kein Mensch , in was für ein Hungerloch er sich durch seine eigene Schuld gesetzt hat ... Mit dem Sohn in Kalifornien will er Ihnen auch nur Sand in die Augen streuen , wie all den dummen Leuten , die ihm geborgt haben ... Mag schon ein schönes Früchtchen sein , der Herr Sohn von so ' nem alten Schwindler ! « » Mach ' s doch nicht gar zu schlimm , Jettchen ! Bist doch sonst nicht so ! « sagte ihr Mann . » Von der Frau Oberforstmeisterin weiß ich , daß der junge Franz ein guter Mensch gewesen ist – nur der Zorn und Jammer über die elende Wirtschaft auf der Domäne hat ihn in die weite Welt getrieben . Er soll auch einmal ein großes Stück