bei den verschiedenen Herrschaften zugebracht hatte ; einmal waren es sogar drei neue Stellen 51 in demselben Jahre gewesen . » Man hat mitunter Unglück , « meinte Auguste , » und es kommt doch auch vor , daß man sich gegenseitig mal nicht zusagt , und zweimal kamen Todesfälle vor und einmal ließ sich eine scheiden von ihrem Mann , ich bin aber immer gut auseinander gegangen mit den Herrschaften . « Großvater saß in der Sofaecke , rauchte und räusperte sich ob dieser Antwort . Großmutter wiederholte nur fragend : » Gegenseitig nicht zusagt ? Hm ! Na , ich werd ' s mit dir versuchen , mein Kind , und sollten auch wir uns › gegenseitig nicht zusagen ‹ , so – wir sind ja nicht verheiratet miteinander – so werde ich dir das unverhohlen mitteilen . « Auguste empfing acht Groschen Mietsgeld und empfahl sich mit Zurücklassung ihres Dienstbuches und der Versicherung , Frau Oberförsterin werde gewiß mit ihr zufrieden sein , und vierzehn Tage vor der bestimmten Zeit komme sie gern , weil sie grad stellenlos sei wegen Versetzung ihrer letzten Herrschaft . Als sie aber das Zimmer verlassen hatte , schickte Großmutter mich hinterher , ich sollte doch lieber noch fragen , ob sie etwa einen Schatz habe , denn man könne ja nicht wissen , ob – trotz ihrer Vierzig . Im Flur scheuerte Kathrin grad die Fliesen , sie lag auf den Knieen , und zwar dicht vor den Stufen , die zu dem Zimmer 52 emporführten , aus dem die Neue eben trat . Kathrins Gesicht in diesem Moment hätte ganz gut zu dem Modell einer Furie dienen können , nur die Schlangen fehlten , die um den Kopf züngeln ; dafür hatte sie ein Tuch turbanartig umgeschlungen , wie immer Sonnabends beim Reinmachen , und darunter hervor blitzten ihre Augen die Nachfolgerin an voll tödlichsten Hasses , und just als diese ihren Fuß auf die Fliesen setzte , nahm Kathrin ihren Eimer und goß ihn platsch ! nach der Richtung aus , wo Auguste stand , die sich mit einem Aufkreischen und im Sprunge zur Seite rettete , während Kathrin noch ein paar Hände voll Sand in die entstandene Pfütze pfefferte und dann wie wahnsinnig zu scheuern begann . Ich kam nicht mehr dazu , den delikaten Auftrag Großmutters auszuführen , denn Auguste war mit einem zweiten Sprung schon vor der Haustür und schrie durch diese zurück : » So ' ne flegelhafte olle Kröte ! « worauf sie verschwand . Kathrin sandte ihr aber einen stummen Wutblick nach . » Liebe Kathrin , das wird ja allem Anschein nach recht erbaulich werden , wenn Sie mit der › Neuen ‹ noch vierzehn Tage zusammen sind ! « sagte ich ärgerlich . » So ' n Spatzenschüchter ! So ' ne Schlumpe ! Und das miet ' t sich gnä ' Frau ! « machte Kathrin jetzt ihrem Herzen Luft . » So ' ne Essigbutte , so ' ne giftgrüne Kreuzspinne , un daß die maust , das seh ' ich ihr all an die Nase an . « » Kathrin , sie maust Ihnen ja nichts ! « » Un ich seh ' schon meine Küche , wie die aussieht nach vier Wochen , wie ein Sweinestall ! Un lang ' hält ' s Frau Oberförsterin auch nich aus mit die , un dann paßt das ja ganz gut , dann kann sie ja am ersten Mai wieder abziehen , direkt auf ' m Besenstiel nach ' m Blocksberg , wo sie hingehört , die Hexe infamige ! « » Wenn Sie etwa glauben , Kathrin , durch so ein ungehöriges Betragen Ihr Abgangszeugnis zu verbessern , so irren Sie sich , « tadelte ich empört . » Nehmen Sie sich in acht , daß die Frau Oberförster Ihre Rede nicht hört ; ich bitte recht dringend um anständige Aufführung , solange Sie noch hier sind . « Sie senkte den Kopf , schwieg und scheuerte weiter , aber ihr 55 Gesicht trug plötzlich wieder jenen gramvollen Zug um den Mund , der aus einem durch und durch erschütterten Herzen stammte . Ich wandte mich um und ging ins Zimmer zurück ; hinter mir schollen leise demütige Worte : » Ach , Fräulein , sagen Sie doch man nichts zu Frau Oberförsterin . « Das verweinte Gesicht des Mädchens hatte mich sanfter gestimmt , und Nachmittags , ehe ich fort fuhr , fragte ich sie wiederum , ob sie schon einen Dienst habe . Sie schüttelte den Kopf . » Nee ! « » Aber es ist doch schon in vier Wochen Ziehzeit , Kathrin ! « » Ich habe noch keine Zeit gehabt , mich umzutun , gnä ' Fräulein . « » Hören Sie , Kathrin , die Frau Pastor Wernicke sucht ein tüchtiges Mädel . Stellen Sie sich dort vor ; bitten Sie Großmama , vielleicht erlaubt sie es Ihnen , mit mir zu fahren , – zurück können Sie mit der Post – « » Nee ! Ich hab ' keine Zeit – Frau Oberförster ihre Hauben muß ich waschen , sie hat man noch zwei reine , und ich will sie doch alles ordentlich hinterlassen . « » Aber nachher stehen Sie da und wissen nicht wohin , Kathrin ! Die Hauben können Sie ja morgen waschen . « » Nee ! Da fang ' ich an mit ' s große Reinemachen ; die › Neue ‹ soll sonst wohl sagen , sie sei in Dreck und Speck gekommen , un überhaupt – zu Wernickens zieh ' ich nich . « » Warum denn nicht ? Kennen Sie die Herrschaften denn ? « » Nee – hab ' auch gar kein Verlangen nich – « » Na , dann helfen Sie sich allein , « erklärte ich ärgerlich und fuhr davon . 56 So an die vierzehn Tage kam ich nun nicht wieder hinaus zu den Großeltern , erst als der Zeitpunkt nahte