blieb draußen , während sie hinter der Ladentür verschwand . Einen Moment wartete er noch , dann ging er weiter . Also das war Gertrud Baumhagen ! Es berührte ihn förmlich unangenehm , daß sie so hieß , er hatte von vornherein ein Vorurteil gefaßt gegen diesen Namen , er war ihm gleichbedeutend mit kleinstädtischem Protzentum . Die Unterhaltung an der Wirtstafel kam ihm in Erinnerung . Er hatte sich eine schnippische , helle Blondine vorgestellt , die den Vorzug , eine Baumhagen zu sein und das reichste Mädchen der Stadt , in allerhand vagen Launen an ihren Verehrern auszulassen pflegte . Nun fand er das Trudchen aus der Kirche , ein holdes , schlankes Geschöpf , ein Mädchen mit einfachem , unverbildetem Gemüt , das keinen anderen Stolz besaß als den eines edlen Weibes . Unwillkürlich ging er rascher . Er wollte der freundlichen Aufforderung , an dem Feste teilzunehmen , nachkommen . Aber am Eingang des Hotels war er wieder anderer Meinung . Er mochte sie nicht als moderne Gesellschaftsdame sehen , wollte nicht das liebliche Bild verwischen , das er vorhin durch die kleinen Fenster erblickt in dem ärmlichen Stübchen . Er hätte es auch nicht ertragen , wenn sie ihm im kerzenhellen Ballsaale mit jener Herablassung entgegengetreten wäre , die er heute an ihr tadeln hörte . Er beschloß , nach Hause zu fahren . 54 In diesen Gedanken war er nochmals die Straße zurückgegangen ; nun stand er plötzlich vor dem Blumenladen . Nach raschem Besinnen trat er ein und verlangte einen einfachen Strauß . Die Verkäuferin hielt gerade ein wagenradähnliches Monstrebukett mit reicher Spitzenmanschette in der Hand , um es einem Boten zu übergeben . » Also an Fräulein Baumhagen « , bestellte sie dem Ausläufer , » hier die Karte . « Franz Linden erblickte darauf ein großes Wappen über dem Namen . Unschlüssig trat er zurück . Da wandte sich die Verkäuferin zu ihm . » Einen einfachen Strauß « , wiederholte er nun doch . Es war keiner mehr vorrätig , man wollte jedoch rasch einen binden . Der junge Mann wählte selbst die Blumen aus dem mit nassem Sand gefüllten Zinkkasten und reichte sie hin . Es mußte ihm eine angenehme Beschäftigung sein , denn er nahm immer wieder eine Rose zurück und gab dafür eine schönere . Endlich war es vollendet , ein graziöses Bukett aus weißen Rosen , die Kelche zart rosa gefärbt wie schämiges Mädchenerröten ; Frauenhaar und zierliche Farne dazwischen . Er betrachtete es noch einmal , zahlte und ging zum Hotel zurück . Dort legte er die Blumen auf den Tisch , ließ sich vom Kellner Schreibzeug und ein Kuvert bringen , nahm eine Visitenkarte und schrieb . Mitten darin hörte er auf . Er lächelte , » ' s ist ein Unsinn « , sprach er halblaut , » sie wird längst das große Bukett in der Hand 55 halten . « – Dann schrieb er weiter und überlas noch einmal : Darf der Gevatter heut den Strauß dir senden , Den eigentlich nach Recht und alter Sitte Beim Tauffest schon er hätte sollen spenden ? Bescheiden naht er ; seine Rosen wagen Dir stummen Gruß zu flüstern und die Bitte , Du wolltest sie an diesem Abend tragen . Er lächelte wieder , kuvertierte und gab vor dem Hotel Brief und Blumen einem Dienstmann mit der Weisung , dem Fräulein Baumhagen beides zu überbringen . Und nun kam ihm ein Gedanke . – Um acht Uhr begann das Fest ; in zehn Minuten war es so weit – er wollte Trudchen Baumhagen sehen , sehen – ob sein Strauß – – Unsinn ! Wie sollte sie dazu kommen ? Aber dennoch , er wollte warten . » Gut , daß der Amtsrichter das nicht mit ansieht ! « flüsterte er vor sich hin . Es war ihm zumute wie einem Kinde vor Weihnachten , so froh und so erwartungsvoll , während er an der Marktseite vor dem Hotel auf und ab wanderte . Endlich schlug es acht Uhr . Verschiedene Herren zu Fuß waren längst angekommen , dann auch Damen , und nun rollte der erste Wagen heran , zierliche Füßchen schlüpften über das Trittbrett und helle Seide rauschte . Ein Gefährt löste das andere ab . Jetzt eine elegante Equipage mit prächtigen Eisenschimmeln , eine leichte , reizende Frauengestalt im hellblauen , spitzenüberfluteten Gewande bog sich 56 vor und silberhelles Lachen schallte in Lindens Ohr . » Frau Fredrich ! « hörte er im Publikum murmeln , das sich schaulustig hinter ihm aus soundso viel Kindern , Weibern und Dienstmädchen um die Hoteltreppe versammelt hatte . » Also ihre Schwester ! « Wie eine liebliche Fee schwebte die junge , blonde Frau die Treppe empor , gefolgt von dem Gatten im tadellosen , schwarzen Frack , der ihr Fächer und Bukett nachtrug . Das Gespann rasselte über den Markt zurück , um in weniger als fünf Minuten wiederzukehren . – » Trudchen ! « flüsterte Linden und zog sich unwillkürlich etwas mehr in den Schatten zurück . Eine kleine volle Dame in lichtgrauer Toilette entstieg dem Wagen – dann war sie hinausgeglitten und stand hinter der Mutter , schlank und leicht , in schimmernd weißem , seidenem Gewand , die schönen Schultern leicht verhüllt , und in der Hand einen wohlbekannten Strauß blasser Rosen . Aber das war nicht das Mädchen von vorhin ! Der kleine Kopf hatte sich etwas in den Nacken gebogen , als zöge der schwere , lichtbraune Haarknoten ihn zurück , und ein Ausdruck von stolzer Kälte lag über dem klaren Gesicht , den er vorhin nicht bemerkt hatte . Zwei Herren stürzten den Damen entgegen . Der erste bot galant der Mutter den Arm , der andere näherte sich dem jungen Mädchen . Mit unnachahmlich stolzer Gebärde dankte sie , kaum die Fingerspitze auf seinen Arm legend ; dann , wie ein 57 holder Spuk , war es verschwunden , das Bild , das er mit durstigen