freilich besser verstehen , “ entgegnete ich , „ bin ich doch kein Höfling und kein Prinz und habe es nicht zu Paris erlernet , wie man seines Freundes Weib verführet . “ Aber er achtete meiner bitteren Worte kaum , schier verzweifelt geberdete er sich , und wie ein Rasender bot er Knechte und Jägerburschen auf , die Frau zu suchen , und jammernd und schreiend lief Jobstens Weib umher , immer dasselbe wiederholend : die Frau habe sich ein Leides angethan ; sie sei schon lange so wirr und verstört gewesen und habe zuweilen so arg geschrieen und geweinet . „ Herr , “ jammerte das Weib und fiel vor mir nieder auf die Stufen der Freitreppe , wo ich noch immer stand , als sei ich zu Stein geworden , „ Herr , ich überleb ' s nicht ; sie ist in den See gegangen , in den See . “ Mir aber klangen die Worte in die Ohren , die Friederike am Hochzeitsabend gesprochen : „ Dann wäre ich fortgegangen , und Du hättest mich nicht wiedergefunden . “ Warum wollte sie damals fort ? Weil sie wähnte , ich könne sie nicht lieben , und doch galt ihr diese Liebe ein Nichts ; sie ward treulos bei der ersten Versuchung , so ihr entgegentrat . Dann packte mich wieder eine wilde Verzweiflung ; Gott , wenn es wahr wäre , wenn sie im See läge , bleich und todt ! Ich stürzte die Stufen hinunter ; ich wollte sie suchen , aber – was ging sie mich an ? Ein Anderer suchte sie ja schon mit aller Liebesangst – sie selbsten hatte mir das Recht dazu genommen . Ich ging in mein Gemach und begann dorten auf und ab zu wandern ; dann und wann streifte mein Blick das Schießzeug , und ich dachte , ob ' s nicht besser sei , dem elenden Leben ein Ende zu machen . „ Um eines Weibes willen , die treulos ? “ fragte ich dann , „ ist dein Leben nicht mehr werth , denn solchen Preises ? “ Ich stieß die Thür zu ihrem Zimmer auf ; es stund und lag Alles , als sei sie nur eben hinausgegangen – auf dem Tischlein am Fenster Bücher , die ihr Prinz Christian gebracht , ein Spitzentüchlein , wie sie es so gern über dem Haar trug , und in einem Krystallgläschen ein Waldstrauß , rothe Ebereschen und bunt gefärbtes Eichenlaub ; das kleine Spinnrad mit den Elfenbeinverzierungen war zur Seite geschoben ; ich meinete , das blasse Händlein an dem feinen Faden zu sehen , den schmalen Fuß auf dem Trittbrett . „ Friederike , Friederike ! “ rang es sich aus meiner Brust , „ es kann ja nicht sein ; es ist nur ein Träumen gewesen , ein entsetzlich Träumen ; Du mußt wieder kommen ; es muß werden wie früher , nein , besser , schöner noch ; was hab ' ich Dir gethan , daß Du mich so elend gemacht ? “ Aber es blieb still um mich , todtenstill – und so lag ich vor ihrem Stuhle , Stunde um Stunde , und hielt das Tüchlein an meine brennende Wange gedrückt , bis die Dunkelheit herniedersank ; nur das Ticken der Uhr mahnte , daß die Zeit nimmer stillstund . Dann ein Gewirr von Stimmen , das Jammerrufen der Jobstin , und als ich hinausstürzete , da sah ich in dem unstäten Lichte einer Fackel – mein Weib ! Prinz Christian trug sie in seinen Armen und legte sie eben auf ein Bänklein , und dorten lag sie seltsam starr und bleich , und von den langen blonden Haaren und den Gewändern rieselte es klar und hell , und eine lange nasse Spur zog sich durch die Haare . Das Herz stand mir still ; ich mußte mich an die Wand stützen , und still und lautlos war es rund umher geworden unter den Menschen , so die Halle fülleten . Dann wollte ich hinüber zu ihr , aber Prinz Chritian vertrat mir den Weg und erhob abwehrend die Hand . „ Was willst Du noch von ihr ? “ Da wandte ich mich zurück ; und schritt wieder in mein Gemach . – Johannes , und als das Frühroth hereinbrach , da war ich ein Anderer geworden – Sie sagten ja , ich habe ein Herz von Stein , sie wußten aber nicht , wie weich es gewesen . Ich fragte nicht einmal , wohin man sie betten wollte – was ging es mich auch an ? Man behandelte mich , als sei ich ein Fremdling in diesem Hause ; die alten Tanten kamen aus dem Stifte , aber nach mir forscheten sie nicht ; ich war ja ein herzloser Mensch , gefühlloser denn ein Stein ; ich hatt ' sie verkümmern lassen an meiner Seite – ich hatt ' sie in den Tod gejagt . Die Nacht vor dem Begräbniß aber schlich ich mich in den Saal , da man sie aufgebahret hatte ; hell schien der Mond durch die Fenster und zeigte mir das Antlitz , so ich mehr geliebt als mein Leben , und das itzo im kalten grauenvollen Todesschlummer erstarret war ; ich wollte die feinen weißen Händlein ergreifen , die gefaltet auf dem stillen Busen ruheten , aber es durchschauerte mich wiederum ein unfaßbar Grauen ; die Hand war ja treulos gewesen , ein Truggebilde das holde Weib , Lug und Trug ihre Liebe , Lug und Trug die Freundschaft , Lug und Trug die ganze Welt . Ein halberstickter Fluch kam über meine Lippen , und dröhnenden Schrittes verließ ich das Todtengemach ; schallend flog der Hall der Thür durch das stille Haus . Dann pfiff ich meinen Hunden , warf das Gewehr über und schritt in die Nacht hinaus , ruhelos , ruhelos . Wie oft seitdem bin ich so gewandert in langen Nächten , bei süßem Mondenschein zur Sommerzeit , bei schauerlichem Sturm